Nicht ärgern sondern staunen – und essen

Er hat schon manchen Gartenliebhaber zur Verzweiflung gebracht: der Gundermann, auch Gundelrebe genannt (Glechoma hederacea). Dieses Kraut hat die Angewohnheit, rund um das Haus, auf geschotterten Gartenwegen, in den Ritzen von Pflastersteinen, entlang von Mauern und Zäunen zu wuchern oder einfach in der Wiese zu kriechen. Sie ist eine krautige, ausdauernde und vor allem winterharte Pflanze.

Der Gundermann, auch Gundelrebe genannt, fühlt sich besonders wohl entlang von Mauern in feuchten Wiesenstücken. Bild: Martina Tolnai

Wer sich im Garten darüber ärgert, sollte wissen, dass es sich beim Gundermann um eine alte Heilpflanze handelt, der man insbesondere entzündungshemmende, schmerzlindernde, schleimlösende und den Stoffwechsel regulierende Wirkung zuschreibt.

Vor der Kultivierung des Hopfens wurde der Gundermann aufgrund seiner Bitterstoffe zur Konservierung von Bier genutzt. Im Frühling gesammelte junge Blätter wurden früher als Gemüse gekocht, unter anderem in Gründonnerstagsgerichten. Aufgrund der Bitterstoffe und ätherischen Öle fand die Pflanze außerdem als Gewürz Verwendung. Der Geruch und Geschmack wird als harzig-aromatisch, minzähnlich und lakritzartig beschrieben.

Der Gundermann wurde außerdem in der Volksheilkunde verwendet. Gemäß dem „New Kreüterbuch“ von Leonhart Fuchs (1543) wurde es gegen Hüftweh, Gelbsucht, Leberleiden, und als harn- und schweißtreibendes Mittel gegen Gifte eingesetzt. Hildegard von Bingen empfahl die Verwendung der Pflanze gegen Kopf- und Ohrenschmerzen. Heute wird er von Kräuterheilern gegen Abszesse, Tumore und Augenprobleme verwendet. In der traditionellen Chinesischen Medizin wird er auch zur Behandlung von Lungenentzündung und Nephritis eingesetzt.

Der reiche und regional sehr unterschiedliche Aberglaube rund um diese Pflanzenart gilt als Hinweis, dass sie bereits bei den germanischen Völkern als Heil- und Zauberpflanze Verwendung fand. Als Heil- und Schutzzauber sollte er gegen Krankheiten wie Pest, auch gegen Hexen wirken. In vielen Regionen spielte er eine Rolle in Milchzaubern.

Darüber hinaus eignet sich die Gundelrebe auch gut für einfache Gerichte in der Wildkräuterküche, beispielsweise als Ersatz für Majoran. Ein paar Beispiele:

Gundelrebe-Erdäpfelkäse

300g gekochte, mehlige Erdäpfel
1 Zwiebel
1 Becher Sauerrahm
2 EL frisch gehackte Gundelrebenblättchen

Die Erdäpfel reiben, mit klein gehackter Zwiebel, Sauerrahm, Gundelrebe Salz und Pfeffer vermengen.
Erdäpfelkäse ist ein wunderbarer Brotaufstrich und schmeckt Groß und Klein. Mit der Gundelrebe schmeckt er noch ein wenig würziger und bietet in der Wildkräuterküche willkommene Abwechslung.

Gundelreben-Kartoffellaibchen

500g mehlige Kartoffel
1 Ei
etwas Dinkelmehl
Salz und Muskatnuss
Ein paar Blättchen der Gundelrebe

Die Kartoffel kochen und abkühlen lassen. Ganz fein reiben und mit Mehl und Ei zu einem Kartoffelteig kneten. Die Gewürze und die Gundelrebe dazugeben Kleine Laibchen formen und in wenig Butter herausbacken. Mit frischen Blättchen dekorieren.

Deftige Kartoffelsuppe mit Gundelrebe

5 große Kartoffeln
1 Karotte
1/2 Sellerie
1 kleine Zwiebel
etwas Öl
10 dag Schinkenspeck
3 handvoll Gundelrebenblätter
1 handvoll Brennnesselblätter

Kartoffel und Gemüse würfeln und in Salzwasser weichkochen.
Zwiebel und Speck in Öl anrösten, Brennnesseln dazugeben, dann etwas Mehl dazu und mit der Suppe aufgießen.

Gundelreben-Erkältungstrunk

1 Tasse heiße Milch, 1 EL Honig, 2 EL Gundelrebenblätter
Die Gundelrebe in die heiße Milch geben, 10 min zugedeckt ziehen lassen, abseihen, mit Honig süßen und heiß trinken.

 

Quellen: Kräuterkreis – Pflanzenrad; http://www.jursitzky.net/ ; Wikipedia

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