Herbergsuche im Weinviertel (Teil 2): Wo Menschen Menschen helfen…

(Fortsetzung von Teil 1)

Die gute Nachricht ist die bessere. Es geht im Weinviertel auch anders, wenn Flüchtlinge vor der Tür stehen. Zum Beispiel in Poysdorf. Dort überwindet persönliches Engagement die gängigen Vorurteile gegenüber Menschen auf der Flucht aus Kriegsgebieten.

Für acht junge Syrer hat die Flucht vor Krieg und Tod vor knapp einem Monat ein glückliches Ende gefunden. Einer privaten Initiative in der 5500-Einwohner-Gemeinde verdanken sie einen „sicheren Hafen“. Ihre Zahl mag angesichts fast täglich neuer Rekordzahlen von Asylsuchenden gering erscheinen, lässt aber die Hoffnung keimen, dass in unserem wohlhabenden Land soziale Wärme kein bloßes Schlagwort bleibt.

Um die Neo-Poysdorfer bestmöglich in das Leben der Stadtgemeinde einzubinden und ihnen helfend zur Seite zu stehen, rief die SPÖ Poysdorf gemeinsam mit der örtlichen Volkshilfe die Initiative „Menschen helfen Menschen“ ins Leben.

„Wir stehen in sehr engem Kontakt zu den syrischen Flüchtlingen. Es ist Ihnen ein großes Anliegen, sich aktiv in das Gemeindeleben einzubringen und Kontakt zur Bevölkerung aufzubauen“, sagt dazu Egon Englisch, der Vorsitzender der Volkshilfe Poysdorf.

Die jungen Syrer waren in der Weinstadt mit leichtem Gepäck gelandet. Sie besaßen gerade einmal das, was sie am Körper trugen. Kleidung und Hygieneartikel standen daher ganz oben auf der Liste ihrer Besorgungen. „Menschen helfen Menschen“ organisierte in kürzest möglicher Zeit eine Sammelaktion, die neben einem tolles Ergebnis auch die Erkenntnis brachte, dass weite Teile der Bevölkerung den Neuankömmlingen sehr positiv und aufgeschlossen gegenüber steht.

Acht junge Syrer auf der Flucht fanden in Poysdorf freundliche Aufnahme. Okba und Aboudin freuen sich im Kreise der Initiative "Menschen helfen Menschen". Bild: © Volkshilfe Poysdorf

Acht junge Syrer auf der Flucht fanden in Poysdorf freundliche Aufnahme. Okba und Aboudin freuen sich im Kreise der Initiative „Menschen helfen Menschen“. Bild: © Volkshilfe Poysdorf

„Es ist uns wichtig, dass wir uns aktiv für die Flüchtlinge engagieren und uns mit ihrer Geschichte auseinanderzusetzen,“ tönt es aus den Reihen der Gründer der Initiative. Nur so könne man gegenseitige Berührungsängste abbauen und die jungen Syrer optimal in die Gemeinschaft einbinden.

Für die Zukunft seien vor allem Gemeinschaftsaktivitäten geplant, bei denen die Flüchtlinge mit den „alteingesessenen Poysdorferinnen und Poysdorfern in Kontakt kommen können. Dies sei wichtig für ihre soziale Einbindung und biete anderseits eine gute Möglichkeit so schnell wie möglich Deutsch zu lernen, meint dazu Egon Englisch.

Inzwischen helfen auch lokale Sportvereine bei der Integration der syrischen Gäste mit und bieten Trainingsmöglichkeiten und Gelegenheit zum Mitmachen an. Auch das Haus der Bamrmherzigkeit hilft mit und bietet den Syrern die Möglichkeit, mit den Klienten des Hauses kleine Ausflüge zu unternehmen.

In der Poysdorfer Katastralgemeinde Altruppersdorf fanden weitere fünf Menschen aus Syrien Aufnahme. Auch um sie kümmert sich die Volkshilfe.

Alles in allem ein gutes Beispiel für Rest-Österreich. Schließlich macht es keinen Sinn, in einem Ort massenhaft Flüchtlinge unterzubringen und damit die heimischen Bevölkerung zu überfordern oder zu verunsichern. Die Volkshilfe spricht sich für eine Quotenregelung von einem Prozent aus. Das würde für Poysdorf etwa 25 bis 30 Asylsuchende bedeuten.

Während sich viele Gemeinden und Kirchen nur sehr zögernd und oft sogar ablehnend verhalten, wenn es um die Aufnahme von Flüchtlingen geht, erfülle Poysdorf seine menschliche und moralische Pflicht, ist man sich bei der Volkshilfe sicher.

 

Quelle: Volkshilfe Poysdorf

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