Vorurteile raus, statt Ausländer raus! Anmerkungen zu einer Willkommenskultur à la Mistelbach.

Ein „südländischer Typ“ soll kürzlich im Mistelbacher Freibad in eine Umkleidekabine eingedrungen sein und dort ein 13-jähriges Mädchen sexuell missbraucht haben.

Was für eine „Story“! Sofort stürzten sich diverse Medien auf den „Stoff“, darunter auch solche, die sich üblicherweise seriös geben, die gerne sogar den für sich selbst erfundenen Begriff „Qualität“ vor sich hertragen, wie DiePresse oder die NÖN , die ihr „christliches Weltbild“ allzu oft durchblicken lässt.

Die alarmierte Polizei fertigte ein „Phantombild“ nach den Angaben des Mädchens an. Der Gemeinderat der Stadt Mistelbach traf sich eilends zu einer Krisensitzung, als ob ein Kriegsausbruch unmittelbar bevorstünde, und verhängte pauschal ein Hausverbot für Asylwerber: „Today no entry for refugees“. Ein Schild mit diesen „freundlichen“ Worten war schnell gedruckt, ebenso schnell, wie eine in einem Freibad nur lächerlich wirkende „Security-Truppe“ einberufen wurde.

Ein paar Tage später hieß es dann, das Badeverbot für Flüchtlinge sei „missverständlich“ als generelles Badeverbot interpretiert worden. Offenbar war dem ÖVP-Bürgermeister schon damals unwohl bei dem Gedanken, er könnte als Vorreiter einer „Ausländer raus“-Bewegung angesehen werden.

Und dann begann das Gebäude aus Lügen, Verdächtigungen und Vorurteilen Stück für Stück zu bröckeln. Zunächst wurde aus dem „sexuellen Missbrauch“ eine „Belästigung“, dann fand man partout niemanden, der zu dem Phantombild passen wollte und schließlich gestand das angebliche Opfer, die ganze Geschichte nur erfunden zu haben.

Und der Bürgermeister? Er habe das Hausverbot für Flüchtlinge doch „nur zu deren Schutz“ verhängt…

Also eh alles in Ordnung? Eh nix passiert?

Es geht gar nicht mehr um die wirren Fantastereien einer pubertierenden 13-jährigen, wenngleich man schon fragen darf, in welchem Umfeld ein Mädchen aufwächst, das solche Lügengeschichten braucht, um sich in der Öffentlichkeit interessant vorzukommen. Was haben Eltern, Lehrer und andere Bezugspersonen dem Mädchen bisher vermittelt?

Es geht um den Bürgermeister einer Bezirkshauptstadt, der hilflos, fast „trottelig“ nach Ausflüchten sucht, um seine eigenen Vorurteile und die seines Gemeinderats zu verschleiern, anstatt zu bekennen, vorschnell weit übers Ziel hinausgeschossen zu haben.

Und letztlich geht es um unser aller Vorurteile, um unser offensichtlich tief sitzendes Misstrauen, unsere Ängste, unsere Abwehrhaltung gegenüber Fremden, für die es ganz selten eine rationale Begründung gibt.

Die Lösung kann nur heißen: „Vorurteile raus, statt Ausländer raus!“

 

 

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Laa an der Thaya: Nazidreck vor dem Rathaus… Ist es schon wieder soweit?

Der Stadtplatz von Laa an der Thaya im Mai 2016: Nazidreck im Morgengrauen vor dem Rathaus. Die Bürgermeisterin (kl. Bild) redet's klein und lächelt's weg. Bild: © privat

Der Stadtplatz von Laa an der Thaya im Mai 2016: Nazidreck im Morgengrauen vor dem Rathaus. Die Bürgermeisterin (kl. Bild) redet’s klein und lächelt’s weg. Bilder: © privat/Stadtgemeinde Laa an der Thaya

Wiederbetätigung im Sinn des Nationalsozialismus ist ein Verbrechen. Nach dem Verbotsgesetz von 1947 stehen darauf bis zu zehn Jahre Haft. Nicht nur diese Strafandrohung ließ uns bisher im Allgemeinen ewig gestriges Gedankengut ächten. Erziehung, Bildung, Engagement, Courage und das Gedenken an die Opfer des Nazi-Regimes schafften es leidlich, dass Nazidreck selbst von Menschen mit geringem Geschichtsbewusstsein als solcher erkannt und entlarvt wurde. Toleriert werden braune Tendenzen hinter vorgehaltener Hand trotzdem schon immer.

In Laa an der Thaya ist das spätestens seit dem 20. Mai 2016 anders. Da entdeckte ein Arbeiter der Stadtgemeinde im Morgengrauen am Maibaum auf dem Stadtplatz, direkt vor dem Rathaus, eine Hakenkreuzfahne. Ordentlich um den Stamm drapiert. Ganz offen. Ganz offensichtlich.

Ohne Zögern tat der Gemeindearbeiter das, wozu jeder denkende Staatsbürger rechtlich und wohl auch politisch-moralisch verpflichtet ist: er zeigte diese Tatsache ohne zu zögern bei der Polizei an.

Wer die Hakenkreuzfahne an den Baum genagelt hat? Darüber rätselt nun die Exekutive. Sie rückte gegen 7 Uhr aus und entfernte das Symbol eines verbrecherischen Systems.

