Er liebt mich, er liebt mich nicht… Zur Ehrenrettung des Gänseblümchens

Dem Liebhaber von „englischem Rasen“ ist es ein Graus, andere, weniger puristisch eingestellte Hobbygärtner können sich an den kleinen weißen Blütensternen im Rasen nicht genug satt sehen und einer kleinen Minderheit gilt es als uralte Heilpflanze und auch als leckere Beilage in der Kräuterküche. Die Rede ist vom wenig beachteten, oft sogar gehassten Gänseblümchen.

Das Gänseblümchen ist auch als Maßliebchen oder Tausendschön bekannt. Es soll Gartenbesitzer geben, die diese wunderschönen Farbtupfer von ihrem Rasen mit aller Macht vertreiben möchten. Aber Hand aufs Herz: Was sieht schöner aus als eine Wiese mit den kleinen, weiß-rosa Blütensternen?! Bild: © Seifert

Das Gänseblümchen ist auch als Maßliebchen oder Tausendschön bekannt. Es soll Gartenbesitzer geben, die diese wunderschönen Farbtupfer von ihrem Rasen mit aller Macht vertreiben möchten. Aber Hand aufs Herz: Was sieht schöner aus als eine Wiese mit den kleinen, weiß-rosa Blütensternen?! Bild: © Seifert

Schon die Kinder kennen und lieben das freundliche Gänseblümchen, das unsere Wiesen mit leuchtenden weiß-gelben Tupfen verziert. Wenngleich die moderne Phytotherapie das Gänseblümchen (Bellis perennis) nicht verwendet, so ist es in der Volksheilkunde doch ein altbekanntes Hausmittel gegen vielerlei Beschwerden.

Ein Tee aus den Blättern des Gänseblümchens regt Appetit und Stoffwechsel an, fördert die Verdauung und kann durch seine krampfstillenden Fähigkeiten auch Husten lindern. Dank seiner harntreibenden Eigenschaften kann Gänseblümchen-Tee auch Ödeme schwinden lassen. Das Gänseblümchen gilt darüber hinaus als blutreinigend, schmerz- und blutstillend, es wurde unter anderem gegen Verstopfung, Menstruationsbeschwerden und Hautunreinheiten eingesetzt. Nachgewiesen sind Inhaltsstoffe wie Saponine, Bitterstoffe, Gerbstoffe, ätherische Öle, Anthoxanthin, Flavonoide, Fumarsäure, Schleim, Inulin (nicht zu verwechseln mit Insulin!).

Das Gänseblümchen zählt zur Pflanzenfamilie der Korbblütler. Wie geschätzt es wurde, lässt sich auch an den liebevollen, mitunter fast poetischen Namen ablesen, die man ihm in anderen Ländern gab. Die Engländer nennen es „Daisy“, den Italienern ist es als „margheritina“ bekannt und selbst in Japan kennt man das Gänseblümchen. Es wird dort „hina-giku“ genannt, was übersetzt soviel wie „Kinder-Chrysantheme“ bedeutet. Im Deutschen nennt man es auch Angerbleamerl, Augenblümchen, Himmelsblume, Maiblume, Marienblümchen, Maßliebchen, Mondscheinblume, Mümmeli, Regenblume oder Tausendschön.

Gänseblümchen kann man wahlweise als Tee, als Tinktur oder als Frischpflanze anwenden. Für einen Gänseblümchen-Tee übergießt man ein bis zwei Teelöffel Gänseblümchen mit einer Tasse kochendem Wasser und lässt sie zehn Minuten ziehen. Anschließend abseihen und in kleinen Schlucken täglich ein bis drei Tassen trinken.

Wie bei allen Heilkräutern sollte man nach sechs Wochen Daueranwendung eine Pause einlegen und vorübergehend einen anderen Tee mit ähnlicher Wirkung trinken. Anschließend kann man wieder sechs Wochen lang Gänseblümchen-Tee trinken. Durch die Pause werden eventuelle unerwünschte Wirkungen verhindert, die erwünschte Wirksamkeit bleibt erhalten und lässt nicht durch Gewöhnung nach.

