Tierisch gut. Erlesene Heimatkunde mit Hase und Rabe. Eine Hommage an Josef Pazelt

„Wer an sonnigen Tagen aus dem Marktflecken in das liebliche Waldtal des Flüsschens hinauswanderte, der traf dort manchmal den alten Forstmeister Sieber. Die Leute in der Umgebung kannten ihn alle. Sie sagten: ‚Der kann sich von seinem Wald nicht trennen. Er lebt schon fünf Jahre im Ruhestand und ist nicht in die Stadt gezogen. Die Füchse und die Rehe halten ihn im Wald fest.‘
‚Und die Hasen und die Fasane und die Kaninchen.‘
‚Und der Bach im Tal und die Felsen an den Leiten und die einsamen Mühle und die Ruine und die alte Hammerschmiede.“
‚Aber auch die Bäume und die Blumen, die Kräuter und die Moose.‘
So redeten die Leute über den Forstmeister, den sie Rübezahl nannten, weil er hochgewachsen und breitschultrig war und weil er einen langen, grauen Vollbart trug.“ …

Eines d e r Bücher meiner Kindheit, auch heute noch nicht nur der Nostalgie wegen lesenswert: Hase Lambert Löffelmann und Rabe Silvester Aaser auf abenteuerlicher Reise durch Niederösterreich. Bild: aus dem Archiv der Volksschule Pulkau

So beginnt die Geschichte von Lambert Löffelmann und Silvester Aaser, eine Erzählung des großen Weinviertler Heimatschriftstellers Josef Pazelt, die wahrscheinlich jeder, der zwischen 1946 und 1960 eine Volksschule besucht hat, noch in seiner Erinnerung trägt. Mich haben Pazelts liebevoll beschreibende, mit großer Liebe zu Niederösterreich verfassten, anrührenden Kapitel etwa 1959 gepackt und ich gestehe, dass ich dieses Buch bestimmt ein gutes Dutzend Mal förmlich verschlungen habe. Im damals noch unterrichteten Fach „Heimatkunde“ wurde so in mir ein dauerhaftes Interesse für die Geschichte meiner Umgebung geweckt. Erst gestern fiel mir das alte, abgegriffene und zerlesene Exemplar wieder in die Hände – Grund genug für eine Hommage an die beiden „Helden“ meiner Kindheit Lambert Löffelmann und Silvester Aaser und ihren Schöpfer Josef Pazelt.

Die Volksschule Pulkau bewahrt bis heute dem von 1914 bis 1923 in Pulkau tätigen Bürgerschullehrer Josef Pazelt ein ehrendes Andenken, dem in Platt geborenen Kleinbauernsohn, der es später bis zum Ministerialrat und Nationalratsabgeordneten und zu einem der am achtsamsten und detailreichsten schreibenden Heimatdichter des Weinviertels brachte. Heuer wäre Pazelt übrigens 120 Jahre alt geworden. Außerdem jährt sich im April sein Todestag zum 55. Mal.

In ihrem Internetauftritt beschreibt die Volksschule Pulkau Josef Pazelt nicht nur als Lehrer, Beamten und Politiker sondern vor allem auch als blendenden Geschichtenerzähler. „Sein Vorrat war unerschöpflich und reichte für Jahre aus. Die Geschichten spielten in der Kinderzeit, sie betrafen Erlebnisse aus der Junglehrerperiode, auch die Kriegsgefangenschaft steuerte bei, und der Schulinspektor und Nationalrat lieferte so manches prachtvolle Stück.“ Nahezu enthusiastisch schreibt Josef Lehrl über seinen großen ehemaligen Kollegen.

„Jede Geschichte enthielt eine wahre Begebenheit und war doch ein Gedicht, und ganz im Verborgenen glitzerte ein verschmitztes Lächeln und auch eine bittere Träne. Die Zuhörer wussten oft nicht, ob das Erzählte sich wirklich ereignet hatte oder ob sie der Dichter auf seine phantastische Reise mitnahm. Der Mann hatte Recht, der gelegentlich sagte, dass uns Österreichern ein Till Eulenspiegel verloren ging, weil die Geschichten nicht niedergeschrieben wurden. Sie werden ja sicher noch lange fortleben, denn wo sich Freunde treffen und die Rede auf Pazelt kommt, dort wird die eine oder andere Geschichte wiederholt werden. Wie unsäglich viel Schelmerei und Weisheit offenbart sich gerade in diesen Erzählungen! Vielleicht hat sich nirgends sonst die Persönlichkeit Pazelts reiner und schöner dargestellt. Es sind Urkunden eines überlegenen Geistes.“

„Wo Lernen Freude macht!“ So lautet das Motto der Volksschule Pulkau. Es möge ihr und ihren Schülerinnen und Schülern ein Leben lang erhalten bleiben. Die Geschichte von „Lambert Löffelmann und Silvester Aaser“ ist übrigens auf der Website der Volksschule Pulkau fast zur Gänze nachzulesen.

 

Quelle: Volksschule Pulkau

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