Söhne des Weinviertels: Die Männer der „Roten Hilfe“, Korneuburg – Widerstand in der Werft

In der Schiffswerft Korneuburg bildete sich bereits 1940 eine der wenigen Widerstandsgruppen des Weinviertels gegen das Nazi-Regime. Sie bestand aus etwa 35 Arbeitern und Angestellten. Zweck war es, im Rahmen der „Roten Hilfe“ Geld für die Familien inhaftierter Kommunisten und Sozialisten zu sammeln, Flugschriften zu verbreiten und Mitglieder zu werben. Die Zellen in der Werft wurden auf Initiative von Josef Schwarzböck von Franz Fukatsch gegründet. Der Maschinenschlosser Josef Schwarzböck war in Stockerau und Korneuburg Kassier der „Roten Hilfe“. Jedes Mitglied leistete monatlich einen Unterstützungsbeitrag von einer Reichsmark. Franz Fukatsch sammelte diese Beiträge ein und übergab sie an Schwarzböck. Der leitete sie nach Wien weiter.

Die Gruppe in der Werft war von Mai 1940 bis zu ihrer Zerschlagung Mitte 1942 aktiv. Elf Widerstandskämpfer wurden zwischen Juli 1941 und September 1942 von der Gestapo verhaftet. Josef Schwarzböck und Franz Czak wurden der Vorbereitung zum Hochverrat für schuldig befunden und am 15. Februar bzw. 17. Mai 1943 in Wien hingerichtet. Johann Gruber, Rudolf Alexander, Anton Jordan und Johann Mühl wurden ebenfalls wegen Vorbereitung zum Hochverrat verurteilt und am 22. Jänner 1943 in Berlin-Charlottenburg enthauptet. Die Hinrichtungen wurden in Korneuburg plakatiert und in Tageszeitungen veröffentlicht.

Franz Czak wurde am 11. November 1907 in Korneuburg geboren. Er war von Beruf Bauschlosser und bei der Schiffswerft in Korneuburg beschäftigt. Am 24. Juni 1942 wurde er in „Schutzhaft“ genommen. Ihm wurde vorgeworfen, aus seinem eigenen Arbeitseinkommen bis Februar 1942 monatlich zwei Reichsmark für die „Rote Hilfe“ gespendet und die Zeitung „Die Rote Fahne“, nachdem er sie selbst gelesen hatte, weitergegeben zu haben. Franz Czak wurde am 17. Mai 1943 im Landesgericht Wien enthauptet.
Bild: aus dem Archiv der Stadtgemeinde Stockerau

Franz Fukatsch wurde ebenfalls zum Tode verurteilt, dann zu lebenslangem Zuchthaus mit Frontbewährung begnadigt. Ferdinand Sagerl, Johann Wutzl, August Ruffer, Johann Jahnas und Josef Vilimek wurden zu Zuchthausstrafen zwischen drei und acht Jahren verurteilt. Werkmeister Jahnas hatte beispielsweise zweimal einen Unterstützungsbeitrag bezahlt und fünf Monate lang von anderen Mitgliedern Beiträge eingesammelt. Sie alle überlebten und kehrten nach Kriegsende nach Korneuburg zurück.

Auch unter den so genannten „Fremdarbeitern“ kam es immer wieder zu Unmutsbekundungen gegen das Regime, einmal sogar zu einer Arbeitsniederlegung. Am 27. Juli 1941 erklärten 38 niederländische Arbeiter nicht mehr weiterzuarbeiten, weil die Verpflegung mangelhaft war. Der Werksschutz wollte den Streik beenden, wurde aber von den holländischen Schiffsbauern entwaffnet. Nach Eintreffen der Gestapo wurden einige als Rädelsführer Verdächtige verhaftet.

In einem Bericht an Reichsstatthalter Jury im Jänner 1943 heißt es über die Stimmung unter den französischen Zivilarbeitern der Schiffswerft Korneuburg, es würden deutschlandfeindliche Lieder gesungen und die Rückkehr in die Heimat gefordert, um dort gegen die Achsenmächte kämpfen zu können. Das Ermittlungsverfahren führte dazu, dass von der Gestapo 16 französische Arbeiter in das Arbeitslager Oberlanzendorf eingeliefert wurden. Über das Schicksal der Zwangsarbeiter ist nur wenig bekannt.

1947 wurde in der Werft Korneuburg ein Denkmal für die Opfer des Nazi-Regimes errichtet. Nach der Schließung der Werft wurde der Gedenkstein 1994 zuerst in der Nähe des Bahnhofes neu aufgestellt. Ursprünglich waren nur die Namen der Schiffswerftarbeiter, der Korneuburger Alexander, Gruber, Jordan und Schwarzböck und des Stockerauers Czak angeführt. Im Rahmen der Neuaufstellung wurde auch der Name des Korneuburgers Johann Mühl, der zum Zeitpunkt seiner Verhaftung eingerückt war, auf dem Mahnmal angebracht. 2006 wurde das Denkmal schließlich wieder auf das ehemalige Werftgelände versetzt.

Auf dem Korneuburger Friedhof gibt es eine eigene Anlage mit Ehrengräbern für die ermordeten Widerstandskämpfer. Außerdem wurde nach jedem der Hingerichteten eine Straße benannt. Die Namensänderung der Straßen wurde bereits in der ersten Gemeinderatssitzung 1946 beschlossen.

Josef Vilimek wirkte nach seiner Rückkehr 1945 politisch in der Gemeinde, in der Schiffswerft und in der KPÖ. Er kandidierte 1949 im Linksblock für den niederösterreichischen Landtag.

Am 26. Oktober 1978 überreichte Landeshauptmann Maurer an Johann Jahnas und Josef Vilimek das Ehrenzeichen für Verdienste um die Befreiung Österreichs.

 

Quellen: Mag. Stefan Wunderl, Die Geschichte der Schiffswerft Korneuburg unter Berücksichtigung der Situation der Arbeiterschaft, Diplomarbeit 2008; Unsere Stadt – Zeitung der Stadtgemeinde Stockerau, Mai 2005

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Eine Antwort zu Söhne des Weinviertels: Die Männer der „Roten Hilfe“, Korneuburg – Widerstand in der Werft

  1. biersauer schreibt:

    Die Rote Hilfe war auch in den Reichsbahnwerkstätten organisiert und mein Großvater, Franz Prinz ist es ähnlich Franz Fukasch ergangen und nachdem er aus dem Zwangsdienst geflüchtet war, ist er 1946 wieder zurückgekehrt und konnte so diese Geschehnisse berichten

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