Und es gab doch ein Leben vor Ö3: „The Red Devils“, Hohenau

Als ich kürzlich einem Kleinbus mit der Aufschrift „Red Devils“ begegnete, war meine erste Reaktion: „Was, die gibt’s noch!?“ Tatsächlich ist selbst mir als nicht im Weinviertel aufgewachsenem „Zuagrasten“ eine Musikgruppe dieses Namens noch in allerbester Erinnerung.

Mitte der 1960er Jahre. Ein Leben ohne Discos. Auch Ö3 war noch lange nicht erfunden, dafür Evamaria Kaisers „Gut aufgelegt“ im Regionalradio, einmal pro Woche die Hitparade und als Höhepunkt des Musikgenusses eine Musikbox im Hinterzimmer des örtlichen „Kaffeehauses“. So sah es noch Mitte der 1960er Jahre im Ort meiner Jugend nahe St. Pölten aus. Das Kaffeehaus gehörte übrigens meinem Großonkel, war aber für „verrucht“ und daher für mich zur verbotenen Zone erklärt worden. Ein paar Mal im Jahr war dafür im Saal des Gasthauses gegenüber die Hölle los: Die „Red Devils“ waren angesagt und das im doppelten Wortsinn. Einerseits bedeutete das Ereignis für die Jugend aus Nah und Fern eine seltene Chance auf Bekanntschaften, anderseits waren für uns die „Devils“ tatsächlich der Inbegriff moderner Tanzmusik.

Sie gaben ab 1965 den Ton an. Die „Red Devils“, v. l. n. r. Karlheinz Gubenschek, Manfred Prohaska, Friedrich August Potmesil, Charly Haupt.
Bild: Manfred Prohaska

Es war die Zeit der samstägigen „Fünf-Uhr-Tees“. Das hatte mit nobler englischer „tea-time“ gar nichts zu tun, auch wenn der „Knigge“ den Begriff in völliger Verkennung der Tatsachen als „formvollendete Einladung zu einer Nachmittagsgesellschaft“ beschreibt. Es waren vielmehr Tanzveranstaltungen mit zu dieser Zeit allerorten aus dem Boden schießenden „Bands“.

Bereits 1965 gründete in Hohenau der junge Volksschullehrer Fritz Potmesil, der zuvor als Geiger, Saxophonist und mit seinem Akkordeon die legendäre „Kapelle Worliček“ verstärkt hatte, mit einigen Freunden eine solche Band. Am Anfang standen eine bescheidene Ausrüstung, ein ebensolches Repertoire, aber nahezu unbeschränktes Engagement und eine nicht zu leugnende Vorliebe für musikalische Vorbilder aus England. Die „Beatles“ und die „Rolling Stones“ wären wohl kaum so berühmt geworden, wenn sie sich etwa „Die lustigen Liverpooler“ genannt hätten, daher musste auch in Hohenau ein englischer Bandname her. Die „Devils“ waren geboren. Neben dem erwähnten Hohenauer Fritz Potmesil und seinem Akkordeon gehörten der Gitarrist Karlheinz Gubenschek aus Dobermannsdorf, der Bassist Reinhard Prohaska aus Hohenau und Charly Haupt aus Neusiedl an der Zaya am Schlagzeug zur Stammbesetzung.

Sehr bald wagten sich die „Devils“, die sich wegen einer Wiener Band gleichen Namens bald „The Red Devils“ nannten, aus der Geborgenheit des Pfarrheims in Hohenau in die Welt hinaus. Tingelten sie anfangs noch zwischen Wirtshaussaal in Rabensburg und Schloss-Café in Zistersdorf, so mauserten sie sich innerhalb kürzester Zeit zu einer der meistgefragten Musikformationen des Landes. Mit immer besserem Equipment und einem deutlich erweiterten Repertoire gewannen sie dreimal den „Weinland Grand Prix“, eine viel beachtete Talenteshow in Hollabrunn, knüpften erste Kontakte zur Austropop-Szene um Wolfgang Ambros und Ulli Baer und galten als heiß begehrte Band für Tanzkränzchen. Die Legende weiß zu berichten, dass nach dem wiederholten Sieg beim „Weinland Grand Prix“ dessen Manager die „Red Devils“ händeringend bat, nie mehr in Hollabrunn zu erscheinen – nicht etwa weil man sie nicht mochte sondern um auch anderen Bands eine Siegeschance zu lassen.