Jetzt ermitteln wieder einmal Polizei und Verfassungsschutz, aber wie so oft in ähnlichen Fällen mit bescheidenen Erfolgsaussichten. Eine erste Suchaktion nach weiteren Nazisymbolen in der näheren Umgebung blieb jedenfalls erfolglos. Nun sollen mögliche Zeugen einvernommen werden.

Über eine aktive rechtsextreme Szene in Laa an der Thaya ist nach Angaben von Polizeisprecher Raimund Schwaigerlehner nichts bekannt. Zwar habe es in Laa an der Thaya vor geraumer Zeit eine solche Szene gegeben, deren Mitglieder seien aber in den letzten Jahren nicht polizeilich auffällig geworden, verlautet aus Polizeikreisen.

Also alles doch nicht so schlimm? Manche Laaer Bürgerinnen und Bürger sehen das etwas differenzierter und stellen unumwunden einen Zusammenhang mit dem Bundespräsidentschaftswahlkampf her, in dem einer der Kandidaten betont nationalistische Töne spuckte. Es sei ein Klima entstanden, in dem es möglich geworden sei, sich offener aus den bisher eher mühsam verborgenen Schlupfwinkeln zu wagen.

Brigitte Ribisch, die ÖVP-Bürgermeisterin der Grenzstadt, beeilte sich sogleich, die Tat als bloße „Provokation“ einzuordnen – eine verharmlosende Einschätzung, die nicht allzu weit von den „Dumme-Jungen-Streichen“ abweicht, mit denen man ähnliche Verbrechen gerne abtut. Sie ließ aber wissen, dass sie die Tat „aufs Schärfste“ verurteile.

No na…

Von einer ehemaligen „Bildungsmanagerin“ darf, nein, muss man couragierteres und engagierteres Auftreten erwarten. Nichts sagende Worthülsen, lächelnde Verharmlosung und Kleinreden einer braunen „Flaggenparade“ vor dem eigenen Rathaus sind kein geeignetes Mittel, um den Ratten den Kampf anzusagen.

Die steirische Musikgruppe STS hat uns übrigens ein wunderbares Lied gegen die Verharmlosung gewidmet.

Frau Bürgermeisterin, bitte gut zuhören!

 

Quellen: KURIER; ORF NÖ; NÖN

*

Acht Tage brauchte die Bürgermeisterin von Laa an der Thaya für eine Stellungnahme, aber nicht etwa zu der Hakenkreuzfahne auf dem Stadtplatz sondern um den Blogger der Lüge zu bezichtigen. Zwar lässt sie wissen, sie verabscheue die Tat, schreibt aber gleichzeitig von „Lügenberichterstattung“, eine Diktion, wie wir sie von den rechten Recken einer Pegida und ihren Ablegern kennen.

Hat es die Naziflagge vor dem Rathaus etwa nicht gegeben? Das Bild spricht eine andere Sprache . Worin besteht also die angebliche Lüge?

Der Blogger hat nicht erwähnt, dass „wir in Laa ein jüdisches Denkmal haben, das für alle Ewigkeit das Naziregime verurteilt“. Schön, dass es dieses Denkmal gibt, eine Gedenkstätte, deren Errichtung allerdings nicht der Stadtgemeinde zu verdanken ist sondern einer Initiative des privaten Vereins Lead Niskor.

Was aber hat die Gedenkstätte mit der Nazifahne zu tun? Meint die  Bürgermeisterin, damit sei schon genug getan? Dass dem nicht so ist, beweist gerade die Naziflagge im Morgengrauen des 20. Mai 2016, beweisen weitere ewiggestrige Vorfälle in der jüngeren Vergangenheit in Laa, auch schon vor Frau Ribischs Amtszeit.

Es verwundert nicht, dass der Verfasser der Meldung über die Nazi-Beflaggung des Stadtplatzes attackiert, die Tat selbst aber als simple „Provokation“ abgetan wird, die man in einem Nebensatz halt „verabscheut“.

Es verwundert auch nicht, dass sich die Bürgermeisterin nun als Opfer der Kritik sieht. Die Opferrolle nimmt man dann gerne an, wenn es allzu schwer fällt, ein Bekenntnis abzulegen. Ein bedingungsloses Bekenntnis zu Demokratie und einer offenen solidarischen Gesellschaft, gegen Rassismus, Faschismus und Fremdenfeindlichkeit. Genau so ein Bekenntnis wäre mutig gewesen und das hätte mancher aufrechte Demokrat auch erwartet. Wer Rückgrat hat, braucht nicht die Krücke der Opferrolle und muss auch Kritik nicht fürchten.

Gegen den braunen Ungeist und derlei „Provokationen“ bedarf es mehr als eines Denkmals. Es bedarf beherzten Auftretens und mutigen Entgegentretens, nicht beschwichtigender Worte.

WEHRET DEN ANFÄNGEN!

 

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Fasching in Maissau: „A rechte Hetz’…“

Der Faschingsumzug 2016 in Maissau war als großer Hit angekündigt worden und tatsächlich hatten sich auch zahlreiche Zaungäste eingefunden, beklatschten und bejubelten die Kostümierten und die geschmückten Wagen, so lange bis etlichen Besuchern Lachen und Heiterkeit buchstäblich im Hals stecken blieben – kam da doch tatsächlich ein Wagen daher, „geschmückt“ mit Hass, Hetze und Neonazi-Symbolik.

