Immerhin ein Anfang, aber… Zum Gedenken an die Widerstandskämpferin Anna Goldsteiner aus Pulkau

In Pulkau erinnert man sich scheints nicht so gern. Zwar werden auch hier runde Geburtstage mit Routine und bürgermeisterlicher Gratulation gefeiert, hält man auch hier viel von einer „schönen Leich‘“ mit salbungsvoller Grabrede, aber wenn es um die Historie des Städtchens geht – vor allem um die Geschichte während der Zeit des Nationalsozialismus – , werden da und dort nicht unwesentliche Erinnerungslücken offenbar.

So hat es nicht weniger als 70 Jahre gedauert, ehe man sich in Pulkau wenigstens halb-offiziell diesem Teil seiner Geschichte besann und sich an eine starke Frau erinnerte, die mit Mut und Zivilcourage der Nazi-Obrigkeit die Stirn bot.

Pulkau tut sich nach wie vor schwer mit der Erinnerung an eine starke Frau. Bild: Rudolf Goldsteiner

Pulkau tut sich nach wie vor schwer mit der Erinnerung an eine starke Frau. Bild: Rudolf Goldsteiner

Anna Goldsteiner hatte ihre vier Söhne und deren Freunde, die die Widerstandszelle „Ewig treu mein Österreich“ gegründet hatten, unterstützt. Das ging gut bis zum Herbst 1943. Dann wurde sie verhaftet, zum Tod verurteilt und am 5. Juli 1944 im Wiener Landesgericht von Schergen des Naziregimes ermordet (siehe Beitrag 1 und Beitrag 2 in diesem Blog).

Dem „Atlas des Widerstands“ des Hollabrunner Psychotherapeuten Dr. Manfred Pawlik (siehe Quellen) und den intensiven Recherchen Rudolf Goldsteiners, des Enkels der Kämpferin gegen den Naziterror, ist es zu verdanken, dass der Mut der couragierten Pulkauerin nicht in Vergessenheit geraten ist und die Rufe nach einer späten Ehrung schließlich auch in der verschlafenen Gemeindestube nicht mehr überhört werden konnten.

Aber weil in Pulkau wie auch anderswo eher der Opfermythos Österreichs gepflegt wird statt sich auch unangenehmen Fragen der jüngeren Vergangenheit zu stellen, waren die Gemeindeväter nicht gerade begeistert von den immer lauter werdenden Stimmen. An Biertischen und auf Heurigenbänken formierten sich zunächst Unverständnis und Ablehnung, ehe man sich doch zu einer Gedenktafel für Anna Goldsteiner durchringen konnte. Mit Informationen über das Wann und Wo hielt man sich im Pulkauer Rathaus aber bis zum Schluss bedeckt, wollte am Ende noch nicht einmal wissen, ob die Tafel rechtzeitig fertig werde.

Welcher Geist die Verantwortlichen bei der Entscheidung für den Aufstellungsort der Tafel beseelt hat, ist allerdings nicht ersichtlich, ein besonders sensibler kann es aber nicht gewesen sein, denn die Tafel für die Widerstandskämpferin landete ausgerechnet am – Kriegerdenkmal, just unter den Namen derjenigen, die mitgeholfen hatten, das Hitlerregime möglichst lange am Leben zu erhalten.

Den lokalen Medien, sonst um jeden neuen Trachtenanzug journalistisch bemüht, war die mit Kameradschaftsbund (!) inszenierte Enthüllung der Tafel übrigens nur eine sehr zurückhaltende Berichterstattung wert.

Ob sich Anna Goldsteiner durch diese Gedenktafel besonders geehrt gefühlt hätte, ist zu bezweifeln. Aber immerhin, es gibt sie jetzt. Pulkau hat sichtlich in einem wahren Kraftakt Erinnerungsarbeit geleistet.

So, das war’s jetzt. Und dass jetzt ja keiner weiter unangenehme Fragen stellt!

Die Tafel an der unteren Stufe des Kriegerdenkmals von Pulkau wird irgendwann einmal von gepflegten Blumen verdeckt sein. Einfach Gras drüber wachsen zu lassen, war schließlich schon immer die beliebteste Taktik zur „Bewältigung“ der unangenehmen Vergangenheit.

Vielleicht aber entsteht durch die Tafel doch auch so etwas wie eine neue Kultur der Erinnerung.

Irgendwann ist sicher auch Pulkau reif dafür.

Noch leicht verschobene Erinnerung: Die Gedenktafel für Anna Goldsteiner am Kriegerdenkmal wirkt etwas deplatziert. Bild: Rudolf Goldsteiner

Noch leicht verschobene Erinnerung: Die Gedenktafel für Anna Goldsteiner am Kriegerdenkmal wirkt etwas deplatziert. Bild: Rudolf Goldsteiner

 

Quellen: Töchter des Weinviertels, Pulkau – ermordet, totgeschwiegen, aber nicht vergessen, Teil 1 und Teil 2 ; Dr. Manfred Pawlik, Widerstand im Weinviertel, Verlag Berger & Söhne, Horn, 2013.

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