Es klappert die Mühle…schon lange nicht mehr

Interessante Einblicke in die vor-industrielle Geschichte des Weinviertels könnten die einstmals zahlreichen Mühlen an unseren Bächen und Flüssen bieten. Leider wissen oft nicht einmal mehr Einheimische von der Existenz einer Mühle in ihrem Ort. Einige wurden von Privaten erworben, zum kleineren Teil renoviert, zum größeren zu Wohnzwecken umgebaut, einige befinden sich in sehr desolatem Zustand, die meisten sind überhaupt verschwunden. Vielleicht kann einer der LeserInnen ein wenig Licht ins Dunkel bringen. Für Hinweise bin ich sehr dankbar.

Hier ein Beitrag aus dem Raum Poysdorf.

Von der heute verschwundenen Ortschaft Maxendorf (Mechsendorf), die zwischen Poysdorf und Walterskirchen lag, ist lediglich eine Mühle nahe Ketzelsdorf übrig geblieben, die von den Wassern des Poybachs betrieben wurde, die so genannte Schwayermühle.

Die Schwayermühle zwischen Poysdorf und Walterskirchen. Bild: Misako Yamamoto

In einem Stiftsbrief aus dem Jahr 1596 wird erstmals urkundlich eine „mul zw massindorf“ als dem Stift Klosterneuburg gehörend erwähnt.

Überliefert ist eine Mühle mit zwei Gängen, von denen einer nur nach der Schneeschmelze bzw. mit Regenwasser betrieben wurde. Die Mühle besaß weiters noch „einen öden Fischhalter, einen Keller, einen Ablassgraben, einen Stadel sowie Baum-, Gras- und Kuchlgarten“.

Nach dem Urbar von 1596 gehörte die Feldmühle zur Herrschaft Wilfersdorf und hatte den Namen „Kattermühle“. Als weitere Mühlenbesitzer sind Rötzel (1753), Pinsker (1831) und Schwayer (1846) überliefert.

Der Antransport des Mahlgutes und der Abtransport des Mehles erfolgten über die Verbindungsstraße zwischen Poysdorf und Walterskirchen, die früher an der Mühle vorbei führte.

Karl Schwayer entstammte einer wohlhabenden Müllerdynastie aus Prinzendorf und Niederrabsdorf. Er montierte 1863 eineDampfmaschine. Die hohen Frachtkosten für die schlesische und böhmische Kohle brachten jedoch den Betrieb zunehmend unter finanziellen Druck, so dass er bald wieder auf Wasserantrieb umgerüstet wurde. 1933 wurde mit der Regulierung des Poybachs das Wasserrecht eingelöst und der Mahlbetrieb eingestellt.

Heute wird die Mühle bewohnt und dient auch als Geflügelstall. Sie befindet sich, zumindest von außen betrachtet, leider in einem sehr schlechten Zustand.

Stadler beschreibt das gesamte Ensemble als „von einem wuchtigen Mühl- und Wohntrakt dominiert. Das Gebäude wurde über einem lang gestreckten Grundriss zweigeschossig errichtet, ein hohes Walmdach schließt es nach oben hin ab. Nordseitig befindet sich der konische, ziegelgemauerte Dampfschornstein.“

 

Quellen: Schautafel „Maxendorf“; Gerhard A. Stadler, Das industrielle Erbe Niederösterreichs: Geschichte, Technik, Architektur; Robert Gloss, Poysdorfer Geschichten, 1995.

 

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