Fasching in Maissau: „A rechte Hetz’…“

Der Faschingsumzug 2016 in Maissau war als großer Hit angekündigt worden und tatsächlich hatten sich auch zahlreiche Zaungäste eingefunden, beklatschten und bejubelten die Kostümierten und die geschmückten Wagen, so lange bis etlichen Besuchern Lachen und Heiterkeit buchstäblich im Hals stecken blieben – kam da doch tatsächlich ein Wagen daher, „geschmückt“ mit Hass, Hetze und Neonazi-Symbolik.

Was eine richtige Gaudi werden sollte, war mit einem Schlag zur „rechten Hetz'“ geraten.

Maissauer Faschings-“Spaß” mit Hass-Parolen und Neonazi-Symbolik auf dem Nummernschild. Bild: © privat

Maissauer Faschings-“Spaß” mit Hass-Parolen und Neonazi-Symbolik auf dem Nummernschild. Bild: © privat

Ein Bild erhängter Menschen, ein Plakat, auf dem sich Maissau zynisch als „Partnerstadt Kölns“ anbiedert, ein Bild des Bundeskanzlers, darunter die Worte „Islam verleiht Flügel“ und – als ob dieser Wagen nicht schon genug Menschenverachtendes ausgestrahlt hätte – ein Nummernschild mit der Aufschrift „Asyl 88“. Für (noch immer) Uneingeweihte: die Zahl „88“ bedeutet in der Neo-Nazi-Symbolik zweimal den 8. Buchstaben im Alphabet, also H, und steht somit für „Heil Hitler“.

Stimmungsmacher à la Maissau: Menschen, die vom Galgen baumeln. Bild: ORF

Stimmungsmacher à la Maissau: Menschen, die vom Galgen baumeln. Bild: ORF

Vorbei war es dann bald bei vielen Gästen mit der Feststimmung. Betreten fuhren viele nach Hause, nicht unfroh, so einen Ort, der Hass und Hetze offenbar für faschingstauglich hält, hinter sich lassen zu können.

Die Katerstimmung breitete sich in Maissau dann schon kurz nach dem Faschingsumzug aus. Der Aschermittwoch war sozusagen vorverlegt.

Auf diese zynische Anbiederung hat man in der Karnevalshochburg am Rhein gerade noch gewartet. Bild: © privat

Auf diese zynische Anbiederung hat man in der Karnevalshochburg am Rhein gerade noch gewartet. Bild: © privat

Bereits am Rosenmontag winselte der Bürgermeister in die ORF-Mikrofone, es sei „übers Ziel hinausgeschossen“ worden und man müsse in Zukunft „vielleicht mehr [darauf] achten“. Man habe den Wagen erst beim Umzug gesehen und von den Plänen der Organisatoren im Vorhinein „nichts gewusst“. Auch der Obmann des Faschingsvereins habe von der Gestaltung des Wagens „keine Ahnung“ gehabt. Und den Gestaltern des Wagens sei auch noch „nicht bewusst“, dass sie „übers Ziel hinausgeschossen“ hätten.

Also alles lauter unbewusste, ahnungslose, um nicht zu sagen unschuldige Lämmer? Nichts gesehen, nichts gehört und völlig unbedarft halt einen Wagen schön angemalt? Ganz im Sinne der „Brauchtumspflege“ sozusagen?

Als wenn man diese Art der „Verantwortung“ nicht schon längst kennen würde! Eine „Verantwortung“, nahe verwandt den von anderen rechten Umtrieben sattsam bekannten „Dumme-Jungen-Streichen“, mit denen Neo-Nazi-Sympathisanten gerne ihre Taten kaschieren.

Derart „lustige“ verhetzende Faschingsaufmärsche kennt man schon aus der Karnevalshochburg Köln des Jahres 1938. Aus dem Karneval in der NS-Zeit wurde in den Folgejahren schnell tödlicher Ernst.

Inzwischen kümmern sich ausführlich Medien und verdientermaßen Staatsanwaltschaft und Verfassungsschutz um die Maissauer Hetzparade.

Ein Blog hat darüber hinaus auch was Gutes. Der Verfasser ist nicht unbedingt an die geschriebenen und ungeschriebenen Gesetze des Journalismus oder den Ehrenkodex für die Presse gebunden. Selten zuvor habe ich diese fehlenden Fesseln mehr genossen und schreibe frei heraus dem Bürgermeister von Maissau, Josef Klepp, ins Stammbuch:

Ein Bürgermeister repräsentiert unter anderem seine Gemeinde nach außen. Er ist quasi das Gesicht der Gemeinde.

Ein Bürgermeister, der nicht wahrnimmt, was sich in seiner Gemeinde mit nicht einmal 2000 Einwohnern vor und hinter den Kulissen abspielt, hat dieses demokratische Amt nicht verdient.

Einen Bürgermeister, der blind und blöd in der Gemeinde umher stolpert, ohne mitzukriegen, welche Strömungen sich im Verborgenen ausbreiten, welcher Hass sich an den Biertischen, in den Weinkellern und auf Faschingsumzügen breit macht, hat die Gemeinde nicht verdient.

Und ein Bürgermeister der diese kranken Strömungen in seiner Gemeinde auch noch duldet oder gar fördert und sei es auch „nur“ durch beschwichtigendes Herumeiern und schützendes Decken von Vereinsmeiern und G’schaftelhubern, hat jegliches Recht verloren, ein demokratisches Amt auszuüben.

Die gute Nachricht: Für den Maissauer Faschisten- ähh Faschingsumzug interessieren sich seit Rosenmontag Staatsanwaltschaft und Verfassungsschutz.

Die noch bessere Nachricht: Viele Besucher haben schon während des Umzugs ihre Abscheu bekundet und in die Gemütlichkeit der Gemeindestube flattern dem Vernehmen nach immer wieder kritische E-Mails.

Die auf der Maissauer Tourismusseite eilends veröffentlichte „Stellungnahme“ zu dem völlig entgleisten Event ist nur die schriftliche Form des bisherigen rückgratlosen „Herumeierns“ des Bürgermeisters. Sie lässt nicht im Geringsten auf eine Änderung in der Einstellung der Verantwortlichen schließen  und scheint lediglich von der Angst getrieben, die Glitzerwelt der „Amethyststadt“ könnte wirtschaftlichen Schaden erleiden.

 

Quellen: KURIER vom 8. 2. 2016; ORF NÖ; NÖN online vom 8. 2. 2016; kölnprogramm Filmarchiv

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