Verdienter Arbeitersportler: Franz Jaschky, Haugsdorf

Locker und entspannt sitzt mir Franz Jaschky aus Haugsdorf gegenüber, als er aus seinem bewegten 85-jährigen Leben erzählt, und ab und zu huscht sogar ein Lächeln über sein Gesicht, obwohl gerade die Jugendjahre während des 2. Weltkriegs und die Nachkriegszeit alles andere als lustig verliefen.

Franz Jaschky, Haugsdorf, ein vorbildlicher Arbeitersportler aus Leidenschaft. Bild: Kris B. Flašar

Im Jahr 1925 geboren, wurde der junge Franz Jaschky in den letzten Kriegsmonaten zum RAD, dem so genannten Reichsarbeitsdienst des nationalsozialistischen Machtapparats, eingezogen und in der Nähe von Frankfurt am Main zum Flak-Schützen ausgebildet.

Wenn es der militärische Drill und die immer häufigeren Fliegerangriffe zuließen, kickte der fußballbegeisterte Bursch bei der Spielvereinigung Griesheim 02, einem Frankfurter Vororteklub. Bei Kriegsende geriet er in US-amerikanische Gefangenschaft, aus der er schließlich 1946 in Richtung Innsbruck entlassen wurde. Mit nichts als einer zerschlissenen Uniform am Leib schlug er sich per Bahn nach Wien und schließlich nach Haugsdorf durch.

Bald nach seiner Heimkehr fand er Arbeit bei den ÖBB, zuerst auf dem Oberbau und beim Verschub, später nach einer schweren Armverletzung in der Kanzlei des Bahnhofs Hollabrunn.

Seine wahre Liebe gehört neben seiner Familie aber bis heute dem Fußball. Gemeinsam mit Josef Sturm und anderen sportbegeisterten Haugsdorfern gründete er noch 1946 den zuvor von den Nazis verbotenen Arbeiterfußballclub Haugsdorf neu und übernahm auch die Arbeit des Sektionsleiters. Er kann mit Fug und Recht einer der „Väter“ des wieder erstandenen Vereins genannt werden.

Als Fußballspieler war Franz Jaschky eine Ausnahmeerscheinung. Bis zu seinem 47. Lebensjahr stürmte er in der Kampfmannschaft des AFC Haugsdorf und noch weitere fünf Jahre in der Reservemannschaft. Anschließend war er bis zu seinem 72. Lebensjahr bei den Senioren aktiv – vorerst in Haugsdorf und nach der Einstellung des Spielbetriebs noch etliche Jahre bei den Senioren in Hadres-Markersdorf – Jahre, die er, wie er selbst sagt, nicht missen will und die ihm stets in Erinnerung bleiben werden. Sein letztes Spiel bestritt er zum 70jährigen Bestandsjubiläum des AFC Haugsdorf im Jahr 1997. Ein Spiel wird ihm immer ganz besonders im Gedächtnis bleiben: Als Gastspieler des SC Retz erzielte er beim 7:2-Sieg in einem Freundschaftsspiel in Genf in der Schweiz allein fünf Tore.

Darüber hinaus wurde ihm bei vielen Gruppenauswahlspielen, in denen er zahlreiche Tore erzielte, die Kapitäns-Ehre zuteil.

Franz Jaschky ist auch ein politischer Mensch mit Grundsätzen, derentwegen er als Gemeinderat in Haugsdorf, als Bürgermeisterkandidat der SPÖ und erst recht als Sportler und Funktionär über Parteigrenzen hinweg großes Ansehen und Respekt genoss und bis heute genießt.

 

Quellen: http://members.aon.at/afc_haugsdorf/vereinsgeschichte.html ; persönliches Gespräch am 8. 10. 2010

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