Hagenberg – Luxus und Prunk auf Kosten der Untertanen

Man sieht es dem von außen fast grobschlächtig wirkenden, viereckigen Kasten des Schlosses Hagenberg nicht auf den ersten Blick an, welcher Lebensstil sich in seinem Inneren und in den weitläufigen Parkanlagen bis ins 18. Jahrhundert abgespielt haben mag. Im Park ließ es sich vermutlich trefflich lustwandeln und so die Nichtigkeiten des Lebens hinter sich lassen. In den großzügigen Räumen konnte man schließlich den irdischen, geistigen wie leiblichen Genüssen nach Herzenslust frönen.

Dieser Luxus lockte auch „hohe Herrschaften“ an, so dass Schloss Hagenberg für kurze Zeit zu einem gesellschaftlichen Zentrum aufstieg. Einer der Gäste auf Schloss Hagenberg war 1691 sogar Kaiser Leopold l. Er besuchte mit seinem Sohn, dem späteren Kaiser Joseph l., den Grafen Theodor von Sinzendorf. Die Chronik der Gemeinde Fallbach weiß dazu: „Er wird von dem im Schloss angestellten venezianischen Gondoliere zum gläsernen Lusthaus gerudert, welches sich in der Mitte des durch die Stauung des Brandbaches entstandenen großen Teiches befand.“

Hagenberg mit Gondoliere in einer alten Ansicht. Bild: aus dem Buch „Krajina našich předků“, zur Verfügung gestellt von Mgr. Milada Rigasová

„Einer der Sinzendorf muss wohl in Venedig gewesen sein, wo ihn die Gondeln so tief beeindruckt haben dürften, dass er beschloss, einen Abglanz dieser Stadt und ihrer Gondeln ins Weinviertel zu bringen.“ So beschreibt es Helmut Nemec in seinem Buch Das Weinviertel. „Er [Sinzendorf] ließ den Brandbach vor dem Schloss Hagenberg zu einem See aufstauen und von diesem einen Kanal ins Schloss führen. In der Mitte des kleinen Stausees wurde eine Insel aufgeschüttet, auf der ein Lusthaus stand, ganz aus venezianischem Glas mit gläsernem Geschirr aus Murano, wie ein Zeitgenosse berichtet. Nicht genug damit ließ Graf Sinzendorf auch Gondeln aus Venedig kommen und – in eigenen Etappen – venezianische Gondoliere, die die Gondeln rudern konnten.“ Die Pfarrchronik von Hagenberg hält die Namen dieser „herrschaftlichen Guntlier“ (Gondoliere) fest: „Sie hießen Franz [Francesco] Olivi, Daniel [Daniele] Ponzira und Josef [Giuseppe] Centon (die Vornamen sind eingedeutscht). Alle drei heirateten in Hagenberg und hatten Kinder. Im Laufe der Zeit starben die Familien allerdings aus, denn keiner der drei Namen findet sich mehr in Hagenberg und Umgebung.“ Nach meinen Informationen lässt sich zumindest der Name Olivi durch die Ahnenforschung einer Laaer Familie bis ins späte 19. Jahrhundert belegen.

Der Sinzendorfsche Lebensstil dürfte viel Geld verschlungen haben. Zumindest war man beim Eintreiben von Steuern, Abgaben und vor allem Strafen für die Bevölkerung nicht eben zimperlich. Das geht ebenfalls aus der Fallbacher Chronik hervor. „Wenn einer jemand aus seinem Haus fordert, ist das ein Frevel und wird mit 2 Schilling und 6 Pfennig bestraft“ oder „Geht einer durchs Dorf und wird von einem Hund angegangen, soll er sich dessen mit Schlägen, Stechen oder wie er kann, erwehren, jedoch nicht mit Werfen. Wirft er aber, …hat er 2 und 6 Schilling Strafe zu zahlen“. „Wenn sich einer aus der Nachbarschaft …zu Nachtzeit über die gebührende Zeit hinaus trunken und bezecht auf der Gasse hören ließe, mit Schelten, Gotteslästern, Poltern oder Aufruhr …soll ihn der Richter mit Hilfe der Bürger ins Gerichtshaus führen und mit dem Stock (Fesselgerät) verwahren … Allda soll er von der Obrigkeit wegen seines Mutwillens an Leib und Gut gestraft werden“.

Kassiert wurde aber auch vom Dorfrichter in die eigene Tasche: von einem fahrenden „Fleischhacker mit einem 7 Pfennig wertigen Braten.“ Ein fahrender Bäcker hatte dem Richter „mit Semmeln um 2 Pfennig“ zu dienen. Weiters soll „Niemand… auf die öffentlichen Fahr- und Reitwege Asche, Müll, Hühnerfedern oder dergleichen schütten; widrigenfalls folgt eine Strafe von 12 Pfennig, die dem Richter gehören“ und „der Richter soll gerechte Maß und Metzen haben und dem leihen, der sie braucht. Wer diese Metzen über Nacht behält, zahlt 12 Pfennig Strafe, die dem Richter gehören“. Dabei war der Richter kein Geringerer als der damalige Grundherr selbst, „Georg Hartmann von Liechtenstein zu Nikolsburg, gewaltiger Richter zu Feld und Dorf, von einem Gemärk zum anderen“.

 

Quellen: Eva Berger, Historische Gärten Österreichs – Garten- und Parkanlagen von der Renaissance bis um 1930, Band 1, Verlag Bohlau; Helmut Nemec, Das Weinviertel, Verlag Kremayer und Scheriau, Wien; Mgr. Milada Rigasová, Krajina našich předků, Mikulov; Initiative Haggenberg; Chronik Fallbach; http://www.burgen-austria.com/archive.php?id=1257

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