Söhne des Weinviertels: Josef Weiland, Schrick – Mundart und spitze Feder

Josef Weiland gilt neben Lois Schiferl und Karl Bacher sicher als der bedeutendste Mundartdichter des Weinviertels. Hohe literarische Qualität, ein feiner Humor und oft auch tiefer Ernst zeichnen seine Texte aus. „Für alle an Mundart Interessierten sind seine Texte eine reiche Fundgrube an köstlichen Ausdrücken“, heißt es auf dem Klappentext seiner jüngst in der Edition Weinviertel erschienenen Gesammelten Werke.

Weiland wurde am 21. September 1882 in Schrick als Sohn einer Bauernfamilie geboren. Nach dem Besuch der Volksschule in Schrick absolvierte er das Gymnasium im oberösterreichischen Kremsmünster. Seine Berufswahl ließ sein literarisches Talent noch nicht erkennen: Er wurde Versicherungsmathematiker und war als Versicherungsfachmann in Triest und Wien tätig. 1920 schlug er mit seiner Familie sein Domizil in Stammersdorf auf, das damals noch ein Weinviertler Dorf war.

Josef Weiland gilt als einer der bedeutendsten Mundartdichter des Weinviertels.
Bild: Edition Weinviertel

Anders als viele seiner Dichterkollegen stand Weiland bereits zu Lebzeiten in hohem Ansehen. Sein Heimatort Schrick verlieh ihm 1952 die Ehrenbürgerschaft. 1959 wurde am Geburtshaus des Dichters eine Gedenktafel enthüllt. Als Zeichen der Wertschätzung seiner Kunst verlieh das Land Niederösterreich Josef Weiland 1960 die Ehrenplakette des Landes.

Weiland dankte es den Weinviertlern durch seine Kreativität. Bekannt wurde er mit Werken wie „Aus da Weingegnd“ (1927) und „s Hauerrastl“ (1932). Es folgten „Lassts eng dazähln“ (1935), „Mei dritts Lesn“ (1936) sowie „Liada, Lehrn und allahand“ (1945). Endgültige Berühmtheit verschaffte ihm 1949 die Erzählung „Hirigst in mein Weinbiri“ und verhalf ihm auch zu Ansehen und Autorität als Obmann der „Mundartfreunde Österreichs“.

Sogar Dichterkollegen anerkannten neidlos Josef Weilands Schaffenskraft. Lois Schiferl beispielsweise nannte ihn den außer Joseph Misson „bedeutendsten Vertreter der ui-oi-Mundart“ im niederösterreichischen Mundartschrifttum. Weiland habe der Öffentlichkeit nur Gültiges vorgelegt: „Seine Kenntnis der bäuerlichen Menschen und der bäuerlichen Sprache ist unübertroffen. Für den künftigen Sprachforscher und für den Historiker sind seine Bücher ein wertvolles Quellengut von unbedingter Verlässlichkeit.“

Sein großer Verdienst war es, die klangvolle Mundart des Weinviertels als Dichtersprache entdeckt und salonfähig gemacht zu haben. In Fachkreisen wird Josef Weiland daher zu den bedeutendsten ui-Reimeschmieden des deutschen Sprachraumes gezählt.

In Schrick betrachtet man neben den vielen schönen Gedichten über den Ort den Text des Schricker Heimatliedes als größtes Erbe Josef Weilands: „Laßt´s eng blicka, liabi Schricker …“ Die Melodie stammt übrigens von Franz Schmitzer, der an der Musikhochschule Wien studiert hatte und später Leiter des Konservatoriums der Stadt Wien geworden ist.

Seine Liebe und Treue zur Heimat spricht aus allen Gedichten Weilands. Ganz besonders aber zeigt seine Heimatliebe das Gedicht „Wo is d´Hoamat?“, das nach dem 2. Weltkrieg entstanden ist:

Und wur(d) unser Landl z´tretn
unter Millionen Tritt,
I bi(n) angschmied´t an da Kedn,
Und valoß mein Hoamat nit!

Josef Wieland starb am 12. Juli 1961 in seinem Haus und fand seine letzte Ruhestätte im Ortsfriedhof von Stammersdorf.

Schrick ehrte seinen berühmten Sohn mit der Benennung der Josef-Weiland- Straße. Auch in Stammersdorf trägt eine Gasse seinen Namen.

Ein Verdienst der in Gösing am Wagram beheimateten Edition Weinviertel ist die Herausgabe der Gesammelten Werke Josef Weilands. Der 2011 erschienene Band enthält neben seinen Hauptwerken auch bisher unveröffentlichte Gedichte, den Schwank „Jagalatein“, „Potpourri“ und „Der Widerspenstigen Zähmung, in die ui-Mundart übertragen“. Ein ausführliches „Idiotikon“ (Verzeichnis der Mundartausdrücke) und Würdigungen zeitgenössischer Persönlichkeiten runden den Band ab.

Mehrere Illustrationen weisen Weiland auch als einen begabten Zeichner aus, der mit „spitzer Feder“ Menschen und Situationen treffend darzustellen vermochte.


Quellen: Aktuelles aus Schrick ;
AEIOU – Austria-Forum ; Edition Weinviertel .

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