Was eine richtige Gaudi werden sollte, war mit einem Schlag zur „rechten Hetz'“ geraten.

Maissauer Faschings-“Spaß” mit Hass-Parolen und Neonazi-Symbolik auf dem Nummernschild. Bild: © privat

Maissauer Faschings-“Spaß” mit Hass-Parolen und Neonazi-Symbolik auf dem Nummernschild. Bild: © privat

Ein Bild erhängter Menschen, ein Plakat, auf dem sich Maissau zynisch als „Partnerstadt Kölns“ anbiedert, ein Bild des Bundeskanzlers, darunter die Worte „Islam verleiht Flügel“ und – als ob dieser Wagen nicht schon genug Menschenverachtendes ausgestrahlt hätte – ein Nummernschild mit der Aufschrift „Asyl 88“. Für (noch immer) Uneingeweihte: die Zahl „88“ bedeutet in der Neo-Nazi-Symbolik zweimal den 8. Buchstaben im Alphabet, also H, und steht somit für „Heil Hitler“.

Stimmungsmacher à la Maissau: Menschen, die vom Galgen baumeln. Bild: ORF

Stimmungsmacher à la Maissau: Menschen, die vom Galgen baumeln. Bild: ORF

Vorbei war es dann bald bei vielen Gästen mit der Feststimmung. Betreten fuhren viele nach Hause, nicht unfroh, so einen Ort, der Hass und Hetze offenbar für faschingstauglich hält, hinter sich lassen zu können.

Die Katerstimmung breitete sich in Maissau dann schon kurz nach dem Faschingsumzug aus. Der Aschermittwoch war sozusagen vorverlegt.

Auf diese zynische Anbiederung hat man in der Karnevalshochburg am Rhein gerade noch gewartet. Bild: © privat

Auf diese zynische Anbiederung hat man in der Karnevalshochburg am Rhein gerade noch gewartet. Bild: © privat

Bereits am Rosenmontag winselte der Bürgermeister in die ORF-Mikrofone, es sei „übers Ziel hinausgeschossen“ worden und man müsse in Zukunft „vielleicht mehr [darauf] achten“. Man habe den Wagen erst beim Umzug gesehen und von den Plänen der Organisatoren im Vorhinein „nichts gewusst“. Auch der Obmann des Faschingsvereins habe von der Gestaltung des Wagens „keine Ahnung“ gehabt. Und den Gestaltern des Wagens sei auch noch „nicht bewusst“, dass sie „übers Ziel hinausgeschossen“ hätten.

Also alles lauter unbewusste, ahnungslose, um nicht zu sagen unschuldige Lämmer? Nichts gesehen, nichts gehört und völlig unbedarft halt einen Wagen schön angemalt? Ganz im Sinne der „Brauchtumspflege“ sozusagen?

Als wenn man diese Art der „Verantwortung“ nicht schon längst kennen würde! Eine „Verantwortung“, nahe verwandt den von anderen rechten Umtrieben sattsam bekannten „Dumme-Jungen-Streichen“, mit denen Neo-Nazi-Sympathisanten gerne ihre Taten kaschieren.

Derart „lustige“ verhetzende Faschingsaufmärsche kennt man schon aus der Karnevalshochburg Köln des Jahres 1938. Aus dem Karneval in der NS-Zeit wurde in den Folgejahren schnell tödlicher Ernst.

Inzwischen kümmern sich ausführlich Medien und verdientermaßen Staatsanwaltschaft und Verfassungsschutz um die Maissauer Hetzparade.

Ein Blog hat darüber hinaus auch was Gutes. Der Verfasser ist nicht unbedingt an die geschriebenen und ungeschriebenen Gesetze des Journalismus oder den Ehrenkodex für die Presse gebunden. Selten zuvor habe ich diese fehlenden Fesseln mehr genossen und schreibe frei heraus dem Bürgermeister von Maissau, Josef Klepp, ins Stammbuch:

Ein Bürgermeister repräsentiert unter anderem seine Gemeinde nach außen. Er ist quasi das Gesicht der Gemeinde.

Ein Bürgermeister, der nicht wahrnimmt, was sich in seiner Gemeinde mit nicht einmal 2000 Einwohnern vor und hinter den Kulissen abspielt, hat dieses demokratische Amt nicht verdient.

Einen Bürgermeister, der blind und blöd in der Gemeinde umher stolpert, ohne mitzukriegen, welche Strömungen sich im Verborgenen ausbreiten, welcher Hass sich an den Biertischen, in den Weinkellern und auf Faschingsumzügen breit macht, hat die Gemeinde nicht verdient.

Und ein Bürgermeister der diese kranken Strömungen in seiner Gemeinde auch noch duldet oder gar fördert und sei es auch „nur“ durch beschwichtigendes Herumeiern und schützendes Decken von Vereinsmeiern und G’schaftelhubern, hat jegliches Recht verloren, ein demokratisches Amt auszuüben.

Die gute Nachricht: Für den Maissauer Faschisten- ähh Faschingsumzug interessieren sich seit Rosenmontag Staatsanwaltschaft und Verfassungsschutz.

Die noch bessere Nachricht: Viele Besucher haben schon während des Umzugs ihre Abscheu bekundet und in die Gemütlichkeit der Gemeindestube flattern dem Vernehmen nach immer wieder kritische E-Mails.

