Vorurteile raus, statt Ausländer raus! Anmerkungen zu einer Willkommenskultur à la Mistelbach.

Ein „südländischer Typ“ soll kürzlich im Mistelbacher Freibad in eine Umkleidekabine eingedrungen sein und dort ein 13-jähriges Mädchen sexuell missbraucht haben.

Was für eine „Story“! Sofort stürzten sich diverse Medien auf den „Stoff“, darunter auch solche, die sich üblicherweise seriös geben, die gerne sogar den für sich selbst erfundenen Begriff „Qualität“ vor sich hertragen, wie DiePresse oder die NÖN , die ihr „christliches Weltbild“ allzu oft durchblicken lässt.

Die alarmierte Polizei fertigte ein „Phantombild“ nach den Angaben des Mädchens an. Der Gemeinderat der Stadt Mistelbach traf sich eilends zu einer Krisensitzung, als ob ein Kriegsausbruch unmittelbar bevorstünde, und verhängte pauschal ein Hausverbot für Asylwerber: „Today no entry for refugees“. Ein Schild mit diesen „freundlichen“ Worten war schnell gedruckt, ebenso schnell, wie eine in einem Freibad nur lächerlich wirkende „Security-Truppe“ einberufen wurde.

Ein paar Tage später hieß es dann, das Badeverbot für Flüchtlinge sei „missverständlich“ als generelles Badeverbot interpretiert worden. Offenbar war dem ÖVP-Bürgermeister schon damals unwohl bei dem Gedanken, er könnte als Vorreiter einer „Ausländer raus“-Bewegung angesehen werden.

Und dann begann das Gebäude aus Lügen, Verdächtigungen und Vorurteilen Stück für Stück zu bröckeln. Zunächst wurde aus dem „sexuellen Missbrauch“ eine „Belästigung“, dann fand man partout niemanden, der zu dem Phantombild passen wollte und schließlich gestand das angebliche Opfer, die ganze Geschichte nur erfunden zu haben.

Und der Bürgermeister? Er habe das Hausverbot für Flüchtlinge doch „nur zu deren Schutz“ verhängt…

Also eh alles in Ordnung? Eh nix passiert?

Es geht gar nicht mehr um die wirren Fantastereien einer pubertierenden 13-jährigen, wenngleich man schon fragen darf, in welchem Umfeld ein Mädchen aufwächst, das solche Lügengeschichten braucht, um sich in der Öffentlichkeit interessant vorzukommen. Was haben Eltern, Lehrer und andere Bezugspersonen dem Mädchen bisher vermittelt?

Es geht um den Bürgermeister einer Bezirkshauptstadt, der hilflos, fast „trottelig“ nach Ausflüchten sucht, um seine eigenen Vorurteile und die seines Gemeinderats zu verschleiern, anstatt zu bekennen, vorschnell weit übers Ziel hinausgeschossen zu haben.

Und letztlich geht es um unser aller Vorurteile, um unser offensichtlich tief sitzendes Misstrauen, unsere Ängste, unsere Abwehrhaltung gegenüber Fremden, für die es ganz selten eine rationale Begründung gibt.

Die Lösung kann nur heißen: „Vorurteile raus, statt Ausländer raus!“

 

 

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