Die „Loamgstettn“ in Ameis – ein Weinviertler Kleinod

Ein kühles Gewölbe. Süffiger Wein. Vor dem weißgekalkten Presshaus ein Nussbaum, der angenehmen Schatten spendet. Darunter ein gemütliches Bankerl. Ab und an ein herrlicher Blick über die sanft-wellige Landschaft… Wer sich einen angenehmen Nachmittag so etwa vorstellt, wird in Ameis überreich bedient. Hier liegt, etwa 1,5 km außerhalb der Ortschaft, eines der schönsten Kellerdörfer des Landes – die „Loamgstettn“. In einem ganz besonderen Kleid zeigt sie sich im Juni, wenn ihre zahlreichen Rosenbüsche in voller Blüte stehen.

Die „Loamgstettn“ zeigt sich erst auf den zweiten Blick aus angemessener Entfernung.

Herzlich willkommen!

Das so genannte „böhmische Platzlgewölbe“ in einem Ameiser Presshaus. Das Kuppelfeld wurde einst ohne Schalung gemauert.

In der Rosengasse.

Gezählte 89 Keller und Presshäuser schmiegen sich an einen Hügel inmitten des Ameiser Feldes um einen Platz, der alljährlich auch den stimmungsvollen Rahmen für ein Sommernachtsfest der Feuerwehr abgibt.

Fest verriegelt und dennoch einladend.

Hier ein Bankerl…

…da ein schattiges Plätzchen…

…unter interessanten Details.

Sattes Grün…

…wohin man blickt.

Hier, am so genannten „Rosengrund“, sind nahezu alle Presshäuser gut erhalten oder sehr einfühlsam und sachkundig renoviert. Hier hat sich noch keiner getraut, den alten Presshäusern ganze Stockwerke aufzupfropfen oder sie gar mit pseudo-tirolerischen Balkonen und Türmchen zu verkitschen. Da schauen schon die „Köllamauna“ um Rudolf Lenk drauf, selbst Besitzer eines der größten Keller und seines Zeichens auch Ortsvorsteher.

Die alten Presshäuser und Keller…

…sind alle noch…

…im ursprünglichen Zustand.

Hier achtet…

…jeder darauf,…

…dass Kitsch…

…oder Bausünden…

…draußen bleiben.

Nicht umsonst errang die Ameiser „Loamgstettn“ beim Weinviertler Kellergassenwettbewerb 1997/98 den ersten Preis. Auch der Einzelbewerb ging damals an einen Ameiser Keller.

Wer tiefer in die Geheimnisse des Ameiser Kellerdorfs eindringen will, wendet sich an Erwin Neydharth. Der ist ein interessanter Gesprächspartner und weiß allerlei Wissenswertes aber auch manche Schnurre zu erzählen. Von Mai bis Oktober führt er Besucherinnen und Besucher für vier Euro zu den schönsten Ecken und in die lauschigsten Keller und Presshäuser der „Loamgstettn“. Man trifft sich am Eingang zur „Loamgstettn“. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Auskünfte gibt es unter der Handynummer 0664/73020920 oder per eMail unter juergen.neyd@aon.at.

Überraschende,…

…friedvolle…

…und geheimnisvolle…

…Ausblicke sind dem Besucher gewiss…

…sowohl ins weite Land…

…als auch nach innen.

Auch das Dorf Ameis selbst hat einiges zu bieten. Es blickt auf eine lange Geschichte zurück. Die historische Bedeutung des Ortes erkennt man an der Dorfkirche, die dem heiligen Nikolaus geweiht ist. Der massive, gedrungene Bau zeugt von einer wehrhaften Vergangenheit bereits im 12. Jahrhundert. An der Außenwand der Apsis gemahnt ein kleines Relief an die bekannte steinerne Bibel von Schöngrabern. Ein Brunnen aus Sandstein, anlässlich des Millenniums errichtet, komplettiert den Ameiser Hauptplatz.

Auf wiedersehen!

Bedeutend für das gesellschaftliche Leben in Ameis ist das gegenüber der Kirche liegende neue Dorfzentrum. Mit viel Engagement der Ortsbevölkerung wurde ein altes Gasthaus renoviert und als „Dorfwiazhaus“ wieder zum Mittelpunkt für Feiern, Konzerte und Versammlungen. Der Sieg beim Wettbewerb 2010 um die „Goldene Kelle“ des Landes Niederösterreich ist der verdiente Lohn für dieses herausragende Beispiel gelebter Dorfsolidarität.

Ein Feature in Bild und Text von Kris B. Flašar

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