Osterzeit im Weinviertler Burschenbrauch – Pumpermette und Unruhnächte

Über die ländlichen Burschenschaften des Weinviertels ist in der einschlägigen volkskundlichen Literatur nur wenig zu finden. Noch weniger bekannt dürften die Osterbräuche der Burschen sein, die vereinzelt bis in die 1970er Jahre gepflogen wurden. Der Volkskundler Werner Galler beschäftigte sich ausführlich mit einigen dieser fast vergessenen Bräuche.

Wenngleich heutzutage die Burschenschaften fast schon im Verschwinden sind, hat die männliche Dorfjugend sowohl im profanen als auch im halbliturgischen Brauchbereich weiterhin ihre Funktion zu erfüllen. Sie ist Träger fast aller Dorffeste und entfaltet in den Unruhnächten auch eine sittenrichterliche Tätigkeit.

Die Osterzeit hat im Osten Österreichs eine überragende Bedeutung im Jahreskreis. Lebendige christliche und christianisierte Glaubenszüge ergeben zwischen Palmsonntag und Osterdienstag einen Höhepunkt christlichen Volkstums. Ostern spielt nicht nur eine große Rolle für einzelne Angehörige einer Altersgruppe sondern für die gesamte Altersklassengemeinschaft eines Dorfs.

Einer der ältesten, heute nur noch wenig bekannten Bräuche war die Pumpermette, ein Gottesdienst in den „horae matutinae“ der Kartage, also eine Frühmette. Sie hieß auch Finstermette, weil nach jedem Psalm ein Licht gelöscht wurde. Das „Pumpern“ stammte von einem Geräusch, das am Ende der Andacht mit einem hölzernen Werkzeug, etwa einem Schallbrett, von den Kirchendienern erzeugt wurde. Noch früher erzeugten die Kirchgänger selbst dieses Geräusch. Man glaubte, dass dadurch einerseits die Wut der Juden gegen den Heiland angedeutet, anderseits der Unwille der Christen über den Verrat des Judas ausgedrückt werden sollte.

Früher riefen die Ratschenbuben zu diesem längst abgekommenen Gottesdienst. Einer ihrer Sprüche lautete: „Mir ratschen, mir ratschen de Pumper(s)metten, alte Weiber, steht’s auf und backt’s Osterflecken.“

Werner Galler berichtet über diesen alten Brauch: „Um Mitternacht ist das Pumpermettenratschen in Großmugl und in Perzendorf bei Stockerau angesetzt. Früher ratschten die Burschen von Großmugl ihre eigene Pumpermette in der Nacht von Gründonnerstag auf Karfreitag. Die Buben waren … in der Nacht darauf an der Reihe.“ Aus Ungerndorf bei Laa ist bekannt, dass der Schuldirektor seinen Knaben verboten hatte, am Karfreitag um Mitternacht zur Pumpermette zu rufen.

Zeitlich verknüpft mit der Pumpermette waren die Unruhnächte. Sie sind besonders den Burschenschaften zuzurechnen. Dabei geschah zu bestimmten fixen Terminen im Dorf allerlei Schabernack. So schreibt Galler: „Die Ungerndorfer Burschen stellen jährlich in den Nächten der Kartage schwere Holzblöcher vor die Haustüren, so dass die Bewohner in der Früh nicht hinaus können. Es wurden auch schon Rauchfänge verstopft. Noch in der Zwischenkriegszeit hat die Burschenschaft von Großharras … ‚de Holzböck austragn‘. In der Nacht schlichen die Burschen durch den Ort und holten aus Höfen und Schupfen alle Holzböcke. Vor der Kirche wurden diese Geräte in Reih und Glied ausgerichtet und mit gleichfalls entwendetem Rossgeschirr angeschirrt. Diesen Spaß trieben sie meist an den Freitagen der Fastenzeit, besonders in der Nacht auf Karfreitag. An diesen Freitagen besuchten viele Leute die Frühmesse, und es war daher auch das nötige Publikum vorhanden.“

Nicht immer verliefen die Unruhnächte so witzig-friedlich. In den Kartagen 1970 musste der Gendarmerieposten Staatz gegen betrunkene Burschen vorgehen, die sich „wie die Wilden benahmen“ und auch Sachschaden anrichteten.

Werner Galler berichtet: „Die Nacht zwischen Ostersonntag und Ostermontag widmen die Burschen von Ungerndorf und Hagendorf bei Laa dem ‚Schubkarrnzsammzahn‘. Die Osternacht als Unruhnacht mit Stehlrecht ist eher ungewöhnlich. Es steht den Burschen frei, in der Nacht ohne Straffolgen in die Höfe einzudringen, Geräte zu entwenden und auf dem Kirchenvorplatz zu türmen, von wo sie die Bauern in der Früh heraussuchen und heimholen müssen.“

Im südmährischen Grusbach (Hrušovany nad Jevišovkou) fanden sich die Burschen in der Nacht des Ostermontags auf dem Platz und den Straßen zusammen zum „Osterkrachen“. Mit ihren Peitschen erzeugten sie dabei rhythmischen, aber nicht weniger lauten Lärm. „Dieses Krachen steht sicher im Zusammenhang mit den vor allem alpenländischen Schnalzbräuchen, dem Waldviertler Pfingstschnalzen oder dem Ybbsitzer Irgenschnalzen“, meint der Volkskundler Werner Galler.

(wird fortgesetzt)

 

Quellen: Werner Galler, Die Burschenschaft des östlichen und mittleren Weinviertels, Wien 1971; Gustav Gugitz, Pumpermette und Karfreitagsratschen, in: Das Jahr und seine Feste im Volksbrauch, Wien 1949; Emma Brandl, Mein Heimatort Grusbach, 1952.

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