„Mistelbacher Bezirksblatt“: Gratiszeitung oder billiges Hetzblatt?

„Journalismus“ made in Mistelbach. Hetzerisch, reißerisch, völlig zusammenhanglos und grenzenlos dumm. Das „Bezirksblatt“ gefällt sich offenbar darin, aus der Islamismus-Debatte journalistisches Kleingeld zu schlagen.     Bild: @ camerahumana

„Journalismus“ made in Mistelbach. Hetzerisch, reißerisch, völlig zusammenhanglos und grenzenlos dumm. Das „Bezirksblatt“ gefällt sich offenbar darin, aus der Islamismus-Debatte journalistisches Kleingeld zu schlagen. Bild: @ camerahumana

Man kommt ihm nicht aus, dem lokalen Gratisblatt. Jeder Haushalt im Weinviertel wird, wie auch anderswo in Niederösterreich, mit einer Ausgabe der „Bezirksblätter“ beglückt. Unbestellt und gratis liegt sie Woche für Woche im Briefkasten und vermutlich bald darauf im Altpapiercontainer. Auch im Bezirk Mistelbach verbreitet ein Bezirksblatt seine Ergüsse, inhaltlich und stilistisch meist unterirdisch, was aber normalerweise kaum jemanden aus der zwangsbeglückten Leserschar aufregt, zumal man einem „geschenkten Gaul“ usw. usf. Diese Woche dann die „schockierende“ Schlagzeile: „Böller: Polizei sucht ‚Silvester-Taliban‘“. Das suggeriert zumindest Terroristen, wenn nicht gar Islamisten. Auf jeden Fall irgendwas mit Muslimen und/oder „Ausländern“. Diese Schlagzeile schürt Ängste, stiftet Verwirrung, sie ist unsensibel und unbedacht, sie hetzt und verunsichert. Im dazugehörenden Artikel im Blattinneren geht es nämlich lediglich um eine kaputte Auslage auf dem Mistelbacher Hauptplatz, vier davongelaufene Jugendliche und einen Böller. Ein Lausbubenstück. Es geht nicht um Taliban oder sonstige religiöse Fanatiker. Es geht nicht einmal um Muslime und um Migranten auch nicht. Hauptsache, man hat eine suggestive Schlagzeile losgelassen. Ich mag der Redaktion nicht Absicht unterstellen. Dazu ist der reißerische Titel zu abgehoben vom Inhalt. Aber er ist geeignet zu verhetzen. Er ist darüber hinaus dumm und in seiner Konsequenz bösartig. Gibt es in dieser Redaktion irgendjemanden, der sich der Verantwortung bewusst ist, wenn er/sie für ein Medium mit großer Reichweite schreibt? Hat dort irgendjemand schon von journalistischem Ethos gehört? Hat dort irgendjemand wenigstens Hirn (von Herz gar nicht zu reden)? Viele Menschen engagieren sich für Toleranz, Verständnis und Mitmenschlichkeit, Integration und Inklusion sind heutzutage nicht mehr bloße soziologische Vokabel. Und dann drückt eine Gratiszeitung den Lesern eine solche Schlagzeile ohne Inhalt aufs Auge! Das ist letztklassig! Man kann man von Gratisblättchen wie dem Mistelbacher Bezirksblatt sicher keine journalistischen Meisterleistungen erwarten. Man muss aber erwarten, ja verlangen, dass diese nicht mit hetzerisch-reißerischen Aufmachern  noch mehr Dreck in die Gehirne der Menschen blasen, als ohnehin schon drin ist.

*

P.S. Es gab einmal eine Zeit, da lieferte das „Mistelbacher Bezirksblatt“ im Rahmen seiner Möglichkeiten anständige Arbeit, machte in puncto Neuigkeitswert sogar dem übermächtigen Platzhirschen NÖN Konkurrenz. Ich erinnere nur an die Geschichte über den ehemaligen Pfarrer von Stützenhofen, die Lokalredakteur Ewald Schingerling aufdeckte und die in der Folge europaweit für Furore sorgte. Die Geschichte wurde dem „Bezirksblatt“ offenbar zu heiß, Schingerling verließ in der Folge die Redaktion und arbeitet heute erfolgreich als freier Journalist unter anderem für das Mistelbacher Magazin mijou.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter zwerigst. querfeldein. abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s