Die Kruter håm… nix kapiert!

Großkrut ist stolz auf seinen Slogan.

„Die Kruter håm…“ prangt an den Ortseinfahrten und lädt so das ganze Jahr über zu verschiedenen Festen und Aktivitäten. Das klingt bodenständig, selbstbewusst und bringt den einen oder anderen Gast in die 1500-Einwohner-Gemeinde im Weinviertler Dreiländereck.

Großkrut bemüht sich auch redlich, trotz klammer Gemeindekasse seinen Bewohnern etwas zu bieten, unter anderem Abwechslung für ihre Kinder und damit auch Entlastung für deren Eltern während der schulfreien Ferienzeit.

„Die Kruter håm… a Ferienspiel“ tönte es kürzlich jubelnd aus den „Wecker News“, dem Magazin des Regionalentwicklungsvereins Weinviertler Dreiländereck. Man kann sich vorstellen, dass so ein Ferienspiel, das noch dazu einige Wochen dauert, gut organisiert sein muss und vor allem auch nicht allzu viel kosten darf. Also bedient man sich gerne diverser Institutionen, die ebenso gerne die Gelegenheit wahrnehmen, um für ihre eigenen Produkte oder Ideen zu werben, zumal man es hier mit einer begehrten Gruppe, den Kindern, zu tun hat. Heuer war wieder einmal das Bundesheer an der Reihe und zwar unter anderem mit einem „schmucken“ Schützenpanzer.

Panzer als Ferien-Gaudi in Großkrut. Wieder einmal Kinder als Zielgruppe einer soldatischen Werbeveranstaltung. Bild: Wecker News

Panzer als Ferien-Gaudi in Großkrut. Wieder einmal Kinder als Zielgruppe einer soldatischen Werbeveranstaltung. Bild: Wecker News

Liebe Ferienspiel-Verantwortliche, fällt euch wirklich nichts anderes ein, als Kindern Kriegsgerät zum Zeitvertreib anzubieten? Klar, so ein Koloss ist schon attraktiv, gekostet wird er samt Besatzung auch nicht allzu viel haben und überhaupt kann man ja „gar nicht früh genug anfangen“…

Wir reden von Frieden, versuchen unsere Kinder möglichst gewaltfrei zu erziehen, bauen langsam Verständnis und Freundschaft zu den Nachbarn aus. Wie wäre es, vor dem Ferienspiel einmal nachzudenken, welche friedvolleren Freizeitaktivitäten für Kinder es geben könnte?

Mir wären Kinder als Zielgruppe einer soldatischen Werbeveranstaltung ehrlich gesagt zu kostbar.

Nachdenken kostet bekanntlich nichts und wer weiß, vielleicht entwickelt sich dadurch auch unter der Bevölkerung von Großkrut die Lust, an Alternativen zu denken. Immer die gleichen einfallslosen Angebote sind doch auch fad. Wie wäre es mit einem Konzept, in dem Frieden die Hauptrolle spielt? Ich bin sicher, es gibt Pädagogen und Sozialarbeiter, die sich für so eine Idee begeistern lassen und auch nicht die Welt kosten.

Dann könnte Großkrut tatsächlich mit Stolz sagen „Die Kruter håm… es verstanden.“

Für heuer muss ich euch leider sagen, „Ihr Kruter habts…nix anderes als viele andere…und offenbar nix kapiert!“

 

 

Quelle: Wecker News, Ausgabe 4/2013

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