I bin halt a Wildschütz‘. Wilderei im Weinviertel

„Was ein echter Wildschütz ist, der hat die Jagd im Bluat,
sein Platz ist oben auf‘m Berg und schneidig ist sein Huat…“

Hubert von Goisern

Wer beim Stichwort „Wilderei“ soziale Romantik oder gar einen „Ehrenkodex“ vor Augen hat, liegt falsch. Nicht einmal hohe Gipfel und tiefe Schluchten braucht es dazu. Und „a Schneid“ erst recht nicht. Die Wilderer von heute fahren mit Geländewagen vor, blenden das Wild mit starken Scheinwerfern und knallen es dann mit schallgedämpften Kleinkalibergewehren ab oder sie legen Schlingen, stellen Fallen und verteilen Giftköder. Dahinter steht fast immer skrupellose Gier nach Trophäen. Die Wilderer schneiden den Kopf des Tieres ab und lassen den Kadaver liegen.

Die Aufzählung ist leider unvollständig, aber bestimmt sind der illegale Abschuss zweier Seeadler Ende 2007 zwischen Altlichtenwarth und Bernhardsthal (und der skandalöse Freispruch!) noch jedem im Gedächtnis, ebenso der Fund eines Adlers im November 2008 bei Hauskirchen. Der edle Vogel war offenbar in einer Schlagfalle gefangen und dann erschossen worden. Der Abschuss eines jungen Seeadlers Ende 2008 an der Grenze in den Thaya-Auen oder die Wilderei eines Rothirschs im Gatter des Forstguts Dürnberg bei Falkenstein im Oktober 2009, bei dem das Haupt des 24-Enders gestohlen und der Kadaver zurückgelassen wurde, sind ebenfalls noch in Erinnerung, und erst im August 2010 wurden in Goldgeben bei Korneuburg zwei Kaiseradler vergiftet aufgefunden.

Die Wilderei sei stark im Ansteigen, meldet Der Standard am 9. November 2010, zumindest seien es die Anzeigen. Mit den Verurteilungen sieht es nicht so rosig aus, denn wird einmal ein Wilderer erwischt, setzt es oft genug nur Geldstrafen und selbst die nur bedingt.

Zu einem dramatischen Zwischenfall kam es im Jahr 1894 zwischen Erdberg und Bullendorf. Der Heger Johann Brandl aus Erdberg hörte am Vormittag des 4. Oktober vom Kogelberg her zwei Schüsse. Er hielt Nachschau, kehrte aber nicht mehr zurück. Jäger und Gendarmerie suchten nach ihm vorerst ohne Erfolg. Erst zwei Tage später wurde die Leiche Brandls von Anton Kindl aus Bullendorf entdeckt, der mit seiner Mutter im so genannten Bartsübl mit der Weinlese beschäftigt war. Der leblose Körper lag, mit Kukuruzstengeln bedeckt, in einer Furche. Offenbar war er vom Mörder dorthin geschleppt worden. An der Leiche wurden ein Streifschuss am Kopf, Schrotkörner im Gesicht, eine klaffende Wunde in der Brust und ein Bauchschuss festgestellt. Gewehr und Stock des Hegers waren verschwunden.

Das Brandl-Kreuz zwischen Erdberg und Bullendorf.

Das Brandl-Kreuz zwischen Erdberg und Bullendorf. Bild: Kris B. Flašar

Tagelanger starker Regen erschwerte die Spurensuche, dennoch wurden in der Nähe des Fundorts die Abdrücke nackter Füße sowie von den Stiefeln Brandls stammende Spuren gefunden. Daraufhin nahmen die Gendarmen einige Erdberger und Bullendorfer ins Visier, die als Wilderer bekannt waren. Dabei fiel Josef Hartmann aus Erdberg auf, der für die Tatzeit kein Alibi nachweisen konnte. Als dann noch die Fußabdrücke am Fundort mit Hartmanns Füßen übereinstimmten, zog sich das Netz über dem Verdächtigen immer enger.

Unter einer Brücke in Bullendorf fand man das Gewehr Brandls sowie in einem hohlen Baum zwei tote Hasen. In diesem Baum hatte der Täter zuvor auch seine Stiefel versteckt, sie nach der Mordtat wieder angezogen und war nach Wilfersdorf marschiert. An den Spuren hatte man bemerkt, dass der Absatz des rechten Stiefels fünf große Nägel und vorne am Ballen zwei Flecken und drei Nägel aufwies. Bei Hartmann fand sich ein Paar Stiefel mit genau diesen Merkmalen.

Schließlich gestand Josef Hartmann nach langem Leugnen die Tat. Er wurde zum Tode durch den Strang verurteilt, bald aber begnadigt und die Strafe in lebenslangen Kerker umgewandelt. 1918 fiel er unter Amnestie, wurde entlassen und lebte fortan wieder in Erdberg.

Bis heute hält sich hartnäckig das Gerücht, dass nicht Josef Hartmann der Täter gewesen sei sondern sein Bruder. Da dieser aber Frau und Kinder hatte, habe Josef Hartmann die Tat auf sich genommen.

Die Inschrift am Brandl-Kreuz .

Die Inschrift am Brandl-Kreuz zwischen Erdberg und Bullendorf erinnert an den Mord an einem Heger durch einen Wilderer im Jahr 1894. Bild: Kris B. Flašar


Quellen: Der Standard; NÖN; OÖN; WWF; http://bullendorf.blogspot.com/

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