Hakenberc, Hachenberg, Haggenberg, Hagenberg

Wem nach der im vorangegangenen Beitrag geschilderten geballten obrigkeitlichen Machtfülle noch nicht der Appetit vergangen ist, der darf nun noch über die Geschichte des Schlosses Hagenberg lesen.

An dem Ort des heutigen Schlosses Hagenberg befand sich im Hochmittelalter eine Burg, die nach römisch-italienischem Modulmaß errichtet worden war. Der Minnesänger Ulrich von Liechtenstein schrieb 1224 von „hakenberc“, woher ein „karge[r] man, der wunder kan“ stammte. Vermutlich handelte es sich dabei um den Kreuzfahrer Heinrich von Hackingen, wahrscheinlich aus der Familie der Kuenringer, der mit dem Babenberger Herzog Leopold VI. im Jahr 1217 zum 5. Kreuzzug aufgebrochen war, nach seiner Rückkehr das Land ringsum als Lehen nahm und dort eine Burg nach dem Vorbild des Tempels Salomons in Jerusalem errichten ließ.

Das damalige Hachenberg wurde Mittelpunkt einer Herrschaft, deren Untertanen und Rechte von Falkenstein bis zur Donau hinab verstreut waren. Im 1264 verfassten Testament des Heinrich wird die Burg erstmals urkundlich erwähnt. Sein Sohn Otto war an einem Aufstand gegen Albrecht I. führend beteiligt und kam nach dessen Niederschlagung auf der Fahrt nach Prag ums Leben. Der bekannteste Hagenberger aber war Heinrich IV., der Hofmeister Herzogs Rudolf IV., des Stifters. Seine Bedeutung ersieht man daran, dass er 1365 die Gründung der Wiener Universität bezeugen durfte. Mit dessen Sohn Heinrich V. starben die Hagenberger 1382 aus.

Die Burg erlebte in der Folge zahlreiche wechselnde Besitzer und wurde von ungarischen Truppen zerstört, bis sie 1543 Christoph von Kienritz erwarb und zu einem wohnlichen Renaissanceschloss umbauen ließ. Abermals überfielen ungarische Truppen Hagenberg und schließlich hinterließ auch der Dreißigjährige Krieg Verwüstung und Zerstörung. 1650 erwarben die Sinzendorfer die Anlage und vereinigten Hagenberg mit ihrer Herrschaft Ernstbrunn, wo sie ihren Wohnsitz hatten. Hagenberg wurde einmal mehr seinem burgähnlichen Charakter gerecht und als Fluchtburg für die Bevölkerung zum Schutz vor den herannahenden Türken ausgestaltet.

Ab 1679 ließ Theodor Sinzendorf das Renaissanceschloss erneuern und das heute in seinen Raumausmaßen noch original erhaltene barocke Lustschloss erbauen. Vom ehemaligen Burgturm haben sich noch romanische Bauteile im Stiegenhaus erhalten. An der Umgestaltung der Anlage wirkten mehrere Künstler und Handwerker aus Italien mit. Das gesamte obere Brandbachtal wurde als französischer Barockgarten gestaltet. Es begann die zweite Blütezeit des Schlosses, die etwa hundert Jahre dauerte. Anlässlich eines Besuches von Kaiser Leopold I. und seinem Sohn Josef I. wurde 1691 in der Mitte des Teiches in einem gläsernen Lusthaus gespeist.

Ab 1803 kümmerten sich die Sinzendorfer immer weniger um Hagenberg. Bald wurde der barocke Garten aufgelassen und sein Areal landwirtschaftlich genutzt. Nach dem Tod des letzten Sinzendorf kam Hagenberg an die Familie Reuß.

Das Schloss verlor schließlich seine Inneneinrichtung und diente als Schüttkasten. In der sala terrena wurde das Getreide gereinigt und im großen Festsaal gelagert. Um den reichsdeutschen Lebensmittelgesetzen zu entsprechen, wurden die Fresken 1938 übertüncht. 1945 kam das Gut unter russische Verwaltung. Die hier untergebrachten Kriegsgefangenen wurden von Flüchtlingen aus Südmähren abgelöst. Dazu mussten die einstmals prunkvollen die Innenräume unterteilt werden.

Nach dem Staatsvertrag von 1955 erhielt die Familie Reuß Hagenberg wieder zurück. Nachdem die landwirtschaftlich genutzten Flächen 1959 verkauft worden waren, stand das Gebäude leer und drohte abgerissen zu werden. In dieser Situation etablierte sich eine Künstlerkolonie im Schloss, die zwar nichts zu dessen Erhaltung beitrug, es aber durch ihre Anwesenheit vor dem Abbruch rettete. 1974 wurde schließlich das Schloss samt Graben an Hauptmann Josef Steiger verkauft, der einiges zur Verbesserung der Lage unternahm. 1986 übernahm Horst (von) Wächter die Anlage, der sie wenigstens zum Teil bewohnbar machte. 1992 wurde der Verein „Initiative Haggenberg“ gegründet, der sich um eine Revitalisierung der noch lange nicht endgültig sanierten Anlage bemüht.

 

Quellen: Eva Berger, Historische Gärten Österreichs – Garten- und Parkanlagen von der Renaissance bis um 1930, Band 1, Verlag Bohlau; Helmut Nemec, Das Weinviertel, Verlag Kremayer und Scheriau, Wien; Initiative Haggenberg; Chronik Fallbach; http://www.burgen-austria.com/archive.php?id=1257

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