Neues Leben in alten Mühlen – zwei Beispiele aus Seefeld und Gaweinstal

Bei meiner Spurensuche stieß ich auf zwei Beispiele, wie alte Mühlen in jüngster Zeit revitalisiert und neu beseelt wurden, anstatt sie dem Verfall preiszugeben. Sie finden sich in Seefeld im Pulkautal und in Gaweinstal, bis 1917 Gaunersdorf genannt. Bei der einen handelt es sich um eine ehemalige Dampfmühle, bei der anderen um eine alte Wassermühle.

Die Dampfmühle in Seefeld wurde zwischen 1870 und 1873 durch die Familie Keller errichtet. Diese Müllerdynastie besaß bereits Dampfmühlen in Znaim (Znojmo) und Hödnitz (Hodonice). Aus deren Erlös wurde der Bau der Seefelder Mühle finanziert, die der älteste Sohn Franz übernahm.

Die Mühle Seefeld wurde von Anfang an sehr großzügig angelegt. Als Antrieb diente eine 90-PS-Maschine. Schon damals war der Motor für eine Erweiterung vorgesehen und mit einer zweiten Kurbel ausgestattet. Dieser Ausbau erfolgte 1890. Zu diesem Zeitpunkt leistete die Maschine 100 Umdrehungen pro Minute bei 180 PS. Das Schwungrad maß vier Meter und hatte zwölf Vierkant-Hanfseilrillen.

1899 wurde das Wohnhaus dazu gebaut und das angrenzende Mühlengebäude teilweise aufgestockt.

Die Geschäfte liefen offenbar gut um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert, so dass 1909 die Mühle neuerlich aufgestockt wurde. Eine Wiener Firma richtete die Mühle neu ein und bald wurde eine Leistung von 40 Tonnen in 24 Stunden erreicht.

1922 wurde ein Getreidesilo errichtet und 1927 erwarb Karl Schuster aus Großkadolz das Werk. Sein Sohn Dr. Karl Schuster übernahm nach dem Zweiten Weltkrieg die Mühle als Geschäftsführer.

1950 wurde die Dampfmaschine stillgelegt und die Mühle auf elektrischen Antrieb umgestellt. Die Qualitätsmarke Eselmehl wurde erfolgreich in Österreich vermarktet. Der Markenname „Eselmehl“ ist übrigens bis heute in den Regalen der Supermärkte zu finden. Das Mehl wird allerdings in Raaba in der Steiermark erzeugt. Nach dem Tod von Dr. Karl Schuster übernahm sein Sohn Karl Hans Schuster den Betrieb in Seefeld.

1991 kaufte Dr. Hans Georg Kuefstein die Mühle und führte den Betrieb noch zwei Jahre lang weiter, ehe 1993 Schluss mit der Produktion war und die Maschinen abtransportiert wurden.

Jahrelang blieb das Gebäude ungenutzt, bis 2001 die Marktgemeinde Seefeld-Kadolz um S 35.000,- das gesamte Mühlenareal kaufte.
Nun dauerte es nochmal zwei Jahre, bis tatsächlich wieder Leben in die ehemalige Mühle einziehen konnte. Der Verein „Kulturzentrum Esel-Mühle“ trat Anfang 2003 auf den Plan und begann mit seinen Aktivitäten in der alten Mühle. Im Mai 2010 schließlich sprengte eine Pioniereinheit des Bundesheeres das massive Silogebäude der Mühle um Platz zu schaffen für einen Beherbergungsbetrieb der Gemeinde.

Ziel des Vereins ist es, „mittels soziokultureller Kunst und Kommunikation im ökologischen Kontext“ in der ehemaligen Dampfmühle eine Plattform für Kunst und Kunsthandwerk und ein Zentrum der multikulturellen Begegnung zu schaffen. In verschiedenen Räumen und im Laden finden Ausstellungen, Seminare und Diskussionen statt, werden Märkte abgehalten und Feste gefeiert. Im Laden gibt es Kunsthandwerk und Naturprodukte aus dem Pulkautal und im angeschlossenen Café regionale Schmankerl.

Nach der Sprengung des Silos im Mai 2010 entstand im verbleibenden Rest der Esel-Mühle in Seefeld ein Kunst- und Kommunikationszentrum. Bild: Gunter Pusch

Die Marktmühle in Gaweinstal, am Weidenbach gelegen, wurde Mitte des 15. Jahrhunderts erstmals urkundlich erwähnt und zählt somit zum ältesten Häuserbestand des Ortes. Ein Inventurprotokoll um 1800 beschrieb die Mühle als „oberschlächtige Mühle mit zwei Gängen, Hofstatt und Stübchen und Müllergewerbe dabei“ und schätzte sie im Wert auf 10.000 Gulden. Die Meisterbücher der Müllerzunft des Bezirks Mistelbach verzeichnen am Weidenbach fast dreißig Mühlen, fünf davon allein zwischen Gaweinstal und Pirawarth auf einer Strecke von gerade einmal 2,5 km. 13 dieser Mühlen wurden bereits um 1640 genannt.

Die jeweiligen Besitzer und Pächter der Gaunersdorfer Marktmühle spielten stets eine bedeutende Rolle als Ratsbürger und Marktrichter. Am längsten währte die Müllerdynastie Winkler. Sie übernahm die Mühle 1791 durch Josef Winkler jun. Mit Anton Winkler jun., der die Mühle ab 1933 führte, endete auch die Tradition des Müllerhandwerks in Gaweinstal. In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg überlebten nur noch wenige große Mühlen – auch die Marktmühle musste dem Mühlensterben Tribut zollen.

1991 erwarben DI Ulf Prix und seine Gattin Rika van Kelst aus Flandern die Marktmühle, restaurierten sie und öffneten sie für kulturelle Veranstaltungen.

Gaweinstal. Die Marktmühle Gaunersdorf, liebevoll restauriert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Bild: Ulf Prix


Quellen: http://www.eselmuehle.at ; Ulf Prix, Des Müllers Lust – Die Marktmühle Gaunersdorf; http://www.ulfprix.at/index.html .

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