Was haben sie schon verbrochen!? Nazi-Unrecht gegen Arbeiter in der Korneuburger Werft

(Fortsetzung)

Vor 70 Jahren wurden sechs Arbeiter der Schiffswerft Korneuburg von den Nazis hingerichtet. Ihr „Verbrechen“: Sie hatten im Rahmen der Roten Hilfe Geld für die Familien inhaftierter Kommunisten und Sozialisten gesammelt. Dieses solidarische Handeln nannten die Nazi-Schergen „Hochverrat“. Sechs junge, hoffnungsvolle Leben wurden zwischen dem 22. Januar und dem 17. Mai 1943 ausgelöscht. Es waren dies Rudolf Alexander, Franz Czak, Johann Gruber, Anton Jordan, Johann Mühl und Josef Schwarzböck.

Das waren aber beileibe nicht die einzigen Opfer verbrecherischer nationalsozialistischer (Un-)Rechtssprechung.

Franz Fukatsch wurde ebenfalls zum Tode verurteilt, dann zu lebenslangem Zuchthaus mit Frontbewährung begnadigt. Über seine Biografie ist leider nichts bekannt.

Auch von Johann Jahnas sind keine biografischen Daten bekannt. Man kennt nur sein „Verbrechen“: Werkmeister Jahnas hatte zweimal einen Unterstützungsbeitrag für die Rote Hilfe bezahlt und fünf Monate lang von anderen Mitgliedern Beiträge eingesammelt.

Johann Jahnas, August Ruffer, Ferdinand Sagerl, Johann Wutzl, und Josef Vilimek wurden zu Zuchthausstrafen zwischen drei und acht Jahren verurteilt.

August Ruffer auf einem Gestapo-Foto 1942. Foto: Wiener Stadt- und Landesarchiv

August Ruffer auf einem Gestapo-Foto 1942. Bild: Wiener Stadt- und Landesarchiv

Der Schlossergehilfe August Ruffer (geboren am 14. 8. 1900 in Korneuburg) leistete „in den Jahren 1941 und 1942 in Korneuburg Beiträge für kommunistische Parteizwecke“. Er wurde am 3. 9. 1942 festgenommen und am 19. 3. 1943 wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ zu 5 Jahren Zuchthaus verurteilt. Im Jänner 1945 gelang August Ruffer die Flucht aus dem Außenarbeitslager Moosbierbaum des Zuchthauses Stein an der Donau. Er hielt sich bis Kriegsende in Niederrußbach verborgen.

Ferdinand Sagerl auf einem Gestapo-Foto 1942. Bild: DÖW

Ferdinand Sagerl auf einem Gestapo-Foto 1942. Bild: DÖW

Der Bohrist Ferdinand Sagerl (geboren am 6. 2. 1896 in Korneuburg) gehörte einer Rote-Hilfe-Gruppe in der Schiffswerft Korneuburg an. Er wurde am 14. 8. 1942 von der Gestapo Wien erkennungsdienstlich erfasst und am 24. 11. 1942 vom Volksgerichtshof wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt. Ferdinand Sagerl befand sich bis Mai 1945 in Haft. Aus dem Urteil des Volksgerichtshofs, 24. 11. 1942: „Im Sommer 1941 trat der Führer an der Spitze des Deutschen Reiches zum entscheidenden Kampf gegen den kulturfeindlichen Bolschewismus, der sich zum Angriff auf das Großdeutsche Reich anschickte, an. Er tat das in dem festen Bewusstsein, dass das ganze deutsche Volk wie ein Mann hinter ihm steht. Im Winter 1941/42 durchstand der deutsche Soldat in Eis und Schnee schwerste Angriffe einer zahlen- und materialmäßig ungeheuren Überlegenheit der Bolschewisten, wie wohl noch nie ein Heer in solcher Lage erfolgreich gekämpft hat. Er tat das in dem festen Vertrauen, dass die Heimat geschlossen hinter der Front steht. In dieser Zeit haben in Korneuburg bei Wien Arbeiter deutschen Blutes, darunter die Angeklagten, sich zusammengetan und eine kommunistische Zelle gebildet […]Die beiden Angeklagten Sagerl und [Johann] Wutzl [s. d.] sind nur deshalb nicht mit dem Tode bestraft worden, weil sie lediglich Beiträge bezahlt haben und nach dem Eindruck, den sie auf den Volksgerichtshof gemacht haben, offenbar recht beschränkt sind. Auch sie aber haben sich schwer an der Volksgemeinschaft vergangen und diese an den Feind verraten. Auch sie mussten schwer bestraft werden, damit jedermann weiß, dass das Deutsche Reich die Festigkeit und Geschlossenheit der Heimat unerbittlich aufrechterhält.“

Johann Wutzl auf einem Gestapo-Foto 1942. Bild: DÖW

Johann Wutzl auf einem Gestapo-Foto 1942. Bild: DÖW

Auch der Hilfsarbeiter Johann Wutzl (geboren am 5. 4. 1906 in Korneuburg) gehörte einer Rote-Hilfe-Gruppe in der Schiffswerft Korneuburg an. Er wurde am 18. 8. 1942 festgenommen und am 24. 11. 1942 vom Volksgerichtshof wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt. Johann Wutzl blieb bis Mai 1945 in Haft.

Josef Vilimek auf einem Gestapo-Foto 1942. Bild: Wiener Stadt- und Landesarchiv

Josef Vilimek auf einem Gestapo-Foto 1942. Bild: Wiener Stadt- und Landesarchiv

Der Maschinenschlosser Josef Vilimek (geboren am 11. 1. 1901 in Korneuburg) leistete von Ende 1940 bis Juli 1942 Beiträge zur Unterstützung der Angehörigen politisch Inhaftierter. Er wurde am 23. 7. 1943 wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ zu vier Jahren Zuchthaus verurteilt und war vom September 1942 bis 6. 4. 1945 inhaftiert. Sein weiteres Schicksal ist unbekannt.

Sie alle überlebten. Einige kehrten nach Kriegsende nach Korneuburg zurück.

Ehre ihrem Andenken

 

 

 

Quellen: Die Rote Hilfe Österreichs ; DÖW ; Politisch Verfolgte; Gestapo-Opfer (Arbeiterbewegung); Im Koffer ein Foto von Marx, in: Frauensekretariat der KPÖ (Hg.): Frauen in der KPÖ. Gespräche und Porträts, 1989; Wikipedia

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