„Der 12. Mann“ oder „‘Under cover‘ nach Deutsch-Wagram“

Vom bereits verstorbenen bekannten Marchegger Fußballfunktionär Karl Asboth stammt die Geschichte aus dem Jahr 1956, an der Baron Münchhausen seine Freude hätte: „Vor dem Entscheidungsspiel der Jugendmannschaft des damaligen ASK Marchegg um den Gruppen-Meistertitel in Deutsch-Wagram ergaben sich ungeahnte Schwierigkeiten. Weil der mit Holzgas betriebene Mannschafts-Lkw unmittelbar vor der Abfahrt seinen Geist aufgab und in der Eile kein anderes Fahrzeug aufzutreiben war, organisierte ich in letzter Minute einen Traktor mit Anhänger. Aber auch der war, vor allem wegen defekter Bremsen, kaum fahrbereit. Da die Zeit drängte und ein Nicht-Antreten eine automatische Niederlage bedeutet hätte, nahmen wir das Risiko trotzdem auf uns und fuhren los, versteckten aber Spieler und Begleiter unter der Plane des Anhängers. Der Schreck war groß, als kurz vor Deutsch-Wagram Gendarmen eine Verkehrskontrolle durchführten und die Mängel feststellten. Spieler und Begleiter verhielten sich mucksmäuschenstill und die Gendarmen schauten zum Glück nicht unter die Plane. Chauffeur Walter Kriedl wurde noch belehrt, ‚nur ja ohne Fracht‘ noch bis Deutsch-Wagram zu fahren. Am Ziel mussten sich die Spieler hastig umziehen. Dabei stellte man mit Schrecken fest, dass man eine Garnitur Dressen zu wenig mitgenommen hatte. Der Zeugwart konnte sich anhören, dass er nicht bis Elf zählen könne. So musste der Spieler ‚Juppi‘ Haisl in eine provisorische Dress schlüpfen, die der offiziellen Ausstattung bestenfalls nachempfunden war. Die Marchegger begannen gut und gingen bald in Führung. Da erkannten Jugendleiter Asboth und ein Schlachtenbummler plötzlich, dass die Marchegger, vom Schiedsrichter unbemerkt, zwölf Mann auf dem Platz hatten. Schweren Herzens holte Asboth den zwar gut spielenden, aber nicht ganz vorschriftsmäßig gekleideten ‚Juppi‘ Haisl wieder vom Spielfeld. Damals gab es zum Glück noch keine Rückennummern. Es brauchte aber einiges Geschick, dem ‚Juppi‘ den Grund seiner Auswechslung hinter vorgehaltener Hand zu erklären“.

Das Spiel endete schließlich mit einem 3:2-Sieg für Marchegg und dem Meistertitel vor dem alten Rivalen aus Deutsch-Wagram.

„Warum habt ihr damals ‚den Dicken‘ [„Juppi“ Haisl] aus dem Spiel genommen? Der war doch gar nicht schlecht“, wunderte sich noch Jahre danach ein Deutsch-Wagramer Jugendfunktionär in einer Plauderei mit Karl Asboth. Nach dem „Geständnis“ Asboths wunderte er sich noch mehr, dass auch er die Überzahl der Marchegger nicht bemerkt hatte. Dem damaligen Marchegger Zeugwart aber haben alle damals Abbitte geleistet. Er hat ja doch bis Elf zählen können…

Aus der Jubiläumsschrift 1970 des SC Marchegg

 

Quelle: 75 Jahre NÖFV – Die Geschichte des nö. Fußballsports von 1911 – 1986

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