Für eine Tinktur übergießt man Gänseblümchen in einem Schraubdeckel-Glas mit Doppelkorn oder Weingeist, bis alle Pflanzenteile bedeckt sind, und lässt die Mischung verschlossen zwei bis sechs Wochen ziehen. Dann abseihen und in eine dunkle Flasche abfüllen.

Von dieser Tinktur nimmt man ein- bis dreimal täglich 10-50 Tropfen ein. Man kann sie auch äußerlich für Einreibungen gegen Quetschungen und Verrenkungen anwenden. Die Tinktur kann mit Wasser verdünnt werden.

Auch in der Küche sorgt das Gänseblümchen für nicht nur optische Reize. Hier ein paar Beispiele:

Kartoffelsalat mit Gänseblümchen und Löwenzahn

750 g Kartoffeln
¼ Liter Wasser
6 EL Essig (z. B. Rotweinessig)
1 TL Salz
3 EL Öl (z. B. kaltgepresstes Olivenöl)
1 große Handvoll Gänseblümchen-Blüten ohne Stiel, große Handvoll
1 große Handvoll zarte Löwenzahn-Blätter
evtl. Speck, gebraten
evtl. Gewürzgurke(n)
evtl. Salatgurke(n)

Die Kartoffeln waschen und im Schnellkochtopf 15 min. dämpfen, Kartoffeln schälen und in dünne Scheiben schneiden. Für die Marinade nimmst du 1/4 l Wasser, lässt es aufkochen, gibst 6 EL Essig sowie 1 TL Salz zu. Die Marinade gut verrühren und anschließend über die geschnittenen Kartoffeln geben. Das Ganze lässt du nun zugedeckt ca. 1 Stunde ziehen. Kurz vorm Servieren mischt du noch 3 Esslöffel Öl unter.

Die Löwenzahnblätter klein schneiden und mit den Gänseblümchenblüten in einen größeren, mit Wasser gefüllten Behälter (z. B. Spülbecken) geben, 1 Prise Salz zugeben. Gänseblümchenblüten und Löwenzahnblätter rührst du nun in den Salat ein.

Dieses Hauptgericht eignet sich auch als Grundrezept. Beispielsweise kannst du noch gebratenen Speck unterrühren, oder feine Streifen Essiggurken oder feine Streifen Salatgurke.

Gänseblümchenaufstrich

500 g (Mager)topfen
1 Becher Sauerrahm
1 Handvoll Gänseblümchen-Blüten
1 Bund Schnittlauch
etwas Petersilie
2 Gewürzgurke(n)
Salz
Pfeffer

Topfen und Sauerrahm verrühren und in eine Schüssel geben. Gänseblümchen, Schnittlauch, Petersilie und Gewürzgurken fein hacken, dazugeben und alles gut vermengen. Mit Salz und Zitronenpfeffer abschmecken. Schmeckt vorzüglich auf frischem Brot.

Gänseblümchensuppe

2 Tassen gewaschene Gänseblümchen-Köpfe
¼ Liter Geflügelfond
¾ Liter Kalbsfond
2 EL Haferflocken
60 g griechischer Joghurt, 10 % Fett
Salz
Muskat
weißer Pfeffer
evtl. Zitronensaft und Vollkorncroutons

Die Gänseblümchenköpfe sehr fein hacken, mit dem Geflügelfond aufkochen und vier Minuten kochen lassen. Dann den Kalbsfond zugeben, aufkochen und die Haferflocken einrühren. Etwa fünf Minuten sanft köcheln lassen, bis die Haferflocken die Suppe gebunden haben. Nun den Joghurt unterrühren und mit den Gewürzen abschmecken. Eventuell harmonisieren dazu auch noch ein paar Tropfen Zitronen- oder Limettensaft. Anreichern kann man die Suppe mit ein paar Vollkorncroutons.

Zur Deko einfach ein paar schöne Gänseblümchenköpfe in die Suppe streuen.

 

Quellen: Kräuterlexikon ; Chefkoch ; Johann August Eberhards Synonymisches Handwörterbuch der deutschen Sprache, Leipzig 1910; Wikipedia

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