Weinland – Bäderland, Teil 2

Nach dem Ausflug über die Grenze dürfen natürlich auch die Schwefelquellen im eigentlichen Weinviertel nicht fehlen.

Hauskirchen

Die Schwefelquelle befindet sich nördlich des alten Hauskirchener Bahnhofs. Sie wurde 1988/89 von Gemeinde und ÖKB renoviert. Seither sprudelt eine ansehnliche Menge stark nach Schwefel riechenden Wassers aus dem Rohr in Form eines Drachenkopfs. Der Schwefelgehalt ist jedenfalls so hoch, dass die Umgebung des Auslasses mit Schwefelkristallen bedeckt ist. Die Quelle speist einen Teich mit altem Weidenbestand im Süden und verleiht dem Teichwasser ein leicht milchiges Aussehen.

Hauskirchen, Schwefelquelle. Bild: Kris B. Flašar

St. Ulrich

Die Quelle im Norden des kleinen Orts nördlich von Neusiedl an der Zaya ist in einer schlichten Betoneinfassung über ein paar Stufen erreichbar. Aus einem simplen Eisenrohr fließt eine geringe Menge leicht nach Schwefel riechendes Wasser. Ein Schild warnt vor einer möglichen Verunreinigung durch Coli-Bakterien. Sie bietet zwar keinen spektakulären Anblick, liegt aber romantisch an einem Bachlauf am Rand eines Wäldchens. Unmittelbar in der Nähe befinden sich zwei Feldkapellen. Eine Bank bietet zudem einen idealen Rastplatz bei einer Radtour durch das Erdölgebiet.

Ebenso bescheiden stellt sich die Quelle in

Maria Bründl

in Wilhelmsdorf bei Poysdorf dar. Auch aus ihr strömt aus einem in Beton gefassten Rohr nicht allzu viel leicht schwefeliges Wasser. Um diese Quelle ranken sich allerdings einige Sagen und Legenden, die Heilungen und Wunder beschreiben, so dass neben der Quelle eine Wallfahrtskirche entstand.

Schon 1673 kamen an Sonntagen über 300 Leute, später an Festtagen 700 bis 900 Personen, wobei es ziemlich laut und kirtagsmäßig zugegangen sein soll. Ein Visitationsbericht spricht von „Brätlbraten, Weinschenken und Essen und Trinken“. Im 18. Jahrhundert kamen an den Hauptfesttagen 2. Juli und 8. September 5000 Besucher. Von zahlreichen Prozessionen, insbesondere aus Kleinhadersdorf, Poysbrunn, Ameis, Staatz, Hörersdorf, Fallbach und Wenzersdorf wird berichtet. Es sollen auch zahlreiche Ungarn und Slowaken nach Maria Bründl gepilgert sein, die aber ausblieben, nachdem das eigentliche Augenbründl verschüttet worden war. Heute existiert an der Stelle ein Becken für Hand- und Fußwaschungen.

Poysdorf

In alter Zeit war das Tal des Poybachs ein Sumpfgebiet mit feuchten Wiesen, aus denen Schwefelquellen hervorsprudelten. Die Slawen, die sich hier nach 568 n. Chr. ansiedelten, bezeichneten die Flur rund um den Rainbrunnen, im Volksmund „Roanbrunn“ genannt, als „poluka“, was so viel wie „bei den Wiesen“ bedeutet.

Der „Roanbrunn“ in Poysdorf war einst ein beliebter Treffpunkt für Liebespaare. Bild: Kris B. Flašar

Die Quelle galt im Mittelalter als „reiner Brunnen“. Nach altem Deutschen Recht war er ein Trinkbrunnen für Menschen, nicht aber für Stall- oder Weidetiere. In der Renaissancezeit, also etwa im 15. und 16. Jahrhundert, machten Italiener, die als Baumeister, Maurer und Seidenraupenzüchter zu uns kamen, die Menschen auf die Heilkraft des Schwefelwassers aufmerksam.

Der Rainbrunnen wird 1666 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Damals, wie auch die Jahrhunderte danach, holten sich die Ortsbewohner das Wasser aus dem einst offenen Brunnen für den häuslichen Bedarf. Das Wasser war wegen seines geringeren Kalkgehalts sehr beliebt.

Obwohl der Brunnen für die Allgemeinheit zugänglich war, befand er sich im Eigentum einer Familie. Die von Mangen, denen die Frosch-Mühle, die heutige Vogelsang-Mühle, gehörte, dürften die ersten Besitzer des Brunnens gewesen sein. Sie ließen ihn jedenfalls renovieren. Vom 2. Juni 1700 ist ein rechtlicher Vergleich innerhalb der Familie von Mangen überliefert, mit dem der Brunnen einem Sohn Mathias zugesprochen wurde.

Abseits dieser rechtlichen Verstrickungen war der „Roanbrunn“ seit jeher ein beliebter Treffpunkt für einen Plausch vor allem für die weiblichen Bewohner dieses Ortsteils. Kummer, Sorgen und Liebesleid mögen hier ebenso besprochen worden sein, wie die freudigen Momente und ganz allgemein die Neuigkeiten im Dorfleben. Der Brunnen galt auch als beliebter, romantischer Treffpunkt für Liebespaare.

Heute verirrt sich zu dem hinter einem Bretterhäuschen versteckten Brunnen in einer Seitengasse an der Grenze zwischen Poysdorf und Wilhelmsdorf nur noch selten ein Mensch. Liebespaare ziehen üblicherweise intimere Orte vor. Sorgen, Kummer, Liebesleid und –freud teilt man anderswo und wer kalkarmes Wasser braucht, dem wird heutzutage imBaumarkt geholfen. Romantik wäre da wohl eher hinderlich…

 

Quellen: http://friedl.heimat.eu ; http://portal.suedmaehren.at/ ; http://www.therme-laa.at/ ; www.sagen.at/ ; http://www.europas-mitte.de/smpk.html ; http://www.sagen.at/doku/quellen/que…helmsdorf.html ; Johann Steyrer, Poysdorf

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