Söhne des Weinviertels: Friedrich Piringer, Unterretzbach – Geiger, Dirigent und Freund Beethovens

„Er war ein achtenswerther Kunstdilettant, ein Beförderer der Musik, ein umsichtsvoller Musikdirigent und Begründer so manchen vaterländischen Kunstinstitutes“. Kurz und prägnant, aber voll des Lobes blickt der Redakteur und Herausgeber des angesehenen Fachblatts „Allgemeine Wiener Musik-Zeitung“ August Schmidt 1841 auf das kurze, aber zumindest musikalisch intensive Leben des Friedrich Piringer aus Unterretzbach zurück. Zu diesem Zeitpunkt war Piringer zwar längst tot, aber in der Musikwelt Wiens immer noch nicht nur Insidern ein Begriff.

Dabei ist die Bezeichnung „Dilettant“ ganz und gar nicht als abwertend zu verstehen, etwa wie heute im Sinn von stümperhaft oder oberflächlich. Ein Dilettant im damaligen Sinn übte eine Sache um ihrer selbst willen aus, also aus Interesse, Vergnügen oder Leidenschaft. Der Begriff galt ursprünglich dem nicht geschulten Künstler oder demjenigen, der seine Tätigkeit nicht beruflich für den Lebensunterhalt ausübte.

Ferdinand Piringer wurde am 18. Oktober 1780 als Kind eines Lehrers und Chorleiters, damals ehrfurchtgebietend Regens Chori genannt, in Unterretzbach geboren. Da war es kein Wunder, dass er – kaum dass er laufen konnte – schon väterlichen Geigenunterricht genoss.

Später studierte er in Wien Philosophie, Jus und „Humaniora“, seit der Renaissance die lateinische Bezeichnung für die Gesamtheit des humanistischen Bildungsprogramms mit Rückbesinnung auf die griechische und römische Antike, und wurde schließlich Beamter bei der k. k. Hofkammer in Wien.

Zunächst nur nebenbei vervollkommnete Piringer seine musikalische Ausbildung, spielte in Streichquartetten und wurde Dirigent. Nach dem Tod seines Freundes Franz Xaver Gebauer leitete er ab 1824 die Concerts spirituels und den Kirchenchor der Augustiner Hof-Pfarrkirche. Diese Concerts spirituels waren eine Konzertform, die ursprünglich in Paris in einer Zeit entstanden waren, in der wegen eines Privilegs der königlichen Musikakademie öffentliche Konzerte kaum stattfinden durften.

So eingebunden in die damalige Wiener Musikszene, hatte Piringer bereits davor um 1820 Ludwig van Beethoven kennengelernt. Dieser hatte damals bereits sein Gehör verloren. Überliefert sind Unterhaltungen, die Beethoven wegen seiner Taubheit mit Griffel und Schiefertafel schriftlich führte. Ebenso überliefert sind Treffen Piringers mit Carl Maria von Weber.

Im Bonner Beethoven-Haus wird ein Brief Beethovens an Ferdinand Piringer aufbewahrt. Darin heißt es:

„Baden am 13ten May 1825

Indem ich ihnen innigst danke, daß sie sich die Mühe geben wollen, ein Exemplar meiner Meße zu corrigiren , bitte ich sie mir nur gefälligst anzuzeigen, sobald sie damit zustande gekommen seyn werden, wo ich alsdenn jemanden zu ihnen darum schicken werde, u. sie bitte nur diesem die Meße einzuhändigen – Böhm dem wackern Fidler bitte ich sie zu sagen, wie leid es mir sey, ihm nicht noch einmal das quartett haben Geben zu können, indem ich selbes mit vieler Mühe gerade am Tage meiner Abreise hieher (d.h. am 7-ten May) von Hr. Mayseder erst zurückerhalten habe – die Folgen meiner gehabten Gedärm Entzündung sind sehr hart für mich, indem ich mich so schwach befinde, daß ich kaum noch recht gehen u. noch viel weniger mich beschäftigen kann – Gott besser’s! –

wie immer ihr Freund u. Diener

Beethoven“

„Wie immer ihr Freund und Diener“ schrieb Beethoven aus Baden an seinen Weinviertler Freund Ferdinand Piringer am 13. Mai 1825. Bild: © Beethoven-Haus Bonn, Autograph aus der Sammlung H. C. Bodmer, HCB Br 185

„Wie immer ihr Freund und Diener“ schrieb Beethoven aus Baden an seinen Weinviertler Freund Ferdinand Piringer am 13. Mai 1825. Bild: © Beethoven-Haus Bonn, Autograph aus der Sammlung H. C. Bodmer, HCB Br 185

Als Beweis für die musikalische Freundschaft zwischen Piringer und Beethoven kann auch ein Klavierstück gelten, das der große Meister 1821 für ihn geschrieben hat, möglicherweise für einen bestimmten Anlass.

Hören Sie hier ein Beispiel* dieses Ferdinand Piringer gewidmeten Allegrettos in h-moll (WoO 61, Hess 62).

Beethoven starb am 26. März 1827. Sein Weinviertler Freund Ferdinand Piringer überlebte ihn nicht lange. Er starb am 11. November 1829 in Wien.

 

* Die ursprünglich hier verlinkte, ursprünglich auf YouTube frei und legal verfügbare Ton-Aufnahme wurde leider auf Betreiben des in einem zweifelhaften Bereich agierenden Content-ID-Dienstes AdShare MG untersagt.

 

Quellen: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815-1950, Österreichische Akademie der Wissenschaften; Allgemeine Wiener Musik-Zeitung, Nr. 126 vom 21. October 1841; F. S. Gaßner, Universal-Lexikon derTonkunst, 1849; E. Hanslick, Geschichte des Concertwesens in Wien, 1869

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