Die auf der Maissauer Tourismusseite eilends veröffentlichte „Stellungnahme“ zu dem völlig entgleisten Event ist nur die schriftliche Form des bisherigen rückgratlosen „Herumeierns“ des Bürgermeisters. Sie lässt nicht im Geringsten auf eine Änderung in der Einstellung der Verantwortlichen schließen  und scheint lediglich von der Angst getrieben, die Glitzerwelt der „Amethyststadt“ könnte wirtschaftlichen Schaden erleiden.

 

Quellen: KURIER vom 8. 2. 2016; ORF NÖ; NÖN online vom 8. 2. 2016; kölnprogramm Filmarchiv

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Osterzeit im Weinviertler Burschenbrauch – Der Karawatsch oder Kowatsch

In Teilen des Weinviertels und Südmährens hat der Volkskundler Werner Galler unter den „Heischebräuchen“ des Ostermontags noch eine besondere Spezialität entdeckt und beschrieben: den so genannten Karawatsch oder Kowatsch.

Dieser Brauch hieß im südmährischen Mödritz (Modřice) „Auspeitschen“ und fand nach der Frühmesse statt. Die Burschen schlugen die Mädchen – auch die Ehefrauen – in den Häusern oder auf der Gasse mit einem einfachen Rohrstaberl, das sie im Ärmel versteckt hatten. Sie gingen in größeren Gruppen, und jeder wurde durch ein „gemalenes und geschriebenes“ Ei dafür „belohnt“, so dass jedes Mädchen wie beim üblichen Eiersammeln ohne Auspeitschen eine größere Anzahl vorbereiten musste. Einen „kunstvoll geflochtenen“ Rohrstab mit eingeflochtenen Maschen hatten hier nur die Kinder, die ihr Auspeitschen mit dem Heischeruf „Schmeckostern um a rots Oa“ begleiteten.

In Voitelsbrunn (Sedlec u Mikulova) wurde der Brauch nur mehr von den Kindern getragen, in Irritz war er trotz des ausgeprägten Heischebrauchtums der Burschen am Ostermontag unbekannt.

Der Brauch des Karawatschens oder Kowatschens als Tätigkeit der Burschenschaft wurde Werner Galler noch aus Herrnbaumgarten, Schrattenberg, Drasenhofen, Bernhardsthal und Katzelsdorf berichtet. Im Kinderbrauch war er noch in den 1960er Jahren in Rabensburg bekannt sowie in Drösing und Waltersdorf a. d. March. Die Vorratscher von Windisch-Baumgarten trugen den Kowatsch noch als Würdezeichen.

„Der Karawatsch war vo Weiden gflochten — sechs Äst, de san so schön viereckig worn, wann ma’s könna hat. De Burschen san am Ostermontag in der Fruah und am Vormittag ganga und harn de Madin gsalzen damit. Da hom de Madln schon quietscht, wann s‘ uns nur glei bei der Tür einakumma g’sehgn ham …“, erzählte der frühere Gemeindeangestellte und gelernte Wagner Karl Uher aus Untersiebenbrunn in einem Interview dem Forscher Galler.

In der Literatur über das Weinviertel finden sich laut Werner Galler zwei Mitteilungen älteren Datums. Der Volkskundler Weissenhofer berichtet: „Am Ostermontag karbatscht der slowakische Bursche (des Marchfelds) sein Mädl mit Weidenruthen, am Osterdienstag das Mädl den Burschen. Je inniger die Liebe, desto zahlreicher und ausgiebiger die Streiche. Dafür schenken sich die beiden gegenseitig ein Osterei.“

Leopold Teufelsbauer, der ehemalige Pfarrer von Herrnbaumgarten, stellt den Brauch für Mistelbach und Bernhardsthal fest und erzählt, dass die Mädchen am Morgen des Ostermontags „mit den Karbatschen, das sind aus fünf bis acht Weidengerten geflochtene, mit einem Mascherl verzierte Peitschen“, aus dem Bett getrieben wurden, „wenn sie es nicht vorziehen, sich durch eine Spende von Ostereiern loszukaufen“.

Helmut Fielhauer leitet das Wort „Korbatschen“ vom magyarischen „korbacsol“ (=peitschen) ab. Den Brauch weist er außer in den schon genannten Orten noch in Hohenau, Ringelsdorf, Sierndorf a. d. March, Altlichtenwarth und Asparn a. d. Zaya nach. Im ebenfalls genannten Zwerndorf bei Angern kennt man ihn nicht mehr und er ist immer seltener zu finden.

Die Verbreitung deckt sich also mit einem etwa 15 Kilometer tiefen Grenzstreifen gegen die Slowakei, die früher ungarisch war. Somit könnten die Marchfeldslowaken die ungarische Bezeichnung eingeführt haben. Das Korbatschen könnte noch weiter nach Westen gereicht haben, denn Fielhauer nennt Asparn, Teufelsbauer Mistelbach. In beiden Orten konnte Galler keine Erinnerung daran finden. Es ist auch interessant, dass eine Verbindung zu diesen beiden Orten über Poysdorf nicht bestanden haben dürfte, denn der Poysdorfer Forscher Thiel erwähnt ausdrücklich den „Karawatsch“ als Einrichtungsgegenstand des Stalles, ohne eine brauchtümliche Verwendung anzudeuten. Vielleicht könnte ein Weg über Zistersdorf nach Mistelbach zu finden sein, denn Galler konnte den Karawatsch als Abzeichen der drei Vorratscher in Windisch-Baumgarten entdecken. Dazu kommt auch die Tatsache, dass das „Schmeckostern“ bei den Deutschen in Ostmähren gebräuchlich war, in der Gegend von Znaim in der Literatur aber unerwähnt bleibt. Im deutschen Raum ist der Brauch meist unter den Namen Peitschen, Futteln, Schmeckostern bekannt gewesen.

