Weinland – Bäderland, Teil 1

Nein, hier geht es nicht um die Therme Laa, seit 1999 als „Wellnesstempel“ beliebt, oder um Pirawarth, das zwar bis Anfang des 20. Jahrhunderts Kurort gewesen ist, diesen Rang aber verloren und erst 1998 wieder erlangt hat. Ich möchte vielmehr an jene Orte erinnern, deren Schwefelquellen in Vergessenheit geraten sind oder die mangels ausreichender Wassermenge nie Kur-Status erlangt haben. Der Glanz und die Bedeutung von Karlovy Vary (Karlsbad), Mariánské Lázně (Marienbad) oder Piešťany (Pistian) war ihnen zwar nie vergönnt, trotzdem hatten sie über ihre Grenzen hinaus durchaus Bedeutung. Und hätten nicht Hass, Kurzsichtigkeit und wohl auch Dummheit beispielsweise die Quellen von Sedlec im Jahr 1945 zerstört, wer weiß, ob mit Hilfe heutiger Technologie nicht daraus ein Kurort hätte werden können. Im Fall der Theme Laa wurden ja schließlich auch weder Kosten noch Mühen gescheut…

Mikulov (Nikolsburg)

In „Moravia – Zeitschrift zur Unterhaltung und Vaterlandskunde“ findet sich im Januar 1815 ein Artikel über eine „neu errichtete Badeanstalt…unter der Leitung des dortigen Stadtphysikus, Med. Doktor Johann Jägge“, ebenso ist in den „Vaterländischen Blättern“ vom Oktober 1814 die Rede davon, dass eben dieser Dr. Jägge „glücklich war, in seinem eigenen Garten hinreichende Quellen zu entdecken“ und dass „durch ihre Eigenschaften eine große Anzahl von Krankheiten, die in Verhärtungen und Verstopfungen der Eingeweide, der Driesen [Drüsen] und lumphatischen [lymphatischen] Gefäßen, bestehen, vollkommen geheilt werden können.“ Innerhalb eines Jahres nach der Eröffnung sollen in dem Bad „schon über zweytausend Bäder gemacht“ worden seien, die auch bei rheumatischen Erkrankungen gute Erfolge gebracht hätten.

Die Badekuren begannen jeweils im Mai. Der Preis für „einfache Quellenbäder“ betrug pro Stunde 18 Kronen, Eisen-, Schwefel- und Kräuterbäder kosteten 24 Kronen. Dabei war „für eine ordentliche Bedienung der Badegäste…hinreichend gesorgt [war]“. „Ein eigens dahin bestellter Gastgeber“, heißt es weiter „sorgt für die Bewirthung und Unterhaltung auf Billard- und Kegelstätten, nebst allen übrigen zur Bequemlichkeit der Badegäste“. Das deutet jedenfalls auf einen durchaus ansehnlichen Kurbetrieb im Nikolsburg des beginnenden 19. Jahrhunderts hin. Wie lange das Bad bestanden hat, ist nicht bekannt. Es dürfte mit Dr. Jägge zu Ende gegangen sein. Das Bad befand sich am tiefsten Punkt der Stadt auf etwa 170 m Seehöhe, beim ehemaligen Gasthaus Feher, das der heutigen Umfahrungsstraße R52 weichen musste. Heute steht dort neben dem Freibad ein Supermarkt (Quelle: Ing. Reiner Elsinger).

Ein weiteres, ehemals städtisches Badehaus, das bis ins 14. Jahrundert zurück reicht, befindet sich auf dem Kostelni náměstí 9, dem Kirchenplatz. Es ist somit eines der ältesten, noch existierenden Häuser in Mikulov.

Sedlec u Mikulova (Voitelsbrunn)

Kaum jemand würde in dem kleinen Ort nahe der Grenze einen Kurort vermuten und doch hat er als solcher eine alte Tradition, die erst am Ende des 2. Weltkriegs endgültig zu Ende ging. Schon 1362 wurde hier ein Kurbad erwähnt, das die schwefelhaltige Heilquelle des Hl. Wenzel nützte. Diese Quelle wurde 1680 von den Dietrichstein erworben, 1770 erweitert und zu einem fürstlichen Kurbad ausgebaut.

Voitelsbrunn, rechts oben die Außenansicht des ehemaligen Kurhauses, heute Gemeindeamt und Gasthaus. Bild: entnommen europas mitte.de

Die „Topographie vom Markgrafthum Mähren: Brünner und Hradischer Kreis, Band 2“ von Franz J. Schwoy aus dem Jahr 1793 nennt in Voitelsbrunn „ein von vielen Fremden besuchtes Gesundbad, welches schon zu Anfange des vorigen Jahrhunderts bekannt war, und wobey erst vor ungefähr 12 Jahren ein ganz neues, schönes Gebäude zur Bequemlichkeit der Gäste, erbauet worden ist. Herr von Kranz empfehlet dieses Bad (dessen Wasser gemeine Leute auch als eine reinigende Arzney trinken) vornähmlich schwachen, gelähmten, und geschwollenen Leuten, auch als gutes Mittel wieder Krätze, Verstopfungen, Verschleimungen, und Bleichsucht. Dieses Dorf gehörte schon im J. 1249 zu Nikolsburg, und heißet in einer Urkunde vor diesem Jahre: Foydaspru.“

Voitelsbrunn, Wandkacheln im ehemaligen Badehaus. Bild: Kris B. Flašar

Im Buch „Die Markgrafschaft Mähren: Brünner Kreis, Band 2“ von Gregor Wolny aus dem Jahr 1837 wird Voitelsbrunn wie folgt beschrieben: „1 Badhaus von 14 Badekammern und 12 Gastzimmern, und das aus einem 14 ½ Schuhe tiefen Brunnen geschöpfte stark schwefelhaltige Wasser bewährt sich vorzugsweise heilsam in rheumatisch-gichtischen Zufällen und Hautkrankheiten.“

Noch 1912 wurden in einem Bericht über eine geologische Exkursion nach Nikolsburg und in die Pollauer Berge von Dr. Karl Jüttner und Hugo Thanel in Voitelsbrunn „drei größere Brunnen“ genannt. Das Wasser half bei rheumatischen Erkrankungen, bei Gicht und Neuralgien. Besitzer der Badeanstalt, deren Reste im Hof des heutigen Gemeindeamts von Sedlec zu sehen sind, war J. Ul(l)ram. Bald nach Ende des 2. Weltkriegs wurden die Quellen gesprengt und verschüttet und somit zum Versiegen gebracht.

Heute wird das Areal allmählich restauriert, Auch ein Plan zur Erneuerung des Kurgartens ist schon erstellt. In einer hydro-geologischen Untersuchung des Quellwassers im Jahre 1970, durchgeführt von Geotest Brno, wurde festgestellt, dass der Wasserzufluss aus dem alten Brunnen ungenügend und eine neue Bohrung notwendig sei.

Auch aus Valtice (Feldsberg) wird von einer Schwefelquelle neben einem Stadttor, dem ehemaligen Badtor, berichtet. Leider ist mir aber darüber nichts Näheres bekannt.

(wird fortgesetzt)

 
Quellen: Mgr. Milada Rigasová, Krajina našich předků, Mikulov 2007; http://tinyurl.com/3aftznb ; http://tinyurl.com/2ua6rw2 ; http://tinyurl.com/2uuar46 ; http://friedl.heimat.eu/Wanderwege/B…_Feldsberg.htm

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