Die „Spartaner“ aus Deutsch-Wagram: erfolgreich und weit gereist

Einer der ältesten, traditiobsreichsten und vermutlich auch am weitesten gereisten Weinviertler Fußballvereine ist der ATSV Sparta Deutsch-Wagram.

Die Anfänge der Deutsch-Wagramer Arbeiterfußballer sind bereits im Jahr 1919 zu finden. Einige sportbegeisterte Männer um Obmann Franz Bildl, dessen Stellvertretern Karl Hittinger und Karl Mayer sowie Sektionsleiter Josef Albrechtsberger hoben am 21. Dezember den Sportverein Helios aus der Taufe. Gleichzeitig entstand auch eine Leichtathletik-Sektion mit Franz Mayer an der Spitze. Beim „Gründerfest“ muss es hoch hergegangen sein im Mathias Mayer-Saal, denn dort wurden nicht nur „heitere Vorträge gehalten“, wie die Vereinschronik vermeldet. Für zehn Kronen Eintritt gab es sogar einen Schönheitswettbewerb.

Helios Deutsch-Wagram, der Vorläufer des ATSV Sparta, im Jahr 1923, stehend: Wagner, Wyzany, Muzik, Wyladil, Zischka I, Machacek, Graf, Voytech, kniend: Schiller, Hintermaier, Hejnoch, liegend: Hahn, Zischka II, Eisenecker.
Bild: aus dem Archiv des ATSV Sparta Deutsch-Wagram

Über die sportlichen Erfolge des Vereins ist aus dieser Zeit leider nichts überliefert, wohl aber dass im Jahr 1923 aus Helios der ATSV Sparta hervorging. Gleichzeitig wurde die Vereinsarbeit auf vier Sektionen ausgeweitet. Neben Fußballern waren damals Turner, Radfahrer und Gewichtheber aktiv. Fußball-Sektionsleiter war Anton Kunz, später Hauptgruppenobmann und Mitglied im Vorstand des NÖFV.

Bürgermeister Deußner ist es zu verdanken, dass die Gemeinde ein Grundstück für einen Sportplatz zur Verfügung stellte. In Eigenregie wurde das Areal gerodet und von den Mitgliedern der Sportplatz mit Umkleidekabinen angelegt. Das Holz der geschlägerten Bäume verwendete man für den Dachstuhl.

Bereits 1925 entstand eine Sektion Damenhandball unter der Leitung von Anton Kunz und Vinzenz Bartosch.

Das herausragende Ereignis im gesellschaftlichen Leben Deutsch-Wagrams in dieser Zeit war der jährliche Sparta-Ball. Es soll immer wieder vorgekommen sein, dass der Saal wegen Überfüllung polizeilich gesperrt werden musste.

Ein Höhepunkt, den sich damals nur die „Großen“ leisten konnten folgte 1928: Der ATSV Sparta fuhr zu einigen Freundschaftsspielen in die Sowjetunion. Leider schweigt die Chronik zu den sportlichen Ergebnissen. Dafür sind die Namen der mitreisenden Spieler bekannt: Arthur Deußner, Franz Stoß, Stefan Krejci, Fritz Scholle, Fritz Zischka, Karl Finz, Lambert Finz, Hubert Stemmer, Ludwig Preyer, ??? Patzelt, Gerhard Wirth, Franz Kral, Viktor Winter, Eduard Musil und Johann Handakas. Begleitet wurden sie von den Funktionären Anton Eismann, Oskar Hönig und Julius Wagner.

Auf Tournee in die Sowjetunion: der ATSV Sparta Deutsch-Wagram 1928. Bild: aus dem Archiv des ATSV Sparta Deutsch-Wagram

Überhaupt war 1928 ein gutes Jahr für den Fußball in Deutsch-Wagram. Immerhin kämpften die „Spartaner“ mit Stockerau, Wilhelmsburg und Erlaa um den Landesmeistertitel, der schließlich an Erlaa ging. Außerdem gab es einen 4:0-Sieg gegen den Lokalrivalen Deutsch-Wagramer AC. 1931 winkte neuerlich der Landesmeistertitel, Sparta verlor aber in Wr. Neustadt 1:6.

Der erfolgreiche Verein wurde im Februar 1934 aufgelöst. Ein Arbeiterverein durfte im austrofaschistischen Umfeld nicht existieren und noch weniger Erfolg haben. Erst im Herbst 1934 durfte wieder gekickt werden – als Bundesbahn-Sportverein, der 1938 in einer „Reichsbahn-Sportgemeinschaft“ aufging und bis 1945 Meisterschaftsspiele im Rahmen der „Deutschen Reichsbahn“ bestritt.

Diese „Reichsbahn-Sportgemeinschaft“ war 1938 vom Naziregime durch eine Zwangsfusion mit dem 1919 gegründeten Deutsch-Wagramer Athletiksport Club (D.W.A.C.) ins Leben gerufen worden. 1945 war es mit den Nazis und auch mit der „Reichsbahn-Sportgemeinschaft“ vorbei.

Als Sparta verboten und zwangsweise in einen „Reichsbahn“-Sportverein umgewandelt: Deutsch-Wagram 1936. Bild: aus dem Archiv des ATSV Sparta Deutsch-Wagram

Nach dem Ende des zweiten Weltkriegs fanden sich im Herbst 1945 einige „Alt-Spartaner“ um Obmann Anton Kunz, die den ursprünglichen Verein wieder belebten. Aufbruchsstimmung war zu spüren, denn neben Fußball gab es bald auch Sektionen für Tischtennis, Frauenhandball und Herrenhandball. In den 1970er Jahren kam noch eine Schach-Sektion hinzu. Obmann Kunz brachte in den ersten Nachkriegsjahren eine eigene Sportzeitung heraus, die wöchentlich über die Sportergebnisse im nördlichen Niederösterreich berichtete.

Ziemlich erfolgreich agierten in den 1990er Jahren die Fußballerinnen des ATSV Sparta. 1997/98 errangen sie sogar den Meistertitel der 2. Division Ost, der zweithöchsten Spielklasse. Sportlich hätten sie den Aufstieg in die die Bundesliga geschafft, mussten aber den Spielbetrieb einstellen.

Sparta bleibt Sparta. Die zahlreichen Vereinsabzeichen geben Zeugnis von der wechselvollen Geschichte des ATSV Sparta Deutsch-Wagram. Zum Glück nur noch als Abbildung präsent: die Zwangsfusion mit dem Dutsch-Wagramer Athletiksport Club (D. W. A. C.) zum "Reichsbahnsportverein während der Nazi-Diktatur. Bild: www.fussballabzeichen.at

Sparta bleibt Sparta. Die zahlreichen Vereinsabzeichen geben Zeugnis von der wechselvollen Geschichte des ATSV Sparta Deutsch-Wagram. Zum Glück nur noch als Abbildung präsent: die Zwangsfusion mit dem Deutsch-Wagramer Athletiksport Club (D. W. A. C.) zum „Reichsbahnsportverein“ während der Nazi-Diktatur (obere Reihe Mitte). Bild: http://www.fussballabzeichen.at

 

Quelle: Vereinschronik des ATSV Sparta Deutsch-Wagram

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