Osterzeit im Weinviertler Burschenbrauch – Der Karawatsch oder Kowatsch

In Teilen des Weinviertels und Südmährens hat der Volkskundler Werner Galler unter den „Heischebräuchen“ des Ostermontags noch eine besondere Spezialität entdeckt und beschrieben: den so genannten Karawatsch oder Kowatsch.

Dieser Brauch hieß im südmährischen Mödritz (Modřice) „Auspeitschen“ und fand nach der Frühmesse statt. Die Burschen schlugen die Mädchen – auch die Ehefrauen – in den Häusern oder auf der Gasse mit einem einfachen Rohrstaberl, das sie im Ärmel versteckt hatten. Sie gingen in größeren Gruppen, und jeder wurde durch ein „gemalenes und geschriebenes“ Ei dafür „belohnt“, so dass jedes Mädchen wie beim üblichen Eiersammeln ohne Auspeitschen eine größere Anzahl vorbereiten musste. Einen „kunstvoll geflochtenen“ Rohrstab mit eingeflochtenen Maschen hatten hier nur die Kinder, die ihr Auspeitschen mit dem Heischeruf „Schmeckostern um a rots Oa“ begleiteten.

In Voitelsbrunn (Sedlec u Mikulova) wurde der Brauch nur mehr von den Kindern getragen, in Irritz war er trotz des ausgeprägten Heischebrauchtums der Burschen am Ostermontag unbekannt.

Der Brauch des Karawatschens oder Kowatschens als Tätigkeit der Burschenschaft wurde Werner Galler noch aus Herrnbaumgarten, Schrattenberg, Drasenhofen, Bernhardsthal und Katzelsdorf berichtet. Im Kinderbrauch war er noch in den 1960er Jahren in Rabensburg bekannt sowie in Drösing und Waltersdorf a. d. March. Die Vorratscher von Windisch-Baumgarten trugen den Kowatsch noch als Würdezeichen.

„Der Karawatsch war vo Weiden gflochten — sechs Äst, de san so schön viereckig worn, wann ma’s könna hat. De Burschen san am Ostermontag in der Fruah und am Vormittag ganga und harn de Madin gsalzen damit. Da hom de Madln schon quietscht, wann s‘ uns nur glei bei der Tür einakumma g’sehgn ham …“, erzählte der frühere Gemeindeangestellte und gelernte Wagner Karl Uher aus Untersiebenbrunn in einem Interview dem Forscher Galler.

In der Literatur über das Weinviertel finden sich laut Werner Galler zwei Mitteilungen älteren Datums. Der Volkskundler Weissenhofer berichtet: „Am Ostermontag karbatscht der slowakische Bursche (des Marchfelds) sein Mädl mit Weidenruthen, am Osterdienstag das Mädl den Burschen. Je inniger die Liebe, desto zahlreicher und ausgiebiger die Streiche. Dafür schenken sich die beiden gegenseitig ein Osterei.“

Leopold Teufelsbauer, der ehemalige Pfarrer von Herrnbaumgarten, stellt den Brauch für Mistelbach und Bernhardsthal fest und erzählt, dass die Mädchen am Morgen des Ostermontags „mit den Karbatschen, das sind aus fünf bis acht Weidengerten geflochtene, mit einem Mascherl verzierte Peitschen“, aus dem Bett getrieben wurden, „wenn sie es nicht vorziehen, sich durch eine Spende von Ostereiern loszukaufen“.

Helmut Fielhauer leitet das Wort „Korbatschen“ vom magyarischen „korbacsol“ (=peitschen) ab. Den Brauch weist er außer in den schon genannten Orten noch in Hohenau, Ringelsdorf, Sierndorf a. d. March, Altlichtenwarth und Asparn a. d. Zaya nach. Im ebenfalls genannten Zwerndorf bei Angern kennt man ihn nicht mehr und er ist immer seltener zu finden.

Die Verbreitung deckt sich also mit einem etwa 15 Kilometer tiefen Grenzstreifen gegen die Slowakei, die früher ungarisch war. Somit könnten die Marchfeldslowaken die ungarische Bezeichnung eingeführt haben. Das Korbatschen könnte noch weiter nach Westen gereicht haben, denn Fielhauer nennt Asparn, Teufelsbauer Mistelbach. In beiden Orten konnte Galler keine Erinnerung daran finden. Es ist auch interessant, dass eine Verbindung zu diesen beiden Orten über Poysdorf nicht bestanden haben dürfte, denn der Poysdorfer Forscher Thiel erwähnt ausdrücklich den „Karawatsch“ als Einrichtungsgegenstand des Stalles, ohne eine brauchtümliche Verwendung anzudeuten. Vielleicht könnte ein Weg über Zistersdorf nach Mistelbach zu finden sein, denn Galler konnte den Karawatsch als Abzeichen der drei Vorratscher in Windisch-Baumgarten entdecken. Dazu kommt auch die Tatsache, dass das „Schmeckostern“ bei den Deutschen in Ostmähren gebräuchlich war, in der Gegend von Znaim in der Literatur aber unerwähnt bleibt. Im deutschen Raum ist der Brauch meist unter den Namen Peitschen, Futteln, Schmeckostern bekannt gewesen.

Seit 1945 wurde das Korbatschen völlig von Kindern übernommen. Ab etwa 1970 wurde es im großen Umfang nur mehr in Herrnbaumgarten durchgeführt. Aber auch dort ist es nunmehr immer weniger geworden und wird höchstens von Kindern durchgeführt. Die Peitschen waren ursprünglich kunstvoll aus acht „Felberruten“ geflochten und die Kinder schlugen damit nur heischend an die Tür, nicht auf Frauen und Mädchen.

In Windisch-Baumgarten schließlich ist der Karawatsch nur beim Ratschen erhalten geblieben. Gerade diese drei Orte waren immer, im Gegensatz zu jenen an der March, rein deutsch. Jedenfalls dürfte das nordöstliche Weinviertel das einzige Gebiet westlich der March sein, in dem am Ostermontag die Karbatsche gehandhabt wurde und vereinzelt noch wird.

 

Quellen: Werner Galler, Die Burschenschaft des östlichen und mittleren Weinviertels, Wien 1971; Helmut Fielhauer, Das Korbatschn — ein Osterbrauch im Weinviertel. In: Kulturberichte aus Niederösterreich, 1965; Leopold Teufelsbauer, Jahresbrauchtum in Niederösterreich; R. Weissenhofer, ÖUMWB – Niederösterreich, Wien 1888; Franz Thiel, Hausrat und Kleidung im niederösterreichischen Weinlande, ÖZV 1950.

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