Krautscheißer, Mondlöscher, Kotjogln. Weinviertler Orts-Spitznamen, G – K

Ginzersdorf……………………..Hunnen

Götzendorf………………………Kletzenbäcker, Kletzenpecker

Wie so viele andere Spitznamen wurde auch dieser in der Mundart überliefert. Daher ist es nicht ganz eindeutig, ob es „Kletzenbäcker“ (von Kletzenbrot backen) oder „Kletzenpecker“ (vom Aufsammeln [Aufpecken] von Fallobst bedeutet.

Großkrut…………………………Die Kruter håm…

Ganz Großkrut steht unter dem Motto „Die Kruter håm…“. An den großen Ankündigungstafeln an allen Ortseinfahrten wird damit für örtliche Veranstaltungen geworben. Dieser Spruch geht weit zurück in die Annalen der Gemeinde Großkrut alias Böhmischkrut.

Aufgrund ihrer über Jahrhunderte langen Verbundenheit zu geistlichen Grundbesitzern und Ortsoberen, erst zum Stift Passau und in weiterer Folge zu den Tullner Frauen, waren sie gegenüber vielen anderen Orten des Weinviertels bevorzugt. Die geistlichen Schwestern haben Zehent und Robot nicht so vehement und genau eingefordert wie ein weltlicher Lehensherr. Auch beim Bemessen sollen sie manchmal ein Auge zugedrückt haben.

Neidvoll blickten damals die Nachbarorte auf Böhmischkrut und der Spruch: „Ja, ja, die Kruter håm…“ wurde zum geflügelten Wort. Der stolze Kruter setzte dem noch hinzu „… schöne Mädchen und an guadn Wein!“
Bis zum Bau der Brünner Straße im Jahre 1731 war Böhmischkrut eine wichtige Station der Handelsreisenden die von Süden nach Norden und umgekehrt unterwegs waren. Die Streckenführung der Brünner Straße, welche vermutlich nicht zuletzt wegen des Sitzes der Liechtensteiner über Wilfersdorf und Poysdorf ging, nahm den Krutern den Rang als wichtigster und größter Ort in der Gegend ab.

Neben dem wirtschaftlichen Niedergang wurden in der Folge die erste Bezirkshauptmannschaft, später das Bezirksgericht, diverse wichtige Ämter und Behörden nach Poysdorf verlegt. Das „große Geld“ war nun in Poysdorf zu Hause, und das ließen sie natürlich die Kruter spüren.
Um aber den „Neureichen“ ihre Verachtung auszudrücken, wählten die Kruter ein mittelalterliches Zeichen: einen toten Hund. Den Krutern waren die Poysdorfer aber nicht einmal das wert – sie übersandten nur die Hundehaut als weitere Steigerung der Verachtung. So entstand eine neue Fassung des eingangs erwähnten Kruter Mottos…

„Die Kruter håm den Hund daschlohng,
und de Haut noch Poysdorf trohng!“

Hanfthal………………………….Distelvertrinker

Die Hanfthaler Bauern hatten einen Brauch, der bei den Männern sicher großen Zuspruch fand. Sie vertranken im Wirtshaus die Disteln, damit diese im kommenden Jahr auf den Feldern nicht so stark wachsen sollten.

Harrersdorf……………………„und außerdem hobt’s engan Gmoastia vasuffa!“

Da der kleine Ort Harrersdorf, der nur von der Schafzucht und den dabei anfallenden Produkten lebte, viel morastigen Grund, keinen Wein- oder Obstbau und nur wenige Kornfelder besaß, alleine nicht lebensfähig schien, ordnete 1872 die hochlöbliche Landesregierung die „Liquidation des Ortes Harrersdorf“ an.

Es gab keine Probleme mit der Pfarre oder mit der Landwirtschaft, einzig beim Gemeindestier spießte es sich. Das Halterrecht für den Gemeindestier aber war den Krutern heilig. Es war nicht nur mit Ansehen verbunden, den sprungfreudigsten Stier der Gegend zu besitzen, es war auch eine wichtige Einnahmequelle und ein sicherer Arbeitsplatz. Und da es in einer Gemeinde keine zwei Halter und schon gar keine zwei Gemeindestiere geben durfte, mussten die Harrersdorfer den ihren wohl oder übel verkaufen. Obwohl dadurch viel Geld hereinkam, waren die Harrersdorfer nicht gerade glücklich über den Handel, auch sollte das Geld nicht der Kruter Gemeindekasse zugutekommen, so trafen sie sich zu einer Trauersitzung im Wirtshaus. Hier wurde ausgiebig gegessen und getrunken, später nur mehr getrunken, denn die Trauer war sehr groß. So groß, dass der Bürgermeister am nächsten Morgen beim Bezahlen der Zeche feststellen musste, dass der gesamte Verkaufserlös für die Trauersitzung aufgegangen war.

Seither heißt es ironisch abwertend über die Harrersdorfer: „… und außerdem hobt’s engan Gmoastia vasuffa!“

Hausbrunn……………………..Mondlöscher

Vor vielen Jahren, als sich ein Hausbrunner nach einer durchzechten Ballnacht auf den Heimweg machte, sah er in der frühen Morgenstunde über einem Stadel einen hellen Feuerschein. Schneller, als seine Füße ihn tragen konnten, verständigte er die örtliche Feuerwehr. Die aus ihrem wohlverdienten Schlaf gerissenen Feuerwehrmänner kamen sehr schnell zur vermeintlichen Brandstelle. Aber das trübe Auge des Ballbesuchers blendete nur der grell-helle Schein des über dem Stadel stehenden Mondes…

Hauskirchen…………………..schaut nix als Stoana und die Kircha vira!

Herrnbaumgarten…………Sterzjogeln

In Herrnbaumgarten wohnten sehr genügsame Leute, die mit großer Vorliebe Sterz aßen. Wenn sie nach Mariazell pilgerten, nahmen sie eine größere Menge ihrer Leibspeise als Wegzehrung mi. Die Sterzspur der beim Essen herunterfallenden Brocken, wies Nachzüglern den Weg.

Hohenau………………………….Marchfranzosen

Hohenruppersdorf…………Biadlfresser

Katzelsdorf……………………..Gelbfüßler

Als man einmal in einen vollen Korb mit Eiern noch mehr Eier hinein geben wollte, da haben sie die Eier mit den Füßen in den Korb hinein getreten, damit noch welche Platz haben sollten.

Ketzelsdorf……………………..Ungarer, Ketzersdorfer

Kleinhadersdorf…………….Krautscheißer

Fortsetzung folgt

Die Aufzählung ist natürlich äußerst lückenhaft. Weitere Scherznamen für Weinviertler Orte sind jederzeit willkommen. Eine dazu passende Erklärung wäre wünschenswert, ist aber nicht Bedingung. Danke!

 

Quelle: http://friedl.heimat.eu

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