Seit 1945 wurde das Korbatschen völlig von Kindern übernommen. Ab etwa 1970 wurde es im großen Umfang nur mehr in Herrnbaumgarten durchgeführt. Aber auch dort ist es nunmehr immer weniger geworden und wird höchstens von Kindern durchgeführt. Die Peitschen waren ursprünglich kunstvoll aus acht „Felberruten“ geflochten und die Kinder schlugen damit nur heischend an die Tür, nicht auf Frauen und Mädchen.

In Windisch-Baumgarten schließlich ist der Karawatsch nur beim Ratschen erhalten geblieben. Gerade diese drei Orte waren immer, im Gegensatz zu jenen an der March, rein deutsch. Jedenfalls dürfte das nordöstliche Weinviertel das einzige Gebiet westlich der March sein, in dem am Ostermontag die Karbatsche gehandhabt wurde und vereinzelt noch wird.

 

Quellen: Werner Galler, Die Burschenschaft des östlichen und mittleren Weinviertels, Wien 1971; Helmut Fielhauer, Das Korbatschn — ein Osterbrauch im Weinviertel. In: Kulturberichte aus Niederösterreich, 1965; Leopold Teufelsbauer, Jahresbrauchtum in Niederösterreich; R. Weissenhofer, ÖUMWB – Niederösterreich, Wien 1888; Franz Thiel, Hausrat und Kleidung im niederösterreichischen Weinlande, ÖZV 1950.

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Osterzeit im Weinviertler Burschenbrauch – Pumpermette und Unruhnächte

Über die ländlichen Burschenschaften des Weinviertels ist in der einschlägigen volkskundlichen Literatur nur wenig zu finden. Noch weniger bekannt dürften die Osterbräuche der Burschen sein, die vereinzelt bis in die 1970er Jahre gepflogen wurden. Der Volkskundler Werner Galler beschäftigte sich ausführlich mit einigen dieser fast vergessenen Bräuche.

Wenngleich heutzutage die Burschenschaften fast schon im Verschwinden sind, hat die männliche Dorfjugend sowohl im profanen als auch im halbliturgischen Brauchbereich weiterhin ihre Funktion zu erfüllen. Sie ist Träger fast aller Dorffeste und entfaltet in den Unruhnächten auch eine sittenrichterliche Tätigkeit.

Die Osterzeit hat im Osten Österreichs eine überragende Bedeutung im Jahreskreis. Lebendige christliche und christianisierte Glaubenszüge ergeben zwischen Palmsonntag und Osterdienstag einen Höhepunkt christlichen Volkstums. Ostern spielt nicht nur eine große Rolle für einzelne Angehörige einer Altersgruppe sondern für die gesamte Altersklassengemeinschaft eines Dorfs.

Einer der ältesten, heute nur noch wenig bekannten Bräuche war die Pumpermette, ein Gottesdienst in den „horae matutinae“ der Kartage, also eine Frühmette. Sie hieß auch Finstermette, weil nach jedem Psalm ein Licht gelöscht wurde. Das „Pumpern“ stammte von einem Geräusch, das am Ende der Andacht mit einem hölzernen Werkzeug, etwa einem Schallbrett, von den Kirchendienern erzeugt wurde. Noch früher erzeugten die Kirchgänger selbst dieses Geräusch. Man glaubte, dass dadurch einerseits die Wut der Juden gegen den Heiland angedeutet, anderseits der Unwille der Christen über den Verrat des Judas ausgedrückt werden sollte.

Früher riefen die Ratschenbuben zu diesem längst abgekommenen Gottesdienst. Einer ihrer Sprüche lautete: „Mir ratschen, mir ratschen de Pumper(s)metten, alte Weiber, steht’s auf und backt’s Osterflecken.“

Werner Galler berichtet über diesen alten Brauch: „Um Mitternacht ist das Pumpermettenratschen in Großmugl und in Perzendorf bei Stockerau angesetzt. Früher ratschten die Burschen von Großmugl ihre eigene Pumpermette in der Nacht von Gründonnerstag auf Karfreitag. Die Buben waren … in der Nacht darauf an der Reihe.“ Aus Ungerndorf bei Laa ist bekannt, dass der Schuldirektor seinen Knaben verboten hatte, am Karfreitag um Mitternacht zur Pumpermette zu rufen.

