Krautscheißer, Mondlöscher, Kotjogln. Weinviertler Orts-Spitznamen, A – F

Man hört sie nur noch selten, die Orts-Spitznamen des Weinviertels. Diese Neckereien haben eine lange Tradition, sind heute aber nur noch den Älteren bekannt.

Dieter Friedl aus Bernhardsthal hat sich um eine Zusammenstellung bemüht, erklärt großteils ihre Herkunft und hofft, es möge „heute…niemandem einfallen, sich über den Spitznamen, den man seinem Ort gegeben hat, aufzuregen“.

Ich meine, Lachen ist gesund und zumindest ein Schmunzeln haben sich die skurrilen und mitunter rätselhaften Bezeichnungen allemal verdient. Wer darüber beleidigt ist, ist selbst schuld.

Überhaupt sind die Seiten der Bernhardsthaler Friedel Stratjel und Dieter Friedl eine wahre Fundgrube für den heimatgeschichtlich Interessierten. In dieser umfangreichen Sammlung finden sich neben wertvollen Ausflugstipps aus dem Dreiländereck auch Literatur zur Geschichte Bernhardsthals, ebenso Lesenswertes und Spannendes aus dem Weinviertel und Südmähren.

Bernhardsthal…………………Mischlingjane, Hoadnjodln

Nach dem Mischling, einer im Grenzland gerne gekochten Speise (Erdäpfel und Zwiebel gemischt mit Nudeln).

Blumenthal……………………..Kiahdreckmola, Blamathola

Bullendorf……………………….Felberjogel

Von den zahlreichen Weidenbäumen und- sträuchern („Felbern“).

Drasenhofen……………………Krautscheißer

Dürnkrut…………………………Ruamzuzler

Aufgrund der von 1844 bis 1978 hier ansässigen Zuckerfabrik.

Ebersdorf………………………..Steirer

Eibesthal…………………………Schneiderhänger

Im Jahre 1569 geschah es, dass bei Jakob Herberts eingebrochen und ein Großteil seines Vermögens geraubt wurde. Da der damalige Schneider Rothenthaler aufgrund einer Erbschaft nach Tulln gezogen war, wurde sein Verschwinden sogleich mit dem Diebstahl in Verbindung gebracht. Unter einem falschen Vorwand wurde er zurück nach Eibesthal gelockt und ohne ordentliche Anhörung in den Kerker gesteckt. Eigenhändig wurden Untersuchungen durchgeführt und der Schneider gefoltert. Immer wieder beteuerte er seine Unschuld, was aber seine Peiniger jedoch nicht davon abhielt, ihn noch mehr zu quälen. Ein eigens hinzugezogener Folterknecht der Herrschaft ging unverrichteter Dinge, da er nicht mit ansehen wollte, wie die Bauern mit roher Gewalt mit dem armen Schneider verfuhren. Als die Eibesthaler schließlich die Geduld verloren und die Tortur immer härter wurde, starb Rothenthaler, ohne dass seine Schuld bewiesen wurde.

Eilig wurde der herrschaftliche Richter geholt. Mit falschen Zeugenaussagen, gefälschten Dokumenten und ohne Anhörung des Beschuldigten wurde vom Richter ein Todesurteil abverlangt, welches dieser schließlich ausstellte. Im Februar 1570 wurde der Leichnam gehenkt, damit der Richter nicht merke, dass Rothenthaler bereits tot war. Es fiel ihm zwar auf, dass dieser sich „wenig“ bewege, was die Peiniger aber auf die Folter und seinen schlechten Gesundheitszustand schoben. Als der tote Körper 11 Wochen und 5 Tage Blut schwitzte, wurde dies den Eibesthalern aber unheimlich und der Prozess durch ein ordentliches Gericht neu aufgerollt. Der wahre Schuldige wurde gefunden und mitsamt jenen Leuten, die Rothenthaler um sein Glück und Leben gebracht haben, verurteilt.

Nach dieser peinlichen Affäre neckte man die Eibesthaler, indem man einen Strick von seinem Wagen hängen ließ. Doch wehe dem, den die Eibesthaler dabei erwischten…

Eichhorn…………………………Stumm läuten

In der Gemeinde Eichhorn wurde zu Zeiten, als der Wein noch mit dem Pferdefuhrwerk ausgeliefert wurde, immer morgens vom Gemeindediener die Glocke geläutet. Als einmal in den frühen Morgenstunden einige leicht angeheiterte Bauernburschen aus Windisch Baumgarten durch Eichhorn fuhren, hatten sie eine folgenschwere Idee. Eingeweiht über die Gebräuche der Ortschaft wussten sie, dass bald die Glocke geläutet werden würde. Einer der Burschen nahm daher seine Pelzmütze und stülpte sie über den Glockenschwengel. Danach versteckten sich die Burschen hinter einer Hecke und warteten auf den Gemeindediener. Als dieser trotz heftigstem Ziehen am Seil keinen Ton vernahm und verwundert ins Freie trat um nach der Glocke zu sehen, gaben sich die Scherzbolde zu erkennen und riefen: „Seit wann tans in Achhorn stumm läuten?“ Der Gemeindediener, um nichts verlegen, antwortete nur: „In Achhorn is ois oans!“

Erdberg…………………………….Zeiselbären

Falkenstein……………………..Krimblinghengste, Gnackwetzer

Föllim………………………………Weltachs-Schmierer

Frättingsdorf………………….Kotjogln

Als die Wege noch nicht recht befestigt waren, gingen die Frättingsdorfer über die Feldwege zur Kirche nach Hörersdorf. Bei Schlechtwetter kamen sie dementsprechend kotig zum Gottesdienst..

Fortsetzung folgt

Die Aufzählung ist natürlich äußerst lückenhaft. Weitere Scherznamen für Weinviertler Orte sind jederzeit willkommen. Eine dazu passende Erklärung wäre wünschenswert, ist aber nicht Bedingung. Danke!

 

Quelle: http://friedl.heimat.eu

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