Die „Red Devils“, wie man sie in Erinnerung hat. Von Beginn ihrer Laufbahn an sorgten sie für Stimmung und gute Laune. Bild: FAP

Dann kamen die Diskotheken mit Musik „aus der Konserve“ in Mode und die Bands verlegten ihre Auftritte in die ebenfalls immer populärer werdenden Bierzelte. Damit änderten sich nicht nur das Publikum sondern auch die Anforderungen an die Musikgruppen. Ich erinnere mich noch gut an den Geräuschpegel eines gefüllten Bierzelts. Musik richtig hören und dazu tanzen wollte niemand mehr. Die diversen „Buam“ auf den Bühnen hatten gegen ein paar hundert Unterhaltungswütige förmlich anzukämpfen.

Die „Red Devils“ gingen indes andere Wege und entwickelten sich in den 1980er Jahren zu einer hochprofessionellen Band mit nunmehr sechs Mitgliedern, die 30 Instrumente beherrschten. Nach Auftritten beim Formel 1 Grand Prix in Zeltweg folgten internationale Gigs. München, Hamburg, Zermatt und Triest statt Unterschoderlee und Großmugl, Galadinners und Franz Antels Hochzeit statt Feuerwehrball. Karl Moiks Musikantenstadl machte die „Red Devils“ schließlich endgültig weit über Österreich hinaus bekannt. 200 Auftritte pro Jahr waren zu organisieren, zu absolvieren, aber auch zu verkraften, und weil Professionalität und Zuverlässigkeit auch in der Musikbranche gültige Werte sind, griffen immer wieder auch echte Größen des Showgeschäfts auf Fritz Potmesil & Co. zu, hießen sie nun Harald Juhnke, Peter Rapp, Freddy Quinn, Horst Chmela oder Jazz Gitti. Der Kontakt mit der Letztgenannten und deren musikalischem Umfeld wirkte sich auch positiv auf die Produktion einer CD aus. 1990 entstand das Album „Du bringst die Sonne“. Bis zum Jahr 2000 tourten die „Red Devils“ in sieben unterschiedlichen Besetzungen von einer Zwei-Mann- bis zur Big-Band – durch Europa. „Red Devils“ waren zuletzt Pepi Storch, Ernest M. Kellermann, Herbi Holper, Günther Berger, Wolfgang Karner und ihr Gründer Friedrich August Potmesil.

Schließlich war nach 35 Jahren Schluss. In der heutigen Zeit der „Boy Groups“ und „Girlie Bands“ eine unvorstellbar lange Ära, aber eine Ära in Niederösterreich, die die „Red Devils“ entscheidend geprägt haben. Kaum einer aus der Generation der heute 60-, 70-Jährigen, der sich nicht an ihre legendären Auftritte erinnert. Wie kaum eine andere Band zeichnete sie vor allem eines aus: Sie machten Stimmung. „Du brauchst das richtige Feeling für das Publikum“, erklärt Fritz Potmesil das Erfolgsrezept der Gruppe. Als DJFrrrritz wagte er als Ein-Mann-Band und Alleinunterhalter nach Auflösung der Band mit einem Soloprogramm einen Neuanfang und hatte damit einige Jahre Erfolg, ehe er sich schweren Herzens aus dem Rampenlicht zurückzog und unter die Buchautoren ging. Sein Erstlingswerk ist unter dem Titel „Ein Mann aus Niederösterreich – DJFrrrritz erzählt – Meine ersten 65 Jahre“ erschienen und war in kurzer Zeit vergriffen.

Der Name der „Red Devils“ lebt indes weiter. Um den „Alt-Teufel“ Pepi Storch, Musiklehrer in Neusiedl an der Zaya und bekannt als die „brennende Trompete“ der alten „Red Devils“, formierte sich eine neue Gruppe mit Sitz in Gaweinstal, die den Bandnamen übernahm und auf Hochzeiten, Bällen und Tanzpartys für Stimmung sorgt. Aber das ist eine ganz andere Geschichte…

***

Der „Erfinder“ der „Red Devils“, ihr Herz und ihre Seele, ist nicht mehr. Friedrich August „Fritz“ Potmesil starb mit 72 Jahren in Hohenau. Meinen persönlichen Abschied von diesem liebenswerten Menschen und kreativen Musiker nehme ich hier. Ein Rückblick mit vielen Erinnerungsbildern und Zeitungsausschnitten und einigen Takten Musik von den „Red Devils“ findet sich bei YouTube.

 

Quellen: persönliche Gespräche; www.online-supermarkt.at

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Eine Antwort zu Und es gab doch ein Leben vor Ö3: „The Red Devils“, Hohenau

  1. show2019 schreibt:

    Als Alt Red Devil ist das eine schoene Erinnerung und lebt weiter!
    L.G. aus Canada
    Karlheinz Gubenschek

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