Der Weinviertler Fußball im Nebel der Geschichte

Es ist bemerkenswert, dass der Fußballsport im Weinviertel in den 1920er und 1930er Jahren und auch kurz nach dem 2. Weltkrieg trotz vielfach fehlender Strukturen wie einem geordneten Verbandsleben oder auch schwieriger Verkehrsverhältnisse derart lebendig war, wenngleich das  damals noch engmaschige Bahnnetz dem Spielbetrieb sicherlich zugutekam.

Diese „Hochblüten“ endeten allerdings manchmal bereits nach wenigen Jahren. Entweder mangelte es an Nachwuchs oder der Verein konnte sich den Spielbetrieb finanziell einfach nicht mehr leisten.

Hier eine Zusammenstellung ehemals aktiver Fußballvereine(ohne Anspruch auf Vollständigkeit).

SV Alt Prerau. Über diesen Verein, der Anfang der 1950er Jahre reguläre Meisterschaftsspiele ausgetragen haben soll, ist leider nichts bekannt. Dem Vernehmen nach setzte sich die Mannschaft aus fußballbegeisterten Landarbeitern des Gutshofs zusammen.

SC Union Auggenthal, 1950 bis 1954, die Anmeldung beim NÖFV erfolgte am 10. Februar 1951 unter Obmann Johann Geischläger.
Die Spielplatzeröffnung auf einem Areal der Familie Schachhuber (auf dem Ziegelofengelände – Verlängerung der Ziegelofengasse) fand im März 1951 mit einem Blitzturnier statt. Es spielten SC Union Auggenthal, AFC Haugsdorf, Union Retz und Wullersdorf. Sieger wurde der AFC Haugsdorf.
1951/52 errang der SCU Auggenthal in der 2. Klasse Pulkautal unter acht Mannschaften mit drei Punkten den 5. Platz, 1952/53 reichte es in der 2. Klasse Laaerfeld unter acht Mannschaften zu Platz 6 mit zehn Punkten, 1953/54 wurden die Auggenthaler unter neun Teams Fünfte.
Auflösungserscheinungen zeigten sich, als Auggenthal zu den Meisterschaftsspielen gegen Union Asparn und Klein-Hadersdorf nicht antrat, da keine Fahrzeuge und zu wenige Spieler zur Verfügung standen. In der Nö. Sportzeitung vom 8. September 1954 wurde schließlich mitgeteilt, dass der SC Union Auggenthal ausgeschieden sei.
Auf dem neu errichteten Sportplatz zwischen Auggenthal und Jetzelsdorf (heute im Besitz der Familie Baar) wurde nie gespielt. Der neu angelegte Rasen wurde ständig vom Wiesenrohr überwachsen.

Austria Bernhardsthal, gegründet 1934, 1946/47 Meister der 2. Klasse Nordost, 1952 erfolgte die Fusion mit dem 1950 gegründeten ASK Mühlberg, der seinerseits 1951/52 Meister der 2. Klasse Nord B geworden war, zum neuen Verein ASK Mühlberg-Bernhardsthal, 1968 letzte Namensänderung zum SC Bernhardsthal. Gründungsmitglieder waren Rupert Moser und Jakob Schultes.

Die Gründungsmannschaft von Austria Bernhardsthal im Jahr 1934 mit dem späteren Hauptgruppen-Obmann Kellner als Tormann. Bild: aus dem Buch „75 Jahre NÖFV“

SV Blumenthal, 1952 bis 1955, Fairnesssieger 1952/53 in der damaligen 2. Klasse Erdölgebiet.

Dörfles bei Gänserndorf, 1930 bis 1935.

Reichsbund Haugsdorf, gegründet 1926, das Klublokal war im Gasthaus Meisl (vormals Jüttner bzw. Winkelbauer, heute Khachab, in der Hauptstraße 2.
Der Sportplatz befand sich auf dem Ziegelofenareal (Verlängerung der Ziegelofengasse – Agrarweg), welches von der Familie Schachhuber zur Verfügung gestellt worden war. Vorher wurde auf der so genannten Pfaffenwiese gespielt.
Die Vereinsführung hatten Leopold Ernst, Franz Lutzer und Franz Meisl inne.
Der Spielbetrieb wurde im Jahr 1937 eingestellt.

SC Immendorf, gegründet 1946, 1951 Spielgemeinschaft mit dem SC Wullersdorf, die 1953 wieder aufgelöst wurde, 1960 aus dem NÖFV ausgeschieden, war 1951/52 Meister der 2. Klasse Nord A, 1954/55 Meister der 2. Klasse Laaerfeld, Fairnesssieger 1950/51 in der 2. Klasse Nordwest A.

SC Karnabrunn, 1947 bis 1950.

ASV Leitzersdorf, 1946 bis 1950.

SC Union Caritas Retz, 1959 bis 1962. Auf der Website des SC Retz findet sich folgender Hinweis: “Der Sportverein Retz wurde im Jahr 1921 gegründet. Bis 31. Juli 1956 gab es den ATSV Retz und die Union Retz. In dieser Zeit konnte der ATSV drei Meistertitel und die Union einen Meistertitel einspielen. Im August 1956 haben sich der ATSV und die Union zum SC Retz fusioniert. Als Vereinsfarbe wurde grün / weiß gewählt.“ Demnach besteht bei den Jahreszahlen eine deutliche Diskrepanz. Ein Verein, der laut NÖFV von 1959 bis 1962 bestanden hat, kann sich nicht bereits 1956 fusioniert haben.

Arminen Stockerau, 1920 bis 1925.

Waidendorf bei Dürnkrut, 1932 bis 1935.

ASC Zistersdorf-Werk, 1946 bis 1948.

SV Zwingendorf-Obritz, 1954 bis 1963.

Interessant erscheint auch der Umstand, dass 1939 die Vereine GSC Pressburg (Bratislava, SK), DFC Brünn (Brno, CZ), GFC Iglau (Jihlava, CZ), Engerau (Petržalka, SK), DFC Oberhuber Pressburg, BTC Pressburg, Admira Pressburg, Donaustadt Pressburg, Bule Pressburg, Nikolsburg (Mikulov, CZ), Sportbrüder Brünn, TSV Lundenburg (Břeclav, CZ), GFC Znaim (Znojmo, CZ) und Parndorf (Burgenland) beim Nö. Fußballverband gemeldet waren. Als „deutsche“ Vereine waren sie national(sozial)istisch ausgerichtet und dienten vor allem ideologischen Zielen. Mit dem kurz darauf beginnenden Krieg schieden aber alle bis auf die drei Letztgenannten wieder aus.

 

Quellen: 75 Jahre NÖFV – Die Geschichte des niederösterreichischen Fußballsports von 1911 bis 1986; AFC Haugsdorf; SC Retz.

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