Zeitlich verknüpft mit der Pumpermette waren die Unruhnächte. Sie sind besonders den Burschenschaften zuzurechnen. Dabei geschah zu bestimmten fixen Terminen im Dorf allerlei Schabernack. So schreibt Galler: „Die Ungerndorfer Burschen stellen jährlich in den Nächten der Kartage schwere Holzblöcher vor die Haustüren, so dass die Bewohner in der Früh nicht hinaus können. Es wurden auch schon Rauchfänge verstopft. Noch in der Zwischenkriegszeit hat die Burschenschaft von Großharras … ‚de Holzböck austragn‘. In der Nacht schlichen die Burschen durch den Ort und holten aus Höfen und Schupfen alle Holzböcke. Vor der Kirche wurden diese Geräte in Reih und Glied ausgerichtet und mit gleichfalls entwendetem Rossgeschirr angeschirrt. Diesen Spaß trieben sie meist an den Freitagen der Fastenzeit, besonders in der Nacht auf Karfreitag. An diesen Freitagen besuchten viele Leute die Frühmesse, und es war daher auch das nötige Publikum vorhanden.“

Nicht immer verliefen die Unruhnächte so witzig-friedlich. In den Kartagen 1970 musste der Gendarmerieposten Staatz gegen betrunkene Burschen vorgehen, die sich „wie die Wilden benahmen“ und auch Sachschaden anrichteten.

Werner Galler berichtet: „Die Nacht zwischen Ostersonntag und Ostermontag widmen die Burschen von Ungerndorf und Hagendorf bei Laa dem ‚Schubkarrnzsammzahn‘. Die Osternacht als Unruhnacht mit Stehlrecht ist eher ungewöhnlich. Es steht den Burschen frei, in der Nacht ohne Straffolgen in die Höfe einzudringen, Geräte zu entwenden und auf dem Kirchenvorplatz zu türmen, von wo sie die Bauern in der Früh heraussuchen und heimholen müssen.“

Im südmährischen Grusbach (Hrušovany nad Jevišovkou) fanden sich die Burschen in der Nacht des Ostermontags auf dem Platz und den Straßen zusammen zum „Osterkrachen“. Mit ihren Peitschen erzeugten sie dabei rhythmischen, aber nicht weniger lauten Lärm. „Dieses Krachen steht sicher im Zusammenhang mit den vor allem alpenländischen Schnalzbräuchen, dem Waldviertler Pfingstschnalzen oder dem Ybbsitzer Irgenschnalzen“, meint der Volkskundler Werner Galler.

(wird fortgesetzt)

 

Quellen: Werner Galler, Die Burschenschaft des östlichen und mittleren Weinviertels, Wien 1971; Gustav Gugitz, Pumpermette und Karfreitagsratschen, in: Das Jahr und seine Feste im Volksbrauch, Wien 1949; Emma Brandl, Mein Heimatort Grusbach, 1952.

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Osterzeit im Weinviertler Burschenbrauch – Osterfeuer und das rote Ei

Osterfeuer galten im Weinviertel lange Zeit als unbekannt, bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts gab es jedoch zumindest zwei.

Der Volkskundeforscher Werner Galler schreibt: „Am Ostersonntag oder Ostermontag (wahrscheinlich am letzteren Termin, denn die Prozession nennt man ‚Emausgehn‘) wurde in Hohenruppersdorf um 3 Uhr früh eine Prozession abgehalten, die zu drei verschiedenen Feldkreuzen führte. Bei jedem Kreuz entzündeten die Burschen des Marktes ‚Rebbürdeln‘ “.

Übriggeblieben ist davon in späteren Jahren nur mehr ein Osterblasen am Ostersonntag, mit dem die Betenden um 5 Uhr früh empfangen wurden. Bis 1922 oder 1923 wurde das „Osterfeuer“ in Pfösing abgebrannt. Dort ging man am Ostermontag früh zu „drei Kreuz‘ beten“. Beim Kreuz im Hohlweg gegen Münichsthal und Ulrichskirchen wurde das von den Burschen mitgetragene Holz entzündet. Nicht zu verwechseln sind diese Feuer mit den Bränden vor der Kirchentür am Karsamstag zur Auferstehung, dem sogenannten „Judasverbrennen“, das mancherorts auch den im Lichte der Nazigräuel zumindest zweifelhaften Namen „Judverbrennen“ trug.

Ebenfalls am Ostermontag wanderten die Burschen zu den Mädchen um „a rot’s Oa“. In Wulzeshofen ging man zu den Mädchen, mit denen man im Fasching getanzt hatte. Zu verschmähten Tänzerinnen wagte man sich nicht. In Hagendorf bei Fallbach musste jedem Burschen geöffnet werden, der „rote Oa holn“ kam. Mit dem Erhalt des Geschenks war der Bursch verpflichtet, am Kirtag mit dem betreffenden Mädchen zu tanzen. Umgekehrt hieß es in Münichsthal bei Wolkersdorf, dass mit dem Mädchen nicht getanzt wurde, von dem der Bursch kein Ei bekam.

Die Eier waren also verpflichtende Abgabe an alle Burschen. So mussten z. B. im südmährischen Irritz (Jiřice u Miroslavi) alle jungen Frauen bis zum Alter von 30 Jahren jedem Burschen ein Ei geben und ihn mit einer Kleinigkeit bewirten. Selten sind die Nachrichten, dass der Bursch nur von seinem Mädchen die Ostergabe bekam. Viel eher geschah es, dass zwar jeder Bursch ein Ei erhielt, der Verehrer oder der, den das Mädchen am liebsten sah, aber ein besonders prächtiges Geschenk. So erhielt in Münichsthal „ihr Bui“ drei Stück, jeder andere nur ein gefärbtes Ei.

Ebenfalls in Irritz hielt jedes Mädchen die „allgemeinen“ Eier vorbereitet. Im Gegensatz dazu gab es die „speziellen“. Die Eier waren nicht nur rot, sondern hatten verschiedene Farben. Vor dem Färben band man Blätter von Petersilie, Zeller, Klee und „Murken“ (Karotten) darauf, um ihnen eine Zeichnung zu verleihen. Auf die speziellen Eier schrieb man mit Spitzfeder und „Schradlwasser“ (Schwefelsäure) einen Spruch, der nicht gereimt zu sein brauchte. Man teilte dem Burschen mit, dass er ein guter Tänzer sei, ein lieber Unterhalter, oder man forderte ihn auf, nicht so „stolz“ zu sein und sich weniger rar zu machen. Hin und wieder verwendete man Stammbuchverse. Ganz verwegene Mädchen gingen so weit, dass sie dem Jüngling durch das Ei sagten, dass er gerne gesehen sei und ruhig einmal mutiger werden könne. Manchmal wurde man auch aufgefordert, Enttäuschungen gutzumachen.

Über das Ei konnte auch Ablehnung ausgedrückt werden. So stand um 1940 auf einem Ei: „Was nutzt alles Zündeln, wenn kein Öl vorhanden ist.“ Auch das Zusammenhalten der Mädchen machte sich zu Ostern bemerkbar. Wenn ein Bursch mit einem Mädchen „ging“ und sich in untreuer Absicht einem anderen zuwandte, so wurde er von ihr auf dem Osterei wieder zu seinem eigenen „Mentsch“ zurückgeschickt.

In Ameis ist der Brauch des Eierholens um 1950 abgekommen. Vorher war er dem südmährischen Brauch sehr ähnlich. Die Burschen gingen in Gruppen zu dritt oder viert zu den Mädchen. Jeder Bursch besuchte jedes Mädchen, keines wurde vergessen. Die Eier wurden „simperlweis aufteilt“. Derjenige, den das Mädchen besonders gern hatte, bekam ein beschriebenes Ei. Die eingekratzten oder geätzten Sprüche lauteten etwa:

„Die Rose blüht, der Dorn, der sticht. Die Liebe spricht: Vergiß mich nicht.“

oder

„Kein Graben zu tief, keine Mauer zu hoch, wenn zwei sich lieben, sie finden sich doch.“

Oft wurde auch nur einfach „Aus Liebe“ auf das Ei geschrieben oder ein Vergissmeinnnicht aufgemalt. Das „Geschriebene“ war das Heiligtum des Burschen. Nur sein bester Freund durfte es sehen, und es wurde meist so lange aufgehoben, bis es absolut ungenießbar war. Das beschriebene Ei wurde nicht selten ein ganzes Jahr aufbewahrt und am nächsten Ostermontag der Geliebten als Zeichen der Treue vorgewiesen. Mit den anderen, für gewöhnlich roten Eiern hielt man im Wirtshaus ein Festessen ab.

Interessant ist, dass in beiden Fällen die gleiche Uhrzeit für den Besuch bei den Mädchen angegeben ist. In Irritz spricht man von der Nacht auf den Ostermontag zwischen 10 und 3 Uhr. In Ameis war es die Nacht von Ostermontag auf -dienstag. Es handelte sich also um ein „Fensterln“, das ja auch in der Neujahrs-, Mai- und Allerheiligennacht durch das Überreichen von Geschenken, allerdings umgekehrt, ausgezeichnet war.

Es heißt auch, dass ein Bursch, der ein Mädchen beleidigt hat oder ihm infolge eines anderen Umstandes unsympathisch ist, gar nicht um ein Ei kam, denn er hätte keines bekommen. Er hatte dies schon vorher durch ihre Freundinnen gehört und wollte es zu keinem „Auftritt“ kommen lassen. Er hätte wohl nur den Spott, nicht aber die Unterstützung seiner Kameraden geerntet.

Werner Galler beschreibt weiter: Zu Ostern herrschte für das Liebesleben von der Seite der Mädchen her freie Meinungsäußerung. Auch die Burschenschaft äußerte symbolisch ihre Meinung gegenüber einem Mädchen, wenn sich diese gegen die Anstandsregeln vergangen oder etwa einen Ortsfremden fensterln gelassen hatte. Es konnte dann passieren, dass das Mädchen mit 30 roten Eiern wartete und kein einziger Bursch in der Osternacht auftauchte. Dies galt natürlich als große Schande für das Mädchen.

Das Eierholen ist mancherorts bis heute noch lebendig. Die aufgemalten Sprüche sind dagegen nicht mehr gefragt. Die Burschen waren natürlich immer zu irgendeinem kleinen Streich aufgelegt, und so hieß es in Eichenbrunn, dass man es nicht immer bei dem einen geschenkten Ei belasse und heimlich zur „Selbstbedienung“ schreite, wodurch das Mädchen in höchste Verlegenheit kommt und bei den letzten Besuchern schon zu den Eiern ihrer Familie greifen muss. Auch hier wurden die Eier in der Nacht geholt, und man verspeiste sie nicht in der Gemeinschaft im Wirtshaus, sondern gleich vor der Tür des Mänchens, „dass s‘ aa wos hot davo“ – nämlich die Arbeit des Wegkehrens der Eierschalen.

Bei den Irritzer Burschen kam es auch vor, dass ganz Unzufriedene ihr Ei neben dem Fenster der Mädchenkammer an die Außenwand des Hauses klatschten und dadurch Arbeit verursachten. Anderseits konnte es geschehen, dass der „Luftikus“, der treulose Bursch, mit süßem Lächeln ein schönes Ei erhielt, das ihm dann im Hosensack zerrann, weil es entweder weich oder gar nicht gekocht war.

Die „Antlaßoar“ (Eier vom Gründonnerstag) gehörten in Großrußbach z. B. den Knechten und Mägden. Anderswo bekamen nur Mägde diese Eier. Ihnen wurde besondere Zauberkraft zugeschrieben und sie wurden in der bäuerlichen Familie zumindest im südlichen Weinviertel gemeinsam verzehrt, damit „si koans verrennt“.

Beim heute noch üblichen „In-die-Grean-Gehen“ des nördlichen Weinviertels, dem „Emausgehen“ in die zwei oder mehr Kilometer entfernte Kellergasse, wandert das gesamte Dorf hinaus, nur die Burschen feiern meist gemeinsam in einem Presshaus. Wie an jedem Doppelfeiertag ritt man auch am Ostermontag die Pferde aus dem Stall, um sie vor dem „Kreuzschlag“ zu bewahren.

Vereinzelt erhielt der Forscher Werner Galler die Mitteilung aus Niederhollabrunn, dass die sonst nur zu Allerheiligen und Neujahr bekannten Strohstriezel dort zu Ostern aufgehängt wurden. Diese Tätigkeit ist seit dem Zweiten Weltkrieg verschwunden.

(wird fortgesetzt)

 

Quellen: Werner Galler, Die Burschenschaft des östlichen und mittleren Weinviertels, Wien 1971; Gustav Gugitz, Pumpermette und Karfreitagsratschen, in: Das Jahr und seine Feste im Volksbrauch, Wien 1949.

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Als ihre Welt eine Scheibe war… Vor 50 Jahren brachten die „Red Devils“ ihre erste Schallplatte heraus

Unerwartete, aber erfreuliche Post fand ich dieser Tage in meinem elektronischen Postfach. Aus Kanada meldete sich Karlheinz Gubenschek, Ex-Gitarrist der „Red Devils“. Erfreulich vor allem deswegen, weil sie an die erste Schallplatte der Weinviertler Kultband erinnerte. Für die jungen Vollblutmusiker um den Hohenauer Fritz Potmesil bedeutete die kleine schwarze Scheibe damals wohl die Welt. Ihr sollte als einem ersten Meilenstein eine jahrzehntelange musikalische Karriere folgen.

Der gebürtige Dobermannsdorfer Karlheinz Gubenschek, der heute in Montreal lebt, erinnert sich auch nach einem halben Jahrhundert noch immer gerne an die Zeit: „Fritz Potmesil, Karl Friesacher, Reinhard Prohaska und ich wagten uns in ein Wiener Tonstudio. Leider sind Fritz Potmesil und unser späteres Mitglied Benno Heissler schon verstorben, aber damals war für uns eine herrliche Zeit!“

„Hallo Mausi“ hieß die erste auf Vinyl gepresste Nummer der „Red Devils“. Der spätere Schlagzeuger der „Red Devils“ Rudi Dlapa hat die heute äußerst rare Platte noch aufgetrieben und digitalisiert. Die Platte hat natürlich auch eine B-Seite: Der Titel „Sag‘ warum“ wurde von Bruno Laub gesungen, einem Freund der Band. Zwar hat die Tonqualität im Lauf der Zeit etwas gelitten – schließlich gab es vor 50 Jahren auch noch keine „große“ Tontechnik wie heute -, Lust und Freude an der Musik merkt man den alten Aufnahmen trotzdem noch immer an.

"Hallo Mausi". Der ersten Schallplatte der "Red Devils" sollte eine jahrzehntelange erfolgreiche Karriere folgen.  Bild: © Karlheinz Gubenschek

„Hallo Mausi“. Der ersten Schallplatte der „Red Devils“ sollte eine jahrzehntelange erfolgreiche Karriere folgen. Bild: © Karlheinz Gubenschek

Die „Red Devils“ entwickelten sich in der Folge über Jahre hinweg zu einer international beliebten Tanz- und Showband. Auftritte im Radio, Fernsehsendungen, zahlreiche Musikaufnahmen und unzählige Live-Auftritte in Österreich, Italien, der Schweiz und Deutschland sollten folgen.

Die „Red Devils“ waren auch eine beliebte Begleitband für Top-Künstler wie Peter Kraus, Dunja Rajter, Harald Juhnke, Bill Ramsey und viele andere.

Der Bandname „Red Devils“ ist übrigens auch heute noch immer wieder auf Plakaten zu finden. Rund um den Alt-„Teufel“ und späteren Musiklehrer Pepi Storch hat sich in Gaweinstal eine Band formiert, die den Namen übernommen hat und eine der heutigen Zeit angepasste „Musik mit Herz“ bietet.

Und was macht der Dobermannsdorfer Alt-„Teufel“ Karlheinz Gubenschek heute? Auf jeden Fall scheint für ihn ein Leben ohne Musik nicht vorstellbar und so machen unter seiner Leitung unter anderem „Die Silberspatzen“ im fernen Kanada erfolgreich Oktoberfest-Musik .

 

Quellen: Karlheinz Gubenschek in Kanada ; Die neuen „Red Devils“ ; Und es gab doch ein Leben vor Ö3… ; Leb‘ wohl, Fritz!

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