Bacher, Kainz, Pazelt, Schiferl – ein literarischer Glücksklee

Für mich als „Zuagrast’n“ ist es immer wieder überraschend, ja faszinierend, welche Schätze das Weinviertel in sich birgt. Das gilt in besonderem Maß für die Literatur. Gewiss kennen Eingeweihte Josef Misson, jenen Mundartdichter, Lehrer und Ordensmann aus Mühlbach am Manhartsberg, der mit seinem bäuerlichen Epos „Da Naz“ der Ui-Mundart ein literarisches Denkmal setzte. Dieses sanft-ruhige, mitunter schweigsam anmutende Land ist aber noch weit reicher an Wortkünstlern. Aus dem Bezirk Hollabrunn bzw. dem benachbarten Kreis Znaim stammen jene Männer, an die ich hier erinnern möchte, deren Leben und dichterische Kraft bis ins späte 20. Jahrhundert hinein wirkten – sozusagen ein literarisches (Glücks-)Kleeblatt des Weinviertels.

Bei mir hat besonders Josef Pazelt das Interesse an Heimatgeschichte und Heimatkunde geweckt. Sein Buch „Lambert Löffelmann und Silvester Aaser“ hat in meiner Bibliothek noch heute einen Ehrenplatz.

Der Bäuerliche – Dr. Karl Bacher, Waltrowitz und Zellerndorf

Karl Bacher. Bild: © unbekannt / Portal Südmähren

Karl Bacher. Bild: © unbekannt / Portal Südmähren

Karl Bacher, geboren am 10. Februar 1884 in Waltrowitz, dem heutigen Valtrovice, besuchte die Mittelschule in Znaim, bevor es ihn aus seiner südmährischen Heimat nach Wien zog, wo er an der Universität Latein, Griechisch und Germanistik studierte. Er nahm eine Stelle als Lehrer am Gymnasium in Znaim an und wurde schließlich dessen Direktor. In den 1930er Jahren hielt er sich häufig in Zellerndorf auf, wo ein Kreis um Josef Pazelt seine Mundartstücke aufführte. 1931 war er Mitherausgeber von Dichtungen in niederösterreichischer Mundart. 1945 verließ er unfreiwillig seine südmährische Heimat und lebte fortan in Steyr, wo er am 8. Juli 1954 starb.

Sein umfangreiches Lebenswerk reicht vom Wiener Lustspiel bis hin zu Gedichten, hauptsächlich in südmährischer Mundart. Besonders bekannt wurde Karl Bacher aber für seine Bauerndramen. Als erfolgreichste gelten unter anderen „Der Gmoanschmied“ (erschienen 1924 im Znaimer Wochenblatt), „Milirahmstrudl“ (1931), das Hörspiel „De Weinbeergoaß“ (134 im Brünner und Wiener Rundfunk aufgeführt), „Mutter“ (1939) und „Zeitige Troader“ (1936).

Aus dem Steyrer Nachkriegsexil wurden vor allem seine südmährischen Mundartgedichte unter dem Titel „A Loabl Brot von dahoam“ (1951) bekannt.

Karl Bacher beschrieb in seinen Werken Natur, Land und Brauchtum. Sein unvollständig gebliebenes Epos in Hexametern „Dos Liad vo der Thaya“ wurde 1974 posthum in Stuttgart veröffentlicht.

In Zellerndorf befindet sich eine Gedenkstätte für den Dichter. Auch eine Straße wurde nach ihm benannt.

Karl Bachers „Gesammelte Gedichte“ sind in der Edition Weinviertel erschienen.

Der Lyrische – Hofrat Dr. Walter Kainz, Pernersdorf und Korneuburg

Walter Kainz. Bild: © unbekannt / Marktgemeinde Pernersdorf

Walter Kainz. Bild: © unbekannt / Marktgemeinde Pernersdorf

In der Mühle von Pernersdorf kam Walter Kainz am 11. Juli 1918 zur Welt. Nach erfolgreichem Jus-Studium wurde er Richter, machte berufliche Karriere am Kreisgericht Korneuburg, dessen Senatsvorsitzender er schließlich wurde. Trotz beruflicher Verpflichtungen ist er seiner Pulkautaler Heimat immer verbunden geblieben. Walter Kainz machte sich vor allem als Lyriker einen Namen. Er liebte die Natur, das Wandern, begeisterte sich für das einfache Leben. Das kommt auch in seiner Lyrik immer wieder zum Ausdruck. Fünf Gedichtbände erschienen zwischen 1951 und 1987, davon zwei in Pulkautaler Mundart: „Liebeserklärung an das Weinland“, „Untern Manhartsberi“, „Blickpunkt Weinland“, „A Schrift in Lettn“, und „Erlebtes Weinland“. 1982 wurde Walter Kainz dafür mit dem Korneuburger Kulturpreis ausgezeichnet.

Als Dichter verehrt, als Richter geachtet starb Walter Kainz am 19. Januar 1996 in Korneuburg. Die Bezirkshauptstadt benannte eine Straße nach dem Lyriker.

Walter Kainz’ „Gesammelte Gedichte“ sind in der Edition Weinviertel erschienen.

Der Pädagogische – Josef Pazelt, Platt und Pulkau

Josef Pazelt. Bild: © unbekannt / Edition Weinviertel

Josef Pazelt. Bild: © unbekannt / Edition Weinviertel

Im Bauernhaus Nr. 21 in Platt stand am 2. Februar 1891 die Wiege von Josef Pazelt. Vater Vinzenz hätte den kräftigen Buben gerne als Fleischhauer gesehen, seine Lehrer rieten aber zu einem Studium. Als bald darauf der Vater starb und Mutter Maria alleine die Landwirtschaft lenken musste, nahm sich der damalige Pfarrer von Platt, Pater Berthold Bayer, des Buben an und schickte ihn noch mit 13 in die Retzer Bürgerschule.

Trotz des beschwerlichen Schulwegs lernte Josef so gut, dass er zu den Schulbrüdern nach Strebersdorf geschickt wurde, wo er 1909 maturierte und Lehrer in Hollabrunn und Pulkau wurde. Nach Krieg und russischer Gefangenschaft kehrte er 1918 nach Pulkau zurück, wo er bis 1923 als Bürgerschullehrer weiter wirkte. Er folgte der Berufung zum Bezirksschuldirektor in Wr. Neustadt und in Neunkirchen, wurde1932 bis 1934 sogar sozialdemokratischer Parlamentarier. 1934 nach den Februarunruhen zog er sich wieder nach Platt zurück, ehe er 1938 an die Lehrerbildungsanstalt nach Znaim berufen wurde. 194 landete er schließlich im Wiener Unterrichtsministerium als Lektor für Schul- und Jugendbücher.

Am 22. April 1956, kurz vor seiner Pensionierung, starb Josef Pazelt nach einer Operation im Wiener Allgemeinen Krankenhaus. Er wurde in Platt bestattet.

Sein literarisches Werk umfasst vor allem Kinder- und Jugendliteratur wie „Zizibe – ein Wintermärchen für blonde und graue Kinder“, „Mümmelmann“ „Käfermenuett“, „Lambert Löffelmann und Silvester Aaser“ , „Briefe an einen Hund“, aber auch persönliche Erinnerungen wie „Aus sonniger Ferne“, und Anlassschriften wie „In tiefster Seele treu“ (für Karl Renner) und „Ein Freund und Helfer“ für Theodor Körner. „Die Glocknerfee“, ein österreichisches Heimatbuch, blieb unvollendet.

Eine Straße und eine Gedenktafel in Platt erinnern an den herausragenden Schriftsteller und Schulmann.

Josef Pazelts „Gesammelte Werke“ sind in der Edition Weinviertel erschienen.

Der Aufmüpfige – Lois Schiferl, Hadres

Lois Schiferl. Bild: © unbekannt / HS Hadres

Lois Schiferl. Bild: © unbekannt / HS Hadres

Der kleine Loisl, der einmal ein ganz Großer werden sollte, wurde am 20. November 1906 in eine Kaufmannsfamilie in Hadres hineingeboren. Dort sprach man allerdings nicht die bodenständige Mundart des Pulkautals. Für einen Kaufmann schickte sich das nicht, aber Loisl wollte von klein an zu den Menschen seiner Heimat gehören, einer „vo eah(n)“ sein.

Er studierte, wurde Lehrer, später Hauptschuldirektor in Hadres und widmete sich ganz und gar der Volksbildung und der Erziehung der Jugend. Im Bauernstand sah er den wesentlichen Träger von Brauchtum und Sprache . Seine literarischen Vorbilder waren Josef Misson und Karl Bacher.

1946 veröffentlichte er seinen ersten Gedichtband in der Ui-Mundart, dem bald weitere folgen sollten. Ebenso bekannt sind seine Geschichten aus Kindheit, Jugend und Studentenzeit. In Dr. Walter Kainz fand er einen literarischen Mitstreiter.

Weniger bekannt ist Lois Schiferls politisches Engagement. Im März 1938 appellierte er über Radio an die österreichische Jugend und verfasste Flugblätter, die in den letzten Tagen vor dem „Anschluss“ in Wien verteilt wurden.

Wenig bekannt ist auch, dass Lois Schiferl, der inzwischen auch mit dem niederösterreichischen Kulturpreis ausgezeichnet worden war, 1962 neben anderen Autoren eingeladen wurde, den Text zu einer Landeshymne zu verfassen. Er erklärte sich jedoch dazu nicht imstande und legte den Auftrag zurück.

Seit dem 2. Weltkrieg war Lois Schiferl kränklich und galt als schrullig. Er blieb zeitlebens unverheiratet und überließ seiner Schwester die Führung seines Haushalts. Bei der Jugend war er nach wie vor beliebt. In den letzten Lebensjahren wurde Lois Schiferl mit dem Titel Professor geehrt. Er starb am 22. Juni 1976.

In einem Nachruf auf ihn hieß es: „Es gibt keine Romane von ihm, keine großen Dramen, es gab kein großes Spektakel um ihn, er war kein Star. Aber er war ein Mensch, ein Weinviertler, ein Weiser, ein Gütiger, ein Unbestechlicher, ein Freund.“

Louis Schiferl war gewiss kein Bestsellerautor, aber ein unerhört fleißiger und ergiebiger Schriftsteller. Davon zeugt, dass die Edition Weinviertel Schiferls „Gesammelte Werke“ in drei (!) Bänden herausgibt. Band 1 ist bereits erschienen. Er allein umfasst bereits 660 Seiten. Band 2 (512 Seiten) und Band 3 (400 Seiten) sind geplant.

In Hollabrunn trägt eine Gasse Schiferls Namen.

 

Quellen: Lexikon des Nö. Landesmuseums; Kulturdatenbank der Südmährer; Marktgemeinde Pernersdorf; Matthias Fidesser, Platt – Ein Weinviertler Dorf in Geschichte und Gegenwart; Dr. Rudolf Fürnkranz

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