Hohe Schuhe und Ruderleiberl. Die Anfänge des Arbeiterfußballs in Haugsdorf

Bei einer Spurensuche nach den Anfängen des Fußballsports im Weinviertel stößt man recht bald auf den AFC Haugsdorf. Schon die Tatsache, dass im Pulkautal, wo bis heute parteipolitisch die Farbe Schwarz dominiert, überhaupt ein Arbeiter-Fußballklub gegründet wurde, erscheint bemerkenswert. Darüber hinaus gab es (und gibt es bis heute) im oberen Pulkautal keinen nennenswerten Industriebetrieb, der als Spielerreservoir dienen hätte können.

Im Jahr 1927 kam es trotz dieser Vorzeichen zur Gründung des Arbeiter-Fußball-Clubs Haugsdorf als einer Sektion des bestehenden Arbeiter-Turn- und Sportvereins, der hauptsächlich ein Turnverein war, aber auch Boxern und Radfahrern eine Heimat bot. Die Fußballer kamen damals nicht nur aus Haugdorf, sondern aus dem gesamten Pulkautal von Zellerndorf bis Hadres. Die Anreise zu den Spielen erfolgte hauptsächlich mit Zügen der damals noch bestehenden Pukautal-Bahn, denn private Fahrzeuge besaßen damals noch die Wenigsten.

Der Arbeiter-Fußball-Club Haugsdorf 1927. Bild aus dem Vereinsarchiv, zur Verfügung gestellt von Alfred Diem

Trotz seiner Positionierung als „roter“ Verein stand der AFC Haugsdorf aber schon damals allen offen, denen es um den Fußballsport ging.

Der damalige Vereinsvorstand des AFC bestand aus Johann Burger, Paul Duben, Karl Gänsdorfer, Otto Geisler, Karl Kremser, Anton Pointner und Anton Strobl. Das Klublokal befand sich im Gasthaus Rohrböck (heute Hauptstraße Nr. 37).

Der Mechanikermeister Paul Duben stellte auf der so genannten Pfaffenwiese, die heute längst verbaut ist, ein Areal zur Verfügung, an dem die Spieler des neu gegründete Vereins dem runden Leder nachjagen konnten. Fußballschuhe oder Dressen konnte sich damals noch niemand leisten. So spielte man eben mit gewöhnlichen hohen Schuhen und in „Ruderleiberln“. Aus rot-weiß-rotem Fahnenstoff schneiderten die Frauen der Funktionäre schließlich Dressen, die am 1. Mai 1928 erstmals dem staunenden (und wahrscheinlich auch stolzen) Publikum vorgeführt wurden. Das erste bedeutende Spiel damals war ein Cupspiel gegen Znaim in Haugsdorf, das aber leider mit 1:2 verloren ging.

Der Arbeiter-Fußball-Club Haugsdorf mit den neuen Dressen ab 1928. Bild: aus dem Vereinsarchiv, zur Verfügung gestellt von Alfred Diem

Im Jahr 1934 musste der Spielbetrieb eingestellt werden. Der Verein wurde aus politischen Gründen verboten. Sämtliche Geräte und Utensilien wurden beschlagnahmt. Eine Entschädigung oder Rückgabe ist nie erfolgt. Während der Nazizeit war es mit dem Arbeitersport ohnehin vorerst vorbei.

Der Fußballsport (nicht nur) im Pulkautal hat sich grundlegend verändert. Fast jeder Ort besitzt heute einen Fußballverein. Damit sind die Reservoirs für Spieler und Zuschauer kleiner geworden und auch die wirtschaftlichen Grundlagen für die Vereine haben sich insgesamt nicht gerade verbessert und so reicht es bei den meisten Klubs bestenfalls zu einem „Fahrstuhldasein“ zwischen 1. und 2. Klasse. Versuche, Vereine in höhere Ligen zu führen, sind bisher nicht zuletzt aus wirtschaftlichen Gründen gescheitert.

Wie es mit dem AFC Haugsdorf nach dem 2. Weltkrieg weiter ging, entnehmen Sie bitte der ausgezeichnet dokumentierten Vereinsgeschichte . Eine wesentliche Rolle als Aktiver und fúr den Weiterbestand des Vereins spielte Franz Jaschky, von dem ich noch erzählen werde.

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