Ein Industriedenkmal im Todeskampf

Schöne, neue Welt. Nach den Ziegelfabriken in Laa an der Thaya, Frättingsdorf, Zistersdorf, Bullendorf, Gänserndorf und vielen anderen lokal, regional und bis nach Wien bedeutenden Ziegeleien ist nun auch der gut erhaltene Ringofen in Neubau-Kreuzstetten vom Abriss  bedroht. Der derzeitige Eigentümer des Areals hat wie es scheint keinerlei Interesse an der Erhaltung eines der letzten bedeutenden Industriedenkmäler des Weinviertels. Dabei würde sich die Anlage beispielsweise bestens zu einem Ziegelmuseum eignen, das der Bedeutung der einstigen Weinviertler Paradeindustrie gerecht werden könnte. Allein, es fehlen offensichtlich Wille und Geld.

Dabei ist  die Anlage schon allein wegen seines Hoffmannschen Ringofens erhaltenswert, einer „Einrichtung zum effektiven kontinuierlichen Brennen von Ziegeln, Kalk und Gips“, benannt nach dem deutschen Baumeister und Erfinder Ingenieur Friedrich Eduard Hoffman (1818 – 1900), der ihn 1859 zum Patent angemeldet hatte.

Der Ringofen revolutionierte die Ziegelindustrie des 19. Jahrhunderts. Der kontinuierliche Brand lieferte zum ersten Mal eine gleichbleibende Qualität der Ziegel, während das Ergebnis in den vorher üblichen Kammeröfen nach jedem Brand anders aussah. Außerdem brannten die Ringöfen erstmals ununterbrochen Tag und Nacht, was den Bedarf an Arbeitskräften sprunghaft anwachsen ließ, zugleich aber auch eine vorher nie gekannte Steigerung der Ziegelproduktion ermöglichte.

Die 1870 in Neubau-Kreuzstetten errichtete Ziegelei wurde 1884 von Martin Steingassner (1838-1917) übernommen, der im Weinviertel auch die Fabriken in Frättingsdorf, Stillfried und Wolkersdorf besaß. In den Jahren 1889 und 1904 wurde die Ziegelei um zwei Ringofenanlagen erweitert, in denen jährlich bis zu fünf Millionen „Steingassner-Ziegel“ hergestellt wurden. Die Absatzmöglichkeiten wurden durch die Anbindung an das Eisenbahnnetz erheblich verbessert. Um 1920 arbeiteten hier 200 Menschen, 1975 nur noch 22. Der Betrieb wurde 1975 geschlossen.

              

Der Hoffmannsche Ringofen von Neubau.Kreuzstetten stellt nach dem Verschwinden aller einst bedeutenden Ziegelfabriken im Weiniertel ein einmaliges Industriedenkmal dar. Bild: © Kris B. Flašar

Neubau-Kreuzstetten, Verwaltungsgebäude der Ziegelfabrik.
Bild: © Kris B. Flašar

Detail der Ziegelfabrik Neubau-Kreuzstetten.
Bild: © Kris B. Flašar

Detail der Ziegelfabrik Neubau-Kreuzstetten.
Bild: © Kris B. Flašar

Detail der Ziegelfabrik Neubau-Kreuzstetten.
Bild: © Kris B. Flašar

Anmerkung: Wer die Funktion eines Hoffmannschen Ringofens intensiver studieren will, dem sei die Seite http://www.figuren-modellbau.de/mauersteine.html empfohlen. Basierend auf Meyers Großes Konversations-Lexikon, 6. Auflage 1905–1909, werden hier dessen Bedeutung und Funktionsweise penibel erläutert.

 

Textquellen: Heimatbuch des Verwaltungsbezirkes Mistelbach. Band II, Wien 1959, S. 300; Wikipedia

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