Laa an der Thaya: Nazidreck vor dem Rathaus… Ist es schon wieder soweit?

Der Stadtplatz von Laa an der Thaya im Mai 2016: Nazidreck im Morgengrauen vor dem Rathaus. Die Bürgermeisterin (kl. Bild) redet's klein und lächelt's weg. Bild: © privat

Der Stadtplatz von Laa an der Thaya im Mai 2016: Nazidreck im Morgengrauen vor dem Rathaus. Die Bürgermeisterin (kl. Bild) redet’s klein und lächelt’s weg. Bilder: © privat/Stadtgemeinde Laa an der Thaya

Wiederbetätigung im Sinn des Nationalsozialismus ist ein Verbrechen. Nach dem Verbotsgesetz von 1947 stehen darauf bis zu zehn Jahre Haft. Nicht nur diese Strafandrohung ließ uns bisher im Allgemeinen ewig gestriges Gedankengut ächten. Erziehung, Bildung, Engagement, Courage und das Gedenken an die Opfer des Nazi-Regimes schafften es leidlich, dass Nazidreck selbst von Menschen mit geringem Geschichtsbewusstsein als solcher erkannt und entlarvt wurde. Toleriert werden braune Tendenzen hinter vorgehaltener Hand trotzdem schon immer.

In Laa an der Thaya ist das spätestens seit dem 20. Mai 2016 anders. Da entdeckte ein Arbeiter der Stadtgemeinde im Morgengrauen am Maibaum auf dem Stadtplatz, direkt vor dem Rathaus, eine Hakenkreuzfahne. Ordentlich um den Stamm drapiert. Ganz offen. Ganz offensichtlich.

Ohne Zögern tat der Gemeindearbeiter das, wozu jeder denkende Staatsbürger rechtlich und wohl auch politisch-moralisch verpflichtet ist: er zeigte diese Tatsache ohne zu zögern bei der Polizei an.

Wer die Hakenkreuzfahne an den Baum genagelt hat? Darüber rätselt nun die Exekutive. Sie rückte gegen 7 Uhr aus und entfernte das Symbol eines verbrecherischen Systems.

Jetzt ermitteln wieder einmal Polizei und Verfassungsschutz, aber wie so oft in ähnlichen Fällen mit bescheidenen Erfolgsaussichten. Eine erste Suchaktion nach weiteren Nazisymbolen in der näheren Umgebung blieb jedenfalls erfolglos. Nun sollen mögliche Zeugen einvernommen werden.

Über eine aktive rechtsextreme Szene in Laa an der Thaya ist nach Angaben von Polizeisprecher Raimund Schwaigerlehner nichts bekannt. Zwar habe es in Laa an der Thaya vor geraumer Zeit eine solche Szene gegeben, deren Mitglieder seien aber in den letzten Jahren nicht polizeilich auffällig geworden, verlautet aus Polizeikreisen.

Also alles doch nicht so schlimm? Manche Laaer Bürgerinnen und Bürger sehen das etwas differenzierter und stellen unumwunden einen Zusammenhang mit dem Bundespräsidentschaftswahlkampf her, in dem einer der Kandidaten betont nationalistische Töne spuckte. Es sei ein Klima entstanden, in dem es möglich geworden sei, sich offener aus den bisher eher mühsam verborgenen Schlupfwinkeln zu wagen.

Brigitte Ribisch, die ÖVP-Bürgermeisterin der Grenzstadt, beeilte sich sogleich, die Tat als bloße „Provokation“ einzuordnen – eine verharmlosende Einschätzung, die nicht allzu weit von den „Dumme-Jungen-Streichen“ abweicht, mit denen man ähnliche Verbrechen gerne abtut. Sie ließ aber wissen, dass sie die Tat „aufs Schärfste“ verurteile.

No na…

Von einer ehemaligen „Bildungsmanagerin“ darf, nein, muss man couragierteres und engagierteres Auftreten erwarten. Nichts sagende Worthülsen, lächelnde Verharmlosung und Kleinreden einer braunen „Flaggenparade“ vor dem eigenen Rathaus sind kein geeignetes Mittel, um den Ratten den Kampf anzusagen.

Die steirische Musikgruppe STS hat uns übrigens ein wunderbares Lied gegen die Verharmlosung gewidmet.

Frau Bürgermeisterin, bitte gut zuhören!

 

Quellen: KURIER; ORF NÖ; NÖN

*

Acht Tage brauchte die Bürgermeisterin von Laa an der Thaya für eine Stellungnahme, aber nicht etwa zu der Hakenkreuzfahne auf dem Stadtplatz sondern um den Blogger der Lüge zu bezichtigen. Zwar lässt sie wissen, sie verabscheue die Tat, schreibt aber gleichzeitig von „Lügenberichterstattung“, eine Diktion, wie wir sie von den rechten Recken einer Pegida und ihren Ablegern kennen.

Hat es die Naziflagge vor dem Rathaus etwa nicht gegeben? Das Bild spricht eine andere Sprache . Worin besteht also die angebliche Lüge?

Der Blogger hat nicht erwähnt, dass „wir in Laa ein jüdisches Denkmal haben, das für alle Ewigkeit das Naziregime verurteilt“. Schön, dass es dieses Denkmal gibt, eine Gedenkstätte, deren Errichtung allerdings nicht der Stadtgemeinde zu verdanken ist sondern einer Initiative des privaten Vereins Lead Niskor.

Was aber hat die Gedenkstätte mit der Nazifahne zu tun? Meint die  Bürgermeisterin, damit sei schon genug getan? Dass dem nicht so ist, beweist gerade die Naziflagge im Morgengrauen des 20. Mai 2016, beweisen weitere ewiggestrige Vorfälle in der jüngeren Vergangenheit in Laa, auch schon vor Frau Ribischs Amtszeit.

Es verwundert nicht, dass der Verfasser der Meldung über die Nazi-Beflaggung des Stadtplatzes attackiert, die Tat selbst aber als simple „Provokation“ abgetan wird, die man in einem Nebensatz halt „verabscheut“.

Es verwundert auch nicht, dass sich die Bürgermeisterin nun als Opfer der Kritik sieht. Die Opferrolle nimmt man dann gerne an, wenn es allzu schwer fällt, ein Bekenntnis abzulegen. Ein bedingungsloses Bekenntnis zu Demokratie und einer offenen solidarischen Gesellschaft, gegen Rassismus, Faschismus und Fremdenfeindlichkeit. Genau so ein Bekenntnis wäre mutig gewesen und das hätte mancher aufrechte Demokrat auch erwartet. Wer Rückgrat hat, braucht nicht die Krücke der Opferrolle und muss auch Kritik nicht fürchten.

Gegen den braunen Ungeist und derlei „Provokationen“ bedarf es mehr als eines Denkmals. Es bedarf beherzten Auftretens und mutigen Entgegentretens, nicht beschwichtigender Worte.

WEHRET DEN ANFÄNGEN!

 

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2 Antworten zu Laa an der Thaya: Nazidreck vor dem Rathaus… Ist es schon wieder soweit?

  1. Brigitte RIBISCH schreibt:

    Als Bürgermeisterin weise ich darauf hin, dass der Verfasser dieses Textes lügt, wenn er unter anderem sagt, dass ich das weglächle. Warum lügen die Verfasser des Artikels, die Tat ist schrecklich genug . Wer gestattete die Verwendung meines Fotos ?!? Ich verabscheue die Tat und gute Recherchen hätten ergeben, dass wir in LAA ein jüdisches Denkmal haben, dass für alle Ewigkeit das Naziregime verurteilt und alle Menschen warnt und nicht vergessen lässt, was damals Schreckliches geschehen ist. Ich bitte um prompte Richtigstellung!!! Lügenberichterstattung gab es auch damals in dieser schrecklichen Zeit!

    • camerahumana schreibt:

      Eine Stellungnahme findet sich im Anschluss an den ursprünglichen Artikel. Noch eine Anmerkung zur kritisierten Verwendung des Bildes: Das Bild stammt von einem Fotografen der Stadtgemeinde Laa und ist ein Pressefoto. Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens müssen Abbildungen in einem Medium tolerieren, zumal es sich um ein Bild handelt, das weder verfremdet noch verzerrt